Als der abgehalfterte Comichelden-Darsteller Riggan Thomson kurz vor der Premiere seines Bühnenstücks steht und ein Unfall ihn seiner wichtigsten Nebenrollenbesetzung beraubt, muss schnell Ersatz gefunden werden. Glücklicherweise kann Thomson durch seine Kontakte einen berühmten Broadway-Star für seine Aufführung gewinnen, der allerdings alles andere als leicht im Umgang ist. Während der Vorpremiere kommt es zu handfesten Auseinandersetzungen zwischen den beiden, und die Premiere droht zu einem Desaster zu werden.

„Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ ist ein vierfach oscarprämierter Spielfilm des mexikanischen Regisseurs Alejandro González Iñárritu und hat eine Laufzeit von 119 Minuten. Das Werk schwankt zwischen Drama und (schwarzer) Komödie und feierte seine Premiere 2014 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig.

Die wohl größte Besonderheit, neben der Erkenntnis, dass es sich bei „Birdman“ trotz des Titels nicht um einen weiteren Ableger des Marvel Cinematic Universe handelt, ist, dass der Film beinahe ohne erkennbare Schnitte auskommt. Abgesehen von der Anfangssequenz und dem Schluss gehen sämtliche Szenen nahtlos ineinander über, beinhalten aber trotzdem größere Zeitsprünge, sodass die Handlung sich nicht auf zwei Stunden beschränkt, sondern mehrere Tage abbildet. Auch wenn Iñárritu laut eigener Aussage von mehreren Kollegen vom Einsatz dieser extravaganten Technik abgeraten wurde, hat er sich letztlich doch dafür entschieden. Mehr als das: er hat sie geradezu perfektioniert. Nicht nur, dass die rein digitalen Schnitte nicht auffallen; die flüssige Darstellung sorgt zudem für eine enorme Intimität. Der Zuschauer ist mittendrin statt nur dabei.

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Das, was er geboten bekommt, erstreckt sich von wunderschönen Bildern über einen nervös intensiven Soundtrack bis hin zu einer absoluten Wahnsinnsleistung des gesamten Casts. Michael Keaton brilliert als psychisch labiler Ex-Superheld, Emma Stone verkörpert die rebellische Tochter und Zach Galifianakis überzeugt als enthusiastischer Theaterproduzent und beweist, dass er mehr zu bieten hat als er in der „Hangover“ -Trilogie zeigen durfte. Und als sei dies nicht genug, werden alle noch von einem überstrahlt: Edward Norton. Nicht, dass irgendjemand je an seinem Talent gezweifelt hätte, aber was der US-Amerikaner in seiner Rolle als skurriler Broadway-Darsteller auf die Leinwand bringt, ist allerhöchste Güteklasse und hätte durchaus zu einem fünften Oscar für „Birdman“ führen können.

Ergattern konnte der Film den Preis unter anderem für das Beste Originaldrehbuch. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Iñárritu versieht sein Werk neben all dem Glanz und all der Glorie auch noch mit einer gehörigen Portion scharfzüngigem Sarkasmus und einer damit verbundenen Kritik an der Marke „Hollywood“. Diese ist wiederum so intelligent verpackt, das sowohl reine „Filmkonsumenten“, als auch Cineasten „Birdman“ etwas abgewinnen werden können. Dialoge, Seitenhiebe, aufgeworfene Fragestellungen; all das ist nie unter der Gürtellinie und sorgt bei näherer Betrachtung doch für Magenschmerzen. Im positivsten Sinne.

Fazit: „Birdman“ ist ein technisch hoch versierter und zugleich abgedrehter Blick auf das Konstrukt „Hollywood“ mit all seinen Facetten, der es schafft, genau das prachtvoll zu inszenieren, was er gleichzeitig so ehrlich hinterfragt. Kurzum: Ganz große Kunst!

von Cliff Brockerhoff

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