1997, die Zukunft, Endzeit, Wüste: Die Erde ist nach der Apokalypse irgendwann in den wilden 80er Jahren ein feindlicher, nackter Ort geworden. Die letzten Reste der Bevölkerung hausen in Baracken, das Trinkwasser ist so knapp, dass das Geschäft ums Wasser so sehr boomt, dass selbst Menschen ausgepresst werden – und eigentlich ist jeder davon getrieben, den Müll der vorhergegangenen Zivilisation nach Brauchbarem zu durchforsten und irgendwie zu überleben.

Unterdrückt wird der Rest der Menschheit von der brutalen Killerbande rund um den satanischen, einäugigen Bösewicht Zeus (Michael Ironside), der mit seiner Augenklappe stark an den Oberfiesling im Endzeitabenteuer „Waterworld“ erinnert. The Kid (Munro Chambers) ist ein Einzelgänger, ein Waisenjunge, der sich mit geklauten Tapes für seinen Walkman durch den Tag kämpft, plündert und mit seiner Einsamkeit recht zufrieden ist. Er verbringt seine Tage mit dem Lesen von Comics über seinen Helden Turbo- Rider und BMX fahren, wenn er nicht mit seinem Viewmaster der grauen Realität entflieht.

Als er eines Tages das völlig überdrehte Mädchen Apple (Laurence Labeuf) trifft, ist er nicht gerade begeistert, sein schmähliches Hab und Gut mit jemandem teilen zu müssen, der ihm nicht mehr von der Seite weicht. Apple entpuppt sich als Roboter, und im Laufe der Geschichte verliebt er sich in das quirlige, etwas naive Mädchen und verteidigt sie bis aufs Blut mit seinem Leben.

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Begleitet werden die beiden von dem Cowboy Frederic ( Aaron Jeffery ), um die Schlacht ihres Lebens gegen den furchterregenden Tyrannen Zeus zu führen. Als Apple von Zeus‘ Schergen gekidnappt wird, fällt „The Kid“ das Glück vor die Füße und er findet die Rüstung und den Blaster des echten, verstorbenen Turbo-Riders. Mit seinem akkuschwachen Turbohandschuh bewaffnet zieht er in den Kampf, sein Mädchen zu retten und Zeus für allemal zu zerstören und wird zum Hoffnungsträger des Aufstandes gegen Zeus‘ Tyrannenherrschaft.

„Turbo Kid“ ist eine liebevoll ausgemalte, mit viel Leidenschaft und Kunstblut umgesetzte 80’er Retro Hommage. Setting, Flair, Kostüme und Soundtrack passen wundervoll zusammen und gehen Hand in Hand mit tollen, starken, ausgeflippten Schauspielern, die ihre Charaktere verkörpern, als wäre ihnen die Rolle auf den Turbobody geschrieben worden.

Die größtenteils handgemachten Splattereffekte sind derart abgefahren und herrlich überzogen, dass man als Zuschauer am liebsten auf Pause drücken will, um das Spektakel in sich aufnehmen zu können. Wer auf eben diese infantile, überzogene Art von „selbstgemacht“ steht, schnalzt hier genüsslich mit der Zunge.

Die Szenen, in denen man sich gegenseitig zerhackt, sind ebenso derbe und kreativ wie die Wahl der Waffen: abschießbare Kreissägenblätter, Apples Waffe, der Gnomestick aus Gartenzwerg und Baseballschläger, Kids Turbohandschuh (wenn der Akku nur länger halten würde…). Auch die absurd inszenierten Kampfszenen strotzen vor unstoppbarem Einfallsreichtum und wunderbaren Bildern, vorausgesetzt man ist hart gesotten im Zuschauen. Blutfontänen und Menschentürme, soweit das abgeklebte Auge reicht.

Fazit:

„Turbo Kid“ ist ein gut gemachter Splatterfilm zwischen Trash und Moderne; post-apokalyptischer Look hinterlegt mit Synthesizer-Musik und viel Liebe zum Detail. Eine kleine Liebeserklärung an die Leidenschaft des 80er Jahre Coming-of-age-Films.
Er ist ein äußerst sympatischer, niedlich gemachter – wenn auch nicht fehlerfreier – Retrofilm, der leider nicht den Nachhall beim Zuschauer erzeugen konnte, den man ihm wünscht. Ich als großer Fan des 80-er-Jahre Films bin endlos begeistert und in meinen Augen ist „Turbo Kid“ einer der schönsten und handwerklich überzeugendsten Filme von 2015. Neben dem hervorragenden Score brillieren hier Ideenreichtum, Umsetzung und Emotion neben einem starken Cast und kreativem Fingerspitzengefühl.

Gastkritik von Julia van de Gore

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