Thriller mit Harrison Ford und Tommy Lee Jones

Kritik von Cliff Brockerhoff

Als der Gefäßchirurg der ortsansässigen Klinik in Chicago, Dr. Richard Kimble, auf dem Rückweg von einer Charity-Veranstaltung zu einem Notfall gerufen wird, ahnt er noch nicht, welches Schicksal ihn an jenem Abend erwarten wird. Bei der Rückkehr in seine Wohnung ist seine Frau Hellen bereits tot, und Kimble gelingt es nicht, den Einbrecher zu stellen. Trotz seiner Aussage nimmt die Polizei ihn als Mörder fest, und aufgrund der Indizien wird Kimble zur Todesstrafe verurteilt. Bei der Überführung gelingt ihm nach einem Unfall des Transportwagens allerdings die Flucht, und ein Katz- und Mausspiel mit der Polizei beginnt.

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„Auf der Flucht“ ist ein sechsfach oscarnominierter Thriller aus dem Jahre 1993. Regie führte Andrew Davis, der unter anderem durch seine Werke „Alarmstufe Rot“ und „Collateral Damage“ bekannt wurde. Der Film basiert auf der gleichnamigen Fernsehserie und ist lose an den Fall des unschuldig wegen Mordes verurteilten Arztes Samuel Sheppard angelehnt.  In den Hauptrollen finden sich Harrison Ford als Dr. Richard Kimble und Tommy Lee Jones als skrupelloser Marshall Samuel Gerard. Letzterer erhielt für seine Darstellung den Oscar in der Kategorie „Bester Nebendarsteller“.

Filmanalyse

Im ersten Drittel legt der Film ein wahnsinniges Tempo hin. Nach seiner Flucht heftet sich Gerard an die Fersen Kimbles und es entsteht eine irre Hetzjagd, die dem Zuschauer keinerlei Pausen gönnt. Zahlreiche Schauplätze bieten ein hohes Maß an Abwechslung, und auch die schauspielerische Leistung der Protagonisten befindet sich auf konstant hohem Niveau. Leider wirkt die Story an manchen Stellen etwas zu konzipiert, und der geneigte Betrachter kann in manchen Situationen verhältnismäßig leicht erahnen, was wohl als nächstes passieren wird.

Im zweiten Drittel wird das Tempo etwas heruntergefahren und der Film konzentriert sich mehr auf die einzelnen Charaktere, die nun mehr Tiefe erhalten. So wirken die Handlungen authentischer und es entwickeln sich zwei Handlungsstränge, die beide für Spannung sorgen. Mit fortschreitender Lauflänge verlaufen beide Geschichten ineinander und die Geschwindigkeit wird wieder erhöht.

Unglücklicherweise erweist sich das letzte Drittel als etwas problematisch. Gerade in Bezug auf die Auflösung wirkt der Film an einigen Stellen plötzlich etwas zu gehetzt und es werden Schlag auf Schlag Zusammenhänge gebildet, die, wenn man dem Film nicht konzentriert folgt, erst einmal für leichte Verwirrung sorgen können. Gegen Ende bekommt der Zuschauer allerdings eine zufriedenstellende Auflösung präsentiert, sodass keinerlei Fragen offen bleiben sollten.

Die Charaktere

Wie schon erwähnt fokussiert sich „Auf der Flucht“ hauptsächlich auf zwei Charaktere: Harrison Ford als Dr. Richard Kimble macht seine Sache gut. Seine Handlungen sind nachvollziehbar und durch seine Präsenz kann der Zuschauer sich leicht mit dem Protagonisten identifizieren. Auch Tommy Lee Jones nimmt man die Rolle des ambitionierten Cops zu jeder Zeit ab, und trotz seiner harschen Art sammelt auch der Antagonist Sympathiepunkte. Ob der ihm verliehene Oscar allerdings die zwingende Schlussfolgerung war, lässt sich durchaus anzweifeln. Nichtsdestotrotz; eine gute Leistung von beiden. Außerdem im Cast befinden sich unter anderem Julianne Moore („The Hours“, „Children of Men“), Jane Lynch („Two and a half men“, „Glee“) oder aber Nick Searcy (zuletzt gesehen in „Three Billdboards outside Ebbing, Missouri“ und „Shape of water“). Long story short: Alle Darsteller machen einen ordentlichen Job.

Die Effekte wirken, bis auf eine Ausnahme (David Copperfield lässt grüßen), hochwertig. Auch die Kameraarbeit, die Schnitte und die Soundeffekte ergeben ein rundes Bild, lassen aber hier und da doch erahnen, dass der Film bereits 25 Jahre alt ist. Insgesamt fällt auf, dass der Film zwar den Charme der 90er spielend leicht transportiert, verglichen mit heutigen Thrillern dieser Kategorie aber doch einige Schwächen offenbart. Wirklich vorwerfen kann man ihm dies aber nicht.

Fazit

Zusammengefasst bietet „Auf der Flucht“ eine abwechslungsreiche und spannende Geschichte. Seine Lauflänge von über zwei Stunden merkt man ihm an, auch wenn es keine Phase gibt, in der der Film wirklich stark abflacht. Was bleibt, ist ein unterhaltsamer Film für Genreliebhaber, der im Vergleich zu Perlen aus seiner Zeit wie „Heat“, „Sieben“ oder auch „Das Schweigen der Lämmer“ aber letztlich den Kürzeren zieht.