Bei der Weltpremiere bei der Berlinale ´18 sorgte Wes Andersons neuer Film (auch dank perfekter PR) für ziemliche Begeisterung, am 11.5. startet das Stop-Motion-Animations-Kunststück „Isle of Dogs“ auch bei uns in den Kinos. Der Film kann zwar durch seine recht eindrückliche visuelle Aufbereitung glänzen, ist aber etwas zu selbstverliebt, und so geht die wohl eigentlich intendierte Message im bonbonfarbenen visual overkill etwas verloren.


Die Story geht so: Atari, ein Weise, wird von seinem Onkel, dem halbkorrupten Bürgermeister von Tokio, nach dem Tod seiner Eltern bei sich aufgenommen. Sein treuester Gefährte wird sein Hund Spot, den er in jungen Jahren geschenkt bekommt. Eines Tages breitet sich die „Hundegrippe“ in der ganzen Stadt aus, und die Politik entscheidet, alle Hunde aus der Stadt auf eine abgelegene Insel zu verbannen – und damit ist auch Spot weg. Atari macht sich schließlich auf eigene Faust auf die Suche nach seinem besten Freund…

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Die Geschichte klingt zugegeben recht lieb, lässt sich als Fabel über Freundschaft und das friedliche Zusammenleben aller Lebewesen mit metaphorischen Anklängen und von Disney`scher Warmherzigkeit an, erreicht aber zu keinem Zeitpunkt die Qualität der großen Disney-Meisterwerke, was vor Allem daran liegt, dass Anderson den schon süßen Kern seiner Geschichte mit einer derart dickflüssigen zähen bonbonfarbenen Künstlichkeit überzieht, dass von der netten Geschichte wenig bis gar nichts mehr übrig bleibt.

Anderson erstickt den Zuseher geradezu mit seinen Kreativeinfällen („Isle of Dogs“ ist ein Stop-Motion-Puppen-Animationsfilm), mit (zu) selbstverliebt und stolz zur Schau gestellter Artifizialität, sodass die nette Grundidee im Hintergrund verschwindet. Natürlich, visuell ist das Ganze beeindruckend – aber in diesem Fall hieße es wohl wirklich: Weniger ist mehr. Jede Einstellung will ein eigenes Kunstwerk sein, Anderson verwandelt den Kinosaal in ein ermüdendes und auf Dauer ermattendes Kinetoskop, in dem oberflächlich wunderschöne Bilder an einem vorbeiflimmern, denen aber irgendwie Leben und der innere Zusammenhalt fehlt.

Hippe Anderson-Jünger und werden wohl auch bei „Isle of Dogs“ auf ihre Kosten kommen, alle anderen können die 1.5 Stunden für ein Nickerchen nutzen: Eine nette und hübsch inszenierte Geschichte, aber zu überkandidelt und zu detail- und selbstverliebt. Trotz (oder gerade wegen) des offensichtlichen visuellen Einfallsreichtums erreicht der Film nie die erzählerischen Qualitäten vergleichbarer Trickfilm-Klassiker von Disney und Co.

Bewertung: 6 von 10 Punkten

von Christian Klosz

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