Aaron Sorkin kennt man als einen der brillantesten und versiertesten Drehbuchautoren Hollywoods: Seit „A few good men“ („Eine Frage der Ehre“), immer noch einer der besten Gerichtsthriller überhaupt, hat er einen originären und unverkennbaren Schreibstil entwickelt, der sich durch schnelle und kluge Dialoge auszeichnet. Mit    „Molly´s Game“ liefert er nun sein nicht minder beeindruckendes Regie-Debüt, in dessen Zentrum eine überragende Jessica Chastain („Zero Dark Thirty“) eine schauspielerische Glanzleistung abliefert.

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Die Story ist unglaublich wie wahr: Molly Bloom, überdurchschnittlich intelligent und talentiert, muss nach einer Verletzung ihre Skisport-Karriere früh an den Nagel hängen. Neben dem Studium verdingt sie sich als Assistentin eines Organisators von halb-legalen Underground-Pokerspielen, der prominenten Spielern das Geld aus der Tasche zieht. Nach einem Konflikt macht sie sich „selbstständig“, und managt ab nun ihre eigenen, elitären und exklusiven Pokerrunden. Doch diese Existenz am Rande der Legalität fordert ihren Tribut: Drohender (finanzieller und persönlicher) Ruin, Drogenmissbrauch, und immer zwielichtigere „Kunden“ bringen das FBI auf ihre Fährte – bis sich dieses Leben im Schatten nicht mehr aufrechterhalten lässt.

Sorkin stellt, neben den gewohnt geschliffenen Dialogen, Jessica Chastain ins Zentrum seinen Films: Sie (und ihre Molly Bloom) liefern eine wahre Tour de Force ab, unverständlich, warum keine Oscar-Nominierung dabei rausschaute. Ihr zur Seite stellt der Regisseur einen ebenso überzeugenden Idris Elba (neuer James Bond?) als Anwalt, das Schnellsprech-Ping-Pong der beiden ist in vielen Szenen eine echte Augen- (und Ohren-) Weide.

Nicht nur die Story erinnert an Scorseses Meisterstücke „Good Fellas“ und, vor Allem, „Casino“ – eben mit weiblicher Protagonistin -, auch inszenatorisch nimmt Sorkin Anleihen an der Regie-Ikone: Schnell Schnitte, eine Stimme aus dem Off, die das sowieso schon hohe Tempo und die Dichte noch weitere erhöhen: Alles in Allem ein mehr als gelungenes Regie-Debüt, in dem einer der besten Drehbuchautoren des US-Kinos beweist, dass er (in Zukunft) nicht mehr auf die Kollaboration großer Regisseure angewiesen ist; dass es immer noch gute Geschichten gibt, die erzählt werden wollen. Und dass Jessica Chastain zu den ganz Großen ihrer Zunft zählt. Unbedingt ansehen!

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