Jedes Jahrzehnt hat seine Filme: Für die New-Hollywood-70-er können wohl „Taxi Driver“, „Apocalypse Now“ oder „Der Pate“ exemplarisch stehen, während die 80-er Filme wie „Terminator“, „Top Gun“, „Breakfast Club“ oder „Indiana Jones“ prägten.

Welche sind die 5 „ultimativen“ Filme der 90-er? So eine knappe Auswahl ist immer selektiv und subjektiv – versuchen kann man es trotzdem:

„American Beauty“

Der inzwischen geschmähte Kevin Spacey brilliert in Sam Mendes melancholischer, tiefschwarzer Tragik-Komödie, die von einem Mann erzählt, dem das Leben zuwider ist, seine öde Ehe, sein langweiliger Job, und überhaupt die ganze Welt, und der sich mutig und voll und ganz seiner Mid-Life-Depression hingibt. Neben dem grandiosen Spacey ist „American Beauty“ auch in den Nebenrollen großartig besetzt, Annette Bening, Chris Cooper oder Wes Bentley liefern nicht minder beeindruckende Performances ab. Am Ende kommt es, wie es kommen muss, und trotz allem ist „American Beauty“ ein wunderschöner Film, der auch etwas Hoffnung macht.

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„Terminator 2“

Muss das sein? Ja, es musst: Denn mit „Terminator 2“ schuf Action-Virtuose James Cameron ein Meisterwerk, das im Genre (auch von ihm selbst) bis heute unerreicht bleibt. Noch vor seelenlosem CGI-Overkill, aber schon mit den nötigen technischen Möglichkeiten ausgestattet, bildet „Terminator 2“ den Höhepunkt des modernen Action-Kinos, ein Film, der auch visuell und atmosphärisch auf ganzer Linie überzeugt, und „Arnie“ endgültig als Action-Ikone etablierte.

„Basic Instinct“

Einer der erfolgreichsten Filme der 90-er, dabei einer der kontroversesten, und einer der forderndsten: Paul Verhoeven nimmt sein Publikum mit auf eine sexuelle tour de force voller Obsessionen, Gewalt, Spiegelungen und sich immer weiter öffnenden Abgründen, in die nicht nur seine Figuren, sondern auch der Zuschauer gestoßen wird. Hier hat alles einen doppelten Boden, und Verhoeven spielt sich mit seinem Publikum wie Sharon Stone als ultimative, finale femme fatale sich mit ihren Opfern. Verhoeven, selbst Komplize und Kritiker des Trips in den Abgrund, macht auch seine Zuseher zu Komplizen des von Begierde und Wahn getriebenen Protagonisten Nick Curran (Michael Douglas), der vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht, in den er sich verirrt.

„Insider“

Mit „Heat“ schuf Michael Mann unbestritten einen der besten Filme der 90-er, doch der eher unbekannte „Insider“ steht dem in nichts nach, übertrifft den große Klassiker zeitweise sogar. Die melancholischen High-Definition-Blautöne unterstreichen ideal die Geschichte eines Mannes, der sich wehrt: Jeff Wigand zieht gegen die mächtige Tabakindustrie ins Feld, und setzt alles, sein Leben, seinen Job, seine Familie für die Suche nach der Wahrheit aufs Spiel. Neben den inszenatorischen Kniffen Manns überzeugen Al Pacino als idealistischer Reporter und vor Allem Russel Crowe als Wigand in der Rolle seiner Lebens, der den Oscar nur nicht bekommen konnte, da Kevin Spacey im selben Jahr noch einen Deut besser war.

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„Good Fellas“

Kulminationspunkt der Karriere des Martin Scorsese: In seinem furiosen, gehetzten und temporeichen Mafia-Epos wird in knapp zweieinhalb Stunden eine Epoche porträtiert, ein Milieu detailreich rekonstruiert, das der Regisseur seit seiner Kindheit kennt; eine Kumulation irrer, getriebener Charaktere, die, leuchtende Dollar-Zeichen vor Augen, jegliche Moral über Bord werfen und sich in ein Leben voll Mord und Exzess werfen, das sie schließlich aus der Bahn werfen wird. Faszinierend-abstoßend, schmerzhaft-unterhaltsam und unendlich dicht: Wer „Good Fellas“ nicht gesehen hat, weiß nichts über die Kraft des Kinos.

von Christian Klosz

weitere Vorschläge:

„Fight Club“, „Pulp Fiction“, „Titanic“, „Casino“, „Das Schweigen der Lämmer“

 

 

 

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