Rudolf Ehrenreich (Drehbuch) und Lukas Fuchs (Regie) drehen derzeit „Jack versus Josephine“, laut eigenen Angaben eine „detailverliebte, humorvolle und kurzweilige Wiener Hommage an das Genre der Exploitation- und „Giallo-Filme“ der 60er- und 70er-Jahre im Stil der „Bahnhofskinofilme““.

Wir baten die beiden Filmemacher zum Interview.


Lukas Fuchs, Rudolf Ehrenreich; Fragen von Christian Klosz / Film plus Kritik

Film plus Kritik: Wer von euch kam auf die Idee zu dem Film?

Ehrenreich: War eigentlich mehr oder weniger eine gemeinsame Idee, als wir uns in unserem Stammbeisl über all diese „Versus“-Filme unterhielten: Freddy versus Jason, King Kong gegen Godzilla, Batman versus Superman, Predator versus Alien, etc… nach ein paar Bierchen die zündende Idee – warum nicht etwas ur-österreichisches wie „Jack versus Josephine“ erschaffen? Also einen fiktiven Serienmörder gegen eine Gesellschaftsdame eines anderen Jahrhunderts antreten zu lassen. Die Synopsis und das Drehbuch habe ich dann daraus entwickelt und geschrieben.

Wann entstand die Idee, und wie lang arbeitet ihr bereits an der Umsetzung?

Ehrenreich: Die Idee hatten wir schon lange. Drehstart war dann 2017. Der Grund für die lange Drehzeit waren zeitlicher Natur aller Beteiligten. Urlaubssperren, Studium, andere widrige Umstände etc… Ohne großem Budget darf man sich keine Wunder erwarten und man ist auf das zeitliche Wohlwollen aller Beteiligten angewiesen, die natürlich lukrativeren Aufträgen den Vorrang geben.

Fuchs: Gut Ding braucht eben Weile. Aber wir haben ein verlässliches und vor allem geduldiges Team.

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Wie und wo habt ihr eure HauptdarstellerInnen gefunden?

Ehrenreich: Castingaufrufe über diverse Plattformen auf Facebook. Anfangs meldeten sich fast keine Leute, kaum machte aber der vage Inhalt die Runde, wollten immer mehr mitwirken und dabei sein. Selbst jetzt kommen noch Anfragen „ob man da nicht was machen kann“, dass die- oder derjenige noch mitspielen könne.

Fuchs: Bei der Tipsy Rolle gab es sogar über 100 Bewerberinnen. War nicht einfach die Richtige zu finden aber mit dem endgültigen Cast haben wir finde ich rückblickend die richtige Wahl getroffen.

Der Name des Films lädt ja schon zu einigen Assoziationen ein: Jack the Ripper, Jack Unterweger, Josefine Mutzenbacher – was sind die (literarischen) Vorbilder der Story und der Charaktere?

Ehrenreich: Keine. Man kann es interpretieren wie man will. Literarische Vorlage ist mein Drehbuch. Aber natürlich werden die fiktiven Charaktere spontan mit DEM Serienkiller Österreichs und DER fiktiven Rotlichtdame Wiens assoziiert. Am Ende ist es ja doch nur ein absurdes Märchen für Erwachsene. Ein vulgärer Lausbubenstreich sozusagen.

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Die Teaser und das ganze Marketing deuten auf erfrischende „political un-correctness“ hin. Ist das beabsichtigt?

Ehrenreich: Auf alle Fälle. Political correctness kills creativity. Wir wollen einfach wieder mal zeigen was in den guten alten 1970er-Jahren möglich war. Und nicht nur im Kino sondern auch im TV. Exzessive Gewalt und Softpornografie so übertrieben dass es das Publikum eher zum Schmunzeln als zum Ekeln oder Gruseln brachte. Heute lacht das aufgeschlossene Publikum über die Trashfilme der Bahnhofskinozeit und adelte sie zum Partykult. Und eine Formel gilt immer: Sex sells. In unserem Film ist einfach alles geil, grauslich, vulgär und muy macho! Aber die Frauen kommen trotzdem wehrhaft und stark rüber.

Fuchs: Sie sind ja schließlich auch die Hauptfiguren und Heldinnen des Films.

Erwartet ihr Kontroversen ob der Sujets oder Gewaltdarstellungen, oder verlasst ihr euch da ganz auf die entschärfende Wirkung der sichtbaren unterschwelligen Ironie?

Ehrenreich: Unterschwellige Ironie??? Are you kidding? Wir prügeln jegliche gesellschaftliche Moral mit dem Vorschlaghammer! Ich wäre enttäuscht, wenn nicht der eine oder andere den Kinosaal vorzeitig verlässt. Es ist definitiv kein Film für Filmkritiker oder Freunde der intellektuellen Unterhaltung, sondern ein „guilty pleasure“ für Freunde des schlechten Geschmacks.

Fuchs: Wenn die Leute einfach Ihren Spaß haben beim zusehen haben und das ganze nicht so ernst nehmen haben wir unser Ziel erreicht.

Frage an Lukas Fuchs: Die Teaser erinnern mich an unter anderem an Eli Roth, oder auch an Quentin Tarantino. Was sind und waren die (stilistischen) Vorbilder bei der Inszenierung?

Fuchs: Hmm. Uns war es wichtig kein klassischer österreichischer Film zu sein. Ein immer wieder gern gehörtes Kompliment „Das sieht ja gar nicht wie ein österreichischer Film aus“. Natürlich ist man von anderen Werken inspiriert, aber dass ich einen bestimmten Stil nachahmen wollte kann ich nicht sagen. Einfach von allem das am besten passende zusammengesucht. Auch mein D.o.P. bringt seinen eigenen Stil mit ein und mittlerweile sind wir da gut eingespielt aufeinander.

Was ist euer Ziel mit dem Film? Welche Publikumsreaktionen würden euch „glücklich machen“?

Ehrenreich: Unser Ziel ist es schweinereich und berühmt zu werden, what else? Okay, im Ernst: Wir wollen old-school-Unterhaltung für Leute die schwarzen Humor und die eine oder andere Geschmacklosigkeit zu schätzen wissen. Geh während der Vorstellung aufs Klo und du versäumst mit Garantie was. Eine Trashperle made in Austria. Mich würde es glücklich machen, wenn sich die Leute einfach prächtig unterhalten und mehr
in dieser Art wollen. Und natürlich wäre es schön, wenn der Film auch über den Grenzen bei Festivals eine Fangemeinde gewinnt.

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Sollte der Film erfolgreich sein, sind weitere ähnliche Projekte, z.b. eine Fortsetzung, in Planung?

Ehrenreich: Ich habe bereits 3 weitere Projekte im Auge und schreibe konkret an 2 davon parallel. Alle thematisch sehr unterschiedlich und mit sehr unterschiedlichem Realitätsanspruch. Auf alle Fälle extrem unterhaltsam – das kann ich garantieren. Aber selbstverständlich wäre auch ein Sequel oder vielleicht sogar Prequel zu „Jack versus Josephine“ denkbar. Ich alter Depp habe eine blühende Fantasie!

Fuchs: Natürlich will man sich nicht auf ein gewisses Genre abstempeln lassen. Die Idee wäre aus jedem Genre einen Film zu drehen. Man will schließlich nichts verpasst haben.

Wann ist mit dem offiziellen Kino-Release zu rechnen?

Ehrenreich: Wir sind sehr bemüht, es bis September zu schaffen. Sollten wir unser Baby doch nicht rechtzeitig liefern können, dann auf alle Fälle ein Halloween-Release.

Fuchs: Halloween würde natürlich thematisch gut passen.

Wir danken herzlich für das Interview!

„Spannend wie Hitchcock, makaber wie Fincher, bunt und originell wie Niki Lists „Müllers Büro“ und blutig wie ein Tarantino. Uli Seidl meets Roger Corman. Ein blutiges und sexy Wiener Popmärchen wie es in der deutschsprachigen Filmwelt nicht zu sehen war.“ Jack versus Josephine


Den offiziellen Teaser zum Film findet ihr HIER:

weitere Infos:

www.jackversusjosephine.at – u.a. auch mit Infos über die Filmemacher

www.facebook.com/Jack.versus.Josephine

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