Zum kleinen „Jubiläum“, Eintrag Nr. 30 in unsere Filmothek, gibt es einen wahren Klassiker des Justizfilms: „Eine Frage der Ehre“ aus dem Jahr 1992, in dem ein junger Tom Cruise und Hollywood-Legende Jack Nicholson in einem wahren Schauspielduell aufeinander treffen.


„Eine Frage der Ehre“ (Originaltitel: „A Few Good Men“) von Rob Reiner ist ein völlig zu Unrecht etwas in Vergessenheit geratenes courtroom-drama vom Anfang der 90er-Jahre. Von der Theaterbühne adaptiert, entfaltet das Kammerspiel auch auf der Kinoleinwand seine Magie, ist gespickt mit hervorragenden Darstellerleistungen, und gipfelt in einem Generationenduell Cruise gegen Nicholson, das an Intensität kaum zu überbieten ist.

Daniel Kaffee (Tom Cruise), frisch von der lawschool entlassener Jungspund, wird mit der Untersuchung eines dubiosen Todesfalls eines Marines auf Guantanamo Bay beauftragt. Zuerst mäßig an der Verteidigung seiner des Mordes beschuldigten Mandanten interessiert, bewegt ihn erst das Drängen der idealistischen Commander Galloway (Demi Moore) dazu, den Fall vor Gericht zu bringen. Die Suche nach Schuld, Macht(missbrauch) und letztendlich der Wahrheit gipfelt in einem packenden wie überraschenden Finale, das in die Filmgeschichte eingegangen ist.

image-561778-860_poster_16x9-bkoq-561778

Rob Reiner inszeniert das von Aaron Sorkin („The Social Network“, „Moneyball“, „Molly’s Game“) von dessen eigenem Theaterstück adaptierte Drehbuch (großteils) ohne Pomp und Spektakel, sondern als Kammerspiel: Die Spannung entsteht aus den Dialogen bzw. durch das Aufeinanderprallen gut geschriebener Charaktere, die Handschrift des Theaterautors Sorkin bleibt hier sichtbar. Gefilmt wird das Ganze von Kameramaler Robert Richardson, der es – wie immer – versteht, wunderschöne Bilder auf die Leinwand zu zaubern. Hervorzuheben sind auch die darstellerischen Leistungen von Kiefer Sutherland, Jack Nicholson (Col. Jessup), und vor allem Tom Cruise, der hier beweist, dass er ein wirklich guter Schauspieler ist.

Die Suche nach Wahrheit und Schuld, die um das Motiv Macht(missbrauch) zirkuliert, läuft auf das Duell Cruise gegen Nicholson hinaus: Der Eine (Cruise), cleverer Jung-Anwalt, fordert den anderen (Nicholson), mürrischer wie machtbesessener Alt-Militär, zu einem finalen Duell im Gerichtssaal, bei dem das „Gute“ über das „Böse“ triumphieren darf, sprich: Moral und Gesetz über Machtgier und Korruption des Sieg davontragen: Das Aufeinanderprallen dieser beiden Ausnahmeschauspieler, das ist wirklich ganz großes Kino.

Am Ende steht ein – zu Unrecht – unterschätzter Film, der sich ohne weiteres in die Reihe der großen Gerichtsfilm-Klassiker einreiht. Leicht überbordender Amerika-Patriotismus (vor Allem am Ende) schwächt zwar den Eindruck etwas ab, ändert aber nichts daran, dass „Eine Frage der Ehre“ ein wirklich guter Film ist.

von Christian Klosz

Werbeanzeigen