Bekanntlich wird China als globaler Player in der Filmbranche immer bedeutender: Viele potenzielle Kinobesucher bewegen Hollywood dazu, in Blockbustern vermehrt asiatische Darsteller zu platzieren, oder wie zuletzt in „MEG“ offene Kooperationen mit chinesischen Investoren einzugehen – nicht immer ist das der Qualität der betreffenden Filme zuträglich.

Man kann davon ausgehen, dass sich der „chinesische Publikumsgeschmack“ sehr vom amerikanischen, und mitunter noch mehr vom europäischen unterscheidet. Uns wird, abgesehen von Filmen wie „Tiger & Dragon“, „Hero“ oder „House of flying daggers“, eher selten ein Einblick in den großen chinesischen Markt ermöglicht.

Umso erfreulicher ist es deshalb, dass der Animationsfilm „Monster Hunt“ (2015), in Hongkong produziert und in China bis dato einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten, auf Amazon Prime frei verfügbar ist (für Prime-Kunden gratis – HIER geht’s zum Film – für alle anderen um 2.99. Wer noch kein Prime-Kunde ist, kann HIER ein 30-tägiges kostenloses Probeabo bestellen, das ebenfalls ermöglicht, den Film gratis zu sehen).

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Was erwartet einen nun in „Monster Hunt“, worum geht es? Grob gesagt handelt es sich um ein chinesisches Märchen für Alt und Jung, stilistisch zwischen „Realfilm“ und Animation angesiedelt (die Monster sind animiert): Zu einer vergangenen Zeit gibt es in China eine Menschen- und eine Monsterwelt. Die Königin der Monsterwelt ist schwanger und landet durch Flucht vor einem Bürgerkrieg in ihrer Heimat irgendwie in der Menschenwelt, wo sie von Monsterjägern des Menschenkönigs gejagt wird.

Um ihr ungeborenes Kind zu schützen, übergibt die Königin ihr Baby an den jungen Song Tianyin (Jing Boran), einen Dorfbewohner in der Menschenwelt, das heißt sie platziert es in seinem Körper, wodurch er plötzlich „schwanger“ mit einem Monsterbaby ist. Song trifft auf die toughe Monsterjägerin Huo Xiaolan (Bai Baihe), die zuerst nur am Verkaufswert des Monsterbabys, sobald auf der Welt, interessiert ist. Doch zunehmend kommen einander die beiden näher, das Monsterbaby, nachdem geboren, wird so etwas wie ihr „gemeinsames Kind“. Und so tun sie sich zusammen, um den Kleinen gegenüber Feinden aus der Monster- und Menschenwelt zu beschützen.

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Zugegeben: Für einen „westlichen“ Filmfan mag der Storyabriss seltsam bis skurril klingen – doch genau das macht einen der größten Reize von „Monster Hunt“ aus: Man taucht wirklich in eine fremde Welt ein, in der man nicht alles versteht, was die Faszination nur weiter verstärkt. Es wimmelt nur so vor chinesischen Fabelwesen und kulturellen Eigenheiten, all das ist aber so aufbereitet, dass man der Handlung dennoch folgen kann.

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Neben den gut animierten Monstern und der überzeugenden Chemie zwischen den beiden (menschlichen) Hauptdarstellern bietet der Film aber noch um einiges mehr: Wenn man möchte, kann man auch „female empowerment“ in „Monster Hunt“ erkennen, da die weibliche Monsterjägerin Huo hier eindeutig „die Hosen anhat“, während Song eher als gutherziger Tölpel gezeichnet wird, der seiner Herzensdame nach der Pfeife tanzt. Und die Idee, den Monster-Embryo nicht etwa in einer Frau, sondern im Körper eines Mannes zu platzieren – mit allen entsprechenden Konsequenzen – ist durchaus auch ein interessantes Spiel mit Gender-Stereotypen.

Fazit: Vor allem aber ist der Film höchst unterhaltsam, amüsant, witzig und macht riesigen Spaß. Aufgrund des angemessenen Tons ist „Monster Hunt“ auch für Kinder bestens geeignet, in gewisser Weise ein „chinesisches Disney-Märchen“ plus exotischer Faszination. Wer genug hat vom Hollywood-Einheitsbrei, von gewalttätigem Geballer oder trockenem und ständig um sich selbst kreisendem europäischem Arthouse-Kino, dem sein dieser Film wärmstens empfohlen.

von Christian Klosz