Nicolas Cage: Kaum ein Schauspieler der heutigen Zeit schafft es, das Publikum mit seinen Filmen so zu polarisieren wie der US-Amerikaner. Auch sein neuestes Werk, das auf den Namen „Mandy“ hört und im Rahmen des „/slash Filmfestival“ seine Österreich-Premiere (in Anwesenheit von Mr. Cage höchstpersönlich!) feierte, spaltet die Meinungen der Zuschauer. Darum präsentieren wir euch heute ein „Pro und Contra“, bei dem 2 unterschiedliche Sichtweisen auf den Film gegenübergestellt werden, wo wir die positiven Aspekte beleuchten und gleichzeitig die Probleme aufzeigen, die der Film mit sich bringt.

PRO

von Cliff Brockerhoff

Als vor rund drei Monaten der Trailer zum neuen Werk von Panos Cosmatos veröffentlicht wurde, entstand in der Filmgemeinde schnell ein kleiner Hype um „Mandy“. Knallbunte Farben, literweise Blut und ein vollkommen wahnsinniger Nicolas Cage; eine explosive und durchaus interessante Mischung. Wer mit dem vorangegangen Werk von Cosmatos vertraut ist, hatte zudem begründete Hoffnung, dass sich zum hohen Unterhaltungswert auch noch ein gewisses Maß an Tiefgang gesellen würde.

Unterteilt in 3 Akte erzählt der Film die Geschichte von Red (Cage) und seiner Frau, deren Name den Titel des Films begründet. Als Mandy eines Abends von einer sektenähnlichen Gruppierung entführt wird, sinnt Red auf Rache und begibt sich auf einen blutigen Pfad der Vergeltung. Was anfangs nach einer komplett austauschbaren Story klingt, entwickelt sich mit fortlaufender Zeit allerdings zu einer gleichermaßen emotionalen und auch wahnwitzigen Mixtur aus Horrorfilm, Actionfilm und Drama. Neben extrem brutalen Szenen werden immer wieder kleine Gags, Anspielungen und Zitate eingestreut, die die düstere Grundstimmung auflockern und eine Hommage an das Horrorkino der 80-er Jahre darstellen.

Optisch ist das Ganze in neonbunte Bilder getaucht, die akustisch vom letzten Soundtrack des Isländers Jóhann Jóhannsson untermalt werden, der Anfang des Jahres verstorben war und in „Mandy“ noch einmal sein ganzes Können unter Beweis stellt. Cage brilliert dabei als zerbrechlicher und ebenso unberechenbarer Mann, der zwar jenseits jeglicher Logik agiert, den Film mit seiner Leistung aber durchaus zu tragen weiß. Und auch der restliche Teil des Casts, insbesondere Andrea Riseborough als Mandy und Linus Roache als irrer Sektenführer, wissen dabei zu überzeugen.

Fazit: „Mandy“ lässt sich am ehesten als wilder Höllentrip durch sämtliche Genres beschreiben, der weder Grenzen, noch physikalische oder anatomische Gesetzmäßigkeiten kennt. Weil sich der Film strikt dagegen wehrt, in einer Stimmung zu verharren, ist er abwechslungsreich und unterhaltsam, bietet aber insgesamt tatsächlich auch „nur“ das, was der Trailer schon andeutete. Wem das genügt, wird mit Cosmatos neuem Werk einen Heidenspaß haben.

Bewertung: 7 von 10 Punkten

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CONTRA

von Christian Klosz

Viel war bereits zu hören über Panos Cosmatos neuen Film: Überraschungserfolg und Lobeshymnen bei diversen Festivals, Meisterwerk, das ultimative Comeback von Nicolas Cage, eine sinnliche Erfahrung sondergleichen und andere Superlative – was die Erwartungshaltung natürlich ordentlich nach oben schraubt.

Die stylische Titelsequenz kommt tatsächlich noch ziemlich überzeugend daher, psychedelische Bilder und Sounds (von King Crimson) machen Lust auf mehr. Doch die Probleme von „Mandy“ zeichnen sich danach schnell ab, und sind vielfältig: Zum einen fehlt es dem Film nicht nur an einer wirklichen Handlung, sondern vor allem an jeglicher erkennbarer Struktur. Es offenbart sich eine lose Aneinanderreihung von Bildern, breiten Soundteppichen, und Gewaltexzessen, die sich zu einem verstörenden Konvolut fügen, das aber nie stimmig wirkt. Die wohl intendierte Langsamkeit der Inszenierung ist hier nicht gelungenes Stilmittel (wie zuletzt etwa bei „Silence“ oder „Annihilation“), sondern eher nervig bis störend, der Film entwickelt keinen erkennbaren Rhythmus, sondern mäandert so dahin, ohne je wirklich greifbar zu werden.

Überhaupt kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es dem Regisseur in erster Linie darum ging, (psycho-)pathologische Geisteszustände ungefiltert mit der Kamera auszuleben und in eine filmische Form zu übersetzen, die eher abstoßend als faszinierend wirkt. Es gibt Regisseure, die das können, wie etwa Lars von Trier (nicht immer) oder Nicolas Winding Refn (an dessen Werke „Mandy“ oft erinnert, ohne je seine Finesse zu erreichen). Cosmatos gelingt das nicht.

Einzige Lichtblicke sind die wenigen Szenen, in denen Hauptdarsteller Cage genug Raum bekommt, den Film an sich zu reißen. Sonst wirkt vieles ermüdend, zermürbend, ermattend, zu bemüht, und beizeiten zu selbstverliebt. Cosmatos fehlt die Fähigkeit, Distanz zu seinem eigenen Werk zu entwickeln, und seine Exzesse zu hinterfragen, weshalb auch die wenigen humoristischen Einlagen nicht wirklich gelingen. Er suhlt sich in seiner eigenen, perversen, düsteren Alptraumwelt, die er dem Publikum als ziemlich ungenießbare Speise vorsetzt.

Bewertung: 2 von 10 Punkten

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Bilder: ©Koch Films

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