Spider-Man, Hulk, Thor; popkulturelle Ikonen, die fest im kollektiven Gedächtnis verankert sind und allesamt auf einen Mann zurückgehen: Stan „The Man“ Lee. Gestern ist der virtuose Geschichtenerzähler im stolzen Alter von 95 Jahren verstorben; er hinterlässt ein Pantheon moderner Mythologie und eine Heerschar trauernder Fans rund um den Globus.

Als Stanley Martin Lieber 1922 zur Welt gekommen, begann der spätere Chefredakteur von Marvel Comics seine Verlagskarriere im zarten Alter von siebzehn Jahren. Der aufstrebende Autor prägte das junge Medium von Anfang an und machte im Lauf seines steilen Aufstiegs Marvel zu einer unverkennbaren Weltmarke. Vor allem in Zusammenarbeit mit den Illustratoren Jack Kirby und Steve Ditko schuf er nachhaltige Figuren eines neuen Heldentypus und revolutionierte den kreativen Prozess wie auch die Erzählform von Comics.

stan-lee-1542049476

Der charmante New Yorker Gentleman mit Schnauzbart und Strickweste war stets für seinen liebevollen Kontakt zu den Fans bekannt, besuchte bis zuletzt Comic-Conventions und engagierte sich in wohltätigen Projekten. Der soziale Aspekt ist auch untrennbar mit seinem Werk verknüpft, war es doch immer das Individuum hinter der Maske, für das sich Lee interessierte. Er machte die ferne Identifikationsfigur „Superheld“ zu einem menschlichen Wesen und somit für ein breites Publikum zugänglich.

Mit Lee verlässt uns aber auch ein gesprächiger Zeitzeuge des zwanzigsten Jahrhunderts, der in seiner acht Jahrzehnte umfassenden Schaffensphase zahlreiche künstlerische Kommentare zum zeitgeschichtlichen Geschehen hinterließ. Er begleitete „Captain America“ durch den zweiten Weltkrieg und gab in Zeiten der Bürgerrechtsbewegung dem ersten schwarzen Superhelden eine Stimme.

marvel-studio-stan-lee

Vom Kino wurde Lees Korpus lange stiefmütterlich behandelt. Zwar adaptierte man schon in den 1970er Jahren zwei seiner Figuren mehr oder minder erfolgreich fürs Fernsehen, eine würdige Aufarbeitung seiner Stoffe für die Leinwand folgte jedoch erst im Jahr 2000 mit „X-Men“, der eine mediale Kettenreaktion auslöste und zum heutigen Stand von über vier dutzend Marvel-Comicverfilmungen führte.

Mittlerweile hat Stan Lee also auch in der Welt der bewegten Bilder einen Fixplatz, umso schwerer ist es, sich künftige Beiträge zum Marvel Cinematic Universe ohne seine legendären Cameo-Auftritte vorzustellen. Die internationale Comic Fangemeinde erinnert sich heute an einen Mann, der ihnen nicht nur zahllose Stunden Unterhaltung, sondern auch eine Reihe Vorbilder schenkte.

Ruhe in Frieden Stan, oder um es in Deinen Worten zu sagen: Excelsior!

von unserem neuen Autor Daniel Krunz

Advertisements