Unsere Rubrik „Film der Woche“ feiert heute ein kleines Jubiläum: Schon Film Nummer 20 dürfen wir euch in unserer kleinen, aber feinen Filmsammlung präsentieren. Die Wahl fiel diesmal auf ein eher unbekanntes Werk des großen Martin Scorsese, nämlich „The King of Comedy“, seine schwarze und satirische Komödie aus dem Jahr 1982, die geradezu prophetisch den Sendungszwang in moderner Massenmedien vorweg- und aufs Korn nahm, und so das Portrait einer Zeit (voraus) zeichnete, die zum Entstehungszeitpunkt noch gar nicht begonnen hatte.


Rupert Pupkin (Robert DeNiro), ein von sich über alle Maßen überzeugter Nichtskönner, hat nur ein Ziel: Seine eigene Comedy-Show im Fernsehen. Zu diesem Zweck hängt er sich an sein großes Vorbild, Jerry Langford (genial: Jerry Lewis), seinerseits großer Latenight-Show-Host und der wahre „King of Comedy“. Langford ist schnell genervt von Pupkins penetranter Art, als dieser schließlich auch noch unangemeldet bei ihm zu Hause auftaucht, hat er endgültig die Schnauze voll. Pupkin, dessen manisches Ego von soviel Ablehnung nur noch weiter befeuert wird, kidnappt Langford kurzerhand, und erpresst dessen TV-Sender: Einen Abend will er seine eigene TV-Show – erst danach wird Langford freigelassen; ganz nach dem Motto: Better to be king for a night than schmuck for a lifetime.

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Scorsese nahm mit seiner ersten (schwarzen) Komödie die Mechanismen der modernen Medien-Welt von der Mitte der 90-er bis heute in geradezu prophetischer Weise vorweg: Von Talk-Shows über Reality-TV bis hin zu den Social-Media-Hipstern der Gegenwart: Die (Medien-)Welt ist bevölkert von selbstverliebten Selbstdarstellern, bei denen Talent Selbstüberschätzung nur in den seltensten Fällen übersteigt. Ein eben solcher ist Rupert Pupkin, der sich – nicht Trump-unähnlich – für den Größten hält, permanent mit seinen (nicht vorhandenen) Fähigkeiten prahlt, und sich geradezu für „auserwählt“ hält, das Publikum zu unterhalten.

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Beim Erscheinen war „The King of Comedy“ kein großer Erfolgt, auch viele Kritiker waren irritiert: Vom Gespann Scorsese – De Niro war man anderes gewöhnt, zudem war der Film seiner Zeit wohl einfach zu weit voraus.

Sieht man „The King of Comedy“ heute, erscheint er immer noch hochaktuell. Der Film ist voller bizarrer Szenen, schrägem Humor, und komischen Einlagen. De Niro überzeugt als narzisstische Nervensäge, die sich für Gott hält, aber am Ende als bemitleidenswerter Wicht enttarnt wird, der in einer Traumwelt lebt: Genial die Szene, in der er in seinem Zimmer sitzt, mit fiktiven Gästen einer fiktiven Talkshow quatscht – während er dabei von seiner Mutter unterbrochen wird, die aus dem Erdgeschoss nach oben ruft, er möge doch endlich den Müll rausbringen.

Fazit: Ein definitiv ungewöhnlicher Scorsese-Film, aber deshalb nicht minder sehenswert – und topaktuell: „The Kind of Comedy“ ist auf jeden Fall eine Sichtung wert.

von Christian Klosz

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