Als die Mutter der jungen Albrun eines Tages überraschend früh ihrer Krankheit erliegt, ist die junge Ziegenhirtin fortan auf sich alleine gestellt. Schnell muss sie feststellen, dass sich die Dorfgemeinde von ihr isoliert und sie meidet. Nach der Geburt ihrer eigenen Tochter beginnt Albrun eine dunkle Präsenz wahrzunehmen, und schnell verbreitet sich das Gerücht, dass die Eigenbrödlerin eine Hexe sei. Eine Hetzjagd beginnt, die Albrun an den Rande ihrer geistigen Gesundheit bringt.

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Der deutsch/österreichische Horrorfilm „Hagazussa“ hat eine Laufzeit von 102 Minuten und ist der Abschlussfilm der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Es ist der erste Langspielfilm des in Wien geborenen Lukas Feigelfeld, der für Drehbuch, Regie und Produktion verantwortlich war. Seine Premiere feierte „Hagazussa“ im Rahmen des Fantastic Fest in Texas. Ab dem 17. Mai wird der Film in ausgewählten Kinos zu sehen sein.

Wer sich den Trailer oder die Vermarktung des Werkes zu Gemüte führt, wird schnell erkennen, dass es einige deutliche Parallelen zum Überraschungserfolg „The VVitch“ gibt. Es wird ganz offen damit geworben, dass „Hagazussa“ sich am Meisterwerk von Robert Eggers anlehnt. Diese Herangehensweise führt natürlich unweigerlich dazu, dass der Film sich hohen Erwartungen gegenüber sieht, sorgt aber automatisch auch dafür, dass viele Leute vorab auf ihn aufmerksam wurden. Ob Feigelfelds Kreation wirklich Schritt halten kann, werden die kommenden Zeilen versuchen, zu klären.

Ja, die Reminiszenzen sind da. Nein, sie sind nicht nur da, sie sind deutlich: Nahezu omnipräsent. Das Setting, das im 15.Jahrhundert angesiedelt ist, erinnert mit seinen dichten Wäldern, verlassenen Landstrichen und seiner verschneiten Idylle schon sehr an das genannte Referenzwerk aus dem Jahre 2015. Atmosphärisch wird auch hier auf die Ausdruckskraft der Bilder und der Akustik gesetzt. Dialoge sind rar gesät, und nicht im Entferntesten so relevant wie die audiovisuelle Komponente.

Im Detail bedeutet das, dass der Film einer sehr zähen Erzählstruktur folgt, bei der vieles nur Stückwerk bleibt. Aufgeteilt in vier Kapitel (Schatten, Horn, Blut, Feuer) „ertrinkt“ das Werk zeitweise beinahe in der Künstlichkeit der Inszenierung. Wunderschöne und zugleich trostlose Naturaufnahmen reihen sich an close-ups verzweifelter Gesichtszüge, immer wieder grausam schön untermalt durch die Klänge der griechischen Band „MMMD“, die für den gesamten Soundtrack von „Hagazussa“ verantwortlich ist. Jumpscares und dergleichen sucht der geneigte Horrorfilm Fan hier absolut vergeblich; alles, wirklich alles wird ausschließlich über die Atmosphäre transportiert.

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Damit dies gelingen kann, braucht es selbstredend eine Story, die dem Gezeigten die nötige Tiefe verleiht. Hier stand Feigelfeld am Scheideweg: Auch wenn die Geschichte ebenso wie „The VVitch“ in eine okkulte, spirituelle Richtung geht, schafft es der Österreicher, sich vom Vorbild zu lösen. Thematisch agiert der Film deutlich fieser als „The VVitch“. Auch wenn an dieser Stelle nicht weiter darauf eingegangen werden soll (um eventuelle Spoiler zu vermeiden) – „Hagazussa“ widmet sich Themen, die durchaus als kontrovers bezeichnet werden können, und die ein oder andere Diskussion hervorrufen werden. Das ist, gerade in Hinblick auf die spezielle Machart (und somit limitierte Anzahl derer, die sich für den Film interessieren werden) gewagt, war aber letztlich der einzig richtige Schritt, um nicht als Klon abgestempelt zu werden.

Die Darbietung der Schauspieler ist insgesamt sehr gut, und vermag es ein ums andere Mal Gänsehaut hervorzurufen. Oder Ekel. Das Ensemble umfasst numerisch so viele Personen, wie der Film Dialoge enthält. Soll heißen: Aleksandra Cwen in ihrer Rolle als Albrun trägt beinahe den gesamten Plot auf ihren Schultern. Das macht sie mit Bravour, und lässt zu keiner Zeit erahnen, dass auch sie bisher in keinem Langspielfilm mitgewirkt hat.


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Fazit: „Hagazussa“ bietet am Ende des Tages genau das, was Trailer und Marketing angepriesen haben. Sperrig und bitterböse, ist der Film für Fans atmosphärischer Schocker ein absolutes Fest, und der Soundtrack ist nahe der Perfektion. Tendenziell hätte die Laufzeit um 10 bis 15 Minuten verkürzt werden können, denn gerade in den sehr ruhigen Passagen wirkt der Film leider etwas zu zäh und läuft Gefahr, die Aufmerksamkeit des Zuschauers zu verlieren. Wer Werken mit künsterlischem Anspruch offen gegenübersteht und Eggers‘ New-England Folktale „The VVitch“ zu seinen Favoriten zählt, darf sich auf „Hagazussa“ freuen. Wer Werke wie „The Conjuring“ vorzieht, wird keinen Zugang finden und Gefahr laufen, sich selbst für den Gang ins Kino zu verteufeln.

von Cliff Brockerhoff 

Bewertung: 7 von 10 Punkten


Gesehen wurde der Film auf dem Fantasy Filmfest Nights, dem kleineren Ableger des Fantasy Filmfests, das seit Jahren fester Bestandteil der gepflegten Filmkultur ist, und zu den bedeutendsten Filmfestivals der Welt zählt. Auch in diesem Jahr macht das Festival in diversen deutschen Großstädten, unter anderem in Hamburg, Berlin, München oder Köln, Station und begeistert Fans mit seinem abwechslungsreichen Festivalprogramm.

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