Auch uns hat das WM-Fieber gepackt. Doch die Verbindung „Film & Fußball“ scheint eine rare zu sein, herausragende „Fußball-Filme“ findet man selten (wohingegen es derer zuhauf über den Sport Football gibt: „Jerry Maguire“, „Moneyball“ etc.). Hat wohl auch damit zu tun, dass sich im Filmland Nummer 1 USA kein Mensch für Fußball interessiert.

Neben den genannten Football-Filmen gibt es aber eine Menge weiterer, herausragender Sport-Dramen. Eines davon ist Clint Eastwoods „Invictus“ aus dem Jahre 2009, der neben dem Sport Rugby auch eine ordentlich politische Schlagseite hat. Es ist einer von Eastwoods „kleineren“ Filmen, nicht frei von Schwächen, aber dennoch berührend und sehenswert.

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Der Film erzählt die Geschichte von Nelson Mandela, dem ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas. Mandela wird großartig verkörpert von Morgan Freeman, der eine wirklich oscarwürdige Performance abliefert. Im Zentrum stehen die (auf Tatsachen beruhenden) Bemühungen des neuen Präsidenten, das gespaltene Land zu versöhnen – unter anderem durch Rugby. Klingt banal, wirkt aber: Rugby gilt als Sport der Weißen, nur ein einziger farbiger Spieler befindet sich im Nationalteam. Die Rugby-WM wird von Südafrika ausgetragen, das Identifikationspotential für die schwarzen Kids in den Straßen mit den „Springboks“ ist aber überschaubar, die spielen lieber Fußball. Und das engste Umfeld von Präsident Mandela will auch nicht verstehen, warum der sich plötzlich für den weißen Elite-Sport interessiert. Mandela freilich verfolgt eine ganz andere Absicht: Der erste Schritt, das gespaltene Land zu einen, sagt er, heißt Vergebung. Und Vergebung heißt auch, sich mit Respekt und Interesse dem „anderen“, dem alten Feind, anzunähern.

„Invictus“ veranschaulicht die beginnende Vergebung mit unglaublich berührenden Szenen: Da hört plötzlich der kleine schwarze Junge gemeinsam mit dem weißen Polizisten im Radio das Rugbymatch bei der Weltmeisterschaft, und die schwarzen und weißen Bodyguards von President Mandela beginnen auf einmal im Garten miteinander Rugby zu spielen.

Der Film enthält also wirklich schöne und bewegende Szenen, kritisieren kann man den schlampigen Schnitt, das etwas zu lange Ende und vor allem die grafischen Mängel. Die Kamera von Tom Stern wirkt leicht verwaschen, Eastwood schien hier kein großes Augenmerkt auf die „Oberfläche“ gelegt zu haben, was sich auch mit seinem Credo „It´s all about the story“ deckt. Durch etwas mehr Präzision wäre der Film mitunter sogar ein wirkliches Meisterwerk geworden.

„Invictus“ ist insgesamt aber dennoch ein starker Film, der genügend Beispiele dafür liefert, wie große Politiker in der Vergangenheit mit schwierigen Situationen umgehen konnten, gesellschaftliche Spaltungen überwinden, und das Gemeinsame vor das Trennende stellen. Dass diese Kraft nicht nur Politik und Film haben, sondern auch der Sport, wird uns hoffentlich auch die laufende Fußball-WM beweisen.

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Der echte Nelson Mandela mit dem Captain des Rugby-Teams

von Christian Klosz

 

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