Ein oft vergessenes und übersehenes Meisterwerk mit den jungen Matt Damon und Jude Law in den Hauptrollen: Anthony Minghella’s „Der talentierte Mr. Ripley“.

Mit „Der talentierte Mr. Ripley“ präsentiert Oscar-Preisträger Anthony Minghella („Der englische Patient“) einen Psycho-Thriller, der sich vom Feelgood-Movie zur abgründigen Studie der menschlichen Psyche wandelt. Ein bis in die Nebenrollen (Cate Blanchett, Philip Seymour Hoffman) großartig besetzter Film, der Lust auf Italien macht.


Der kluge, aber arme Kleinbürger Tom Ripley (Damon) bekommt vom Industriellen Herbert Greenleaf den Auftrag, dessen in Italien verschollenen Sohn „Dickie“ (Jude Law) zurückzuholen, der dort die Finanzen des Vaters verprasst, und dem „leichten Leben“ fröhnt. Mit Geld ausgestattet, macht sich Tom auf den Weg nach Europa, um sich zuerst in Italien, dann in Dickies Leben und letztlich in Dickie selbst zu verlieben – womit das Drama seinen Lauf nimmt.

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Zuerst beeindruckt der Film durch die wunderbare Inszenierung und detailgetreue Rekonstruktion und reiche Schilderung des Dolce far niente der amerikanischen upper class im Italien der 50er. Man taucht förmlich ein in die Welt voller Jazz, gutem Essen, schönen Frauen und Dolce Vita. Ebenso geht es Tom, der Dickie und dessen Leben verfällt. Nach knapp einer Stunde ist der erste Teil des Films vorbei – und Dickie tot. Langsam wird aus der Lüge Wahrheit, aus Tom Dickie, und aus dem Traum Realität: Tom Ripley führt das Leben eines anderen. Ein Verwirr- und Versteckspiel beginnt, das Hitchcock´sche Dimensionen annimmt.

„Der talentierte Mr. Ripley“ ist ein dichter psychologischer Thriller, der einerseits von seiner Schönheit, den eindrücklichen Bildern, der guten Inszenierung und sehr guten Schauspielerleistungen lebt. Vor Allem Jude Law als amerikanischer Snob liefert eine Meisterleistung ab, Cate Blanchet und ein genialer Philipp Seymour Hoffman in den Nebenrollen stehen ihm um nichts nach. Andererseits glänzt der Film als tiefgründige Studie der menschlichen Psyche. Ripley wird als „netter Psychopath von nebenan“ (wie im Buch) geschildert, der an sich nicht mit nur schlechten Intentionen gestartet war, aber immer weiter in einen selbst verursachten Strudel aus Lügen gerät, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt.

Am Ende gibt es keine Antworten und keine Erlösung, der geplagte Bösewicht kommt davon, allerdings mit seinen Dämonen weiter im Keller, zu dem er niemandem die Schlüssel anvertrauen kann: Alles in allem ein sehenswerter Film, der Thrill mit einer herrlichen Szenerie verbindet.

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