Jessica Chastain kennt man an sich eher aus anspruchsvollen Dramen (wie zuletzt „Dreams“), in „Other Mommy“ tritt sie seit längerem (seit „ES: Chapter 2“) wieder in einem klassischen Horror-Film auf, und das gleich in einer unheimlichen Doppelrolle. Regisseur Rob Savage („Host“, „The Boogeyman“), einer aus der jungen Horror-Garde, die aktuell das Horror-Genre neu belebt, liefert wirkungsvolle Jump-Scares, aber eine einigermaßen wilde Handlung. Am 29. Oktober startet „Other Mommy“ im Kino. Ob sich ein Besuch lohnt, erklärt unsere Kritik.

Kritik von Christian Klosz

Die siebenjährige Bela (Arabella Olivia Clark) lebt mit ihren Eltern Ursula (Jessica Chastain) und Russell (Jay Duplass) in einem Zuhause, in dem die familiäre Harmonie zunehmend brüchig wird: Sie spürt die Spannungen zwischen den Erwachsenen, deren Ehe kriselt, eine mögliche Affäre zwischen Ursula und einem Familienfreund steht im Raum.

„Other Mommy“: Jessica Chastain in einer Doppelrolle

Dieses Gefühl der Unsicherheit wird aber noch weiter erschüttert: Aus ihrem Kleiderschrank taucht regelmäßig eine geheimnisvolle Gestalt auf, die genauso aussieht wie ihre Mutter und von Bela „Other Mommy“ genannt wird. Sie kann schweben, ihre Gestalt verändern und stellt Bela immer wieder dieselbe verstörende Frage: „Darf ich in dein Herz?“ Außerdem redet sie dem Mädchen ein, dass ihre Eltern sie belügen.

Ursula und Russel tun das erst als Fantasie eines Kindes ab, in der sich dessen Ängste und Sorgen ausdrücken. Bis „Other Mommy“ eines Nachmittags in der Küche auftaucht und Russel und Bela aus dem Haus jagt. Da wird auch den Eltern klar: Das ist eine manifeste, übernatürliche Bedrohung, der man sich als Familie geeint entgegenstellen muss, will man überleben.

„Backrooms“: Öde Gesiterbahnfahrt im Youtube-Stil

other mommy film
Jessica Chastain in ungewöhnlicher Rolle

Publikums-Hit und Kritiker-Flop

In den USA lief „Other Mommy“ bereits vor 3 Wochen im Kino an und sorgte für einen veritablen Box Office-Erfolg: bei einem überschaubaren Budget von 18 Mio. $ spielte er bereits knapp 100 Mio. $ ein. Und das, obwohl die meisten Kritiken bisher eher vernichtend waren.

Hinter dem Film steht mit dem 34-jährigen Briten Rob Savage ein weiterer Regisseur der „jungen Horror-Garde“, die das Genre seit einiger Zeit neu beleben und vor allem ein junges Publikum ansprechen (so wie Curry Barker mit „Obsession“ und Kane Parsons mit „Backrooms“). Wobei Savage in den letzten Jahren bereits einige Erfahrung sammeln konnte („Host“), womit sich auch die Verpflichtung eines Topstars wie Jessica Chastain erklären lässt.

Gutes Handwerk, schlechte Story

„Other Mommy“ macht einiges gut und richtig, anderes bleibt ausbaufähig: Zweifelsohne gelungen ist die Visualisierung und Inszenierung der Horror-/Schock-Sequenzen, die in bestem Sinne verstörend sind. Weniger gelungen ist die grundlegende Dramaturgie, die nicht immer Sinn macht (selbst gemessen an der Horror-Logik), was auch mit der (zu) kurzen Laufzeit von gerade einmal 90 Minuten zu tun hat.

Unbeantwortet bleibt auch die Frage, was es mit der „Other Mommy“ nun auf sich hat: Nicht, weil das Publikum den möglichen Symbolismus hinter der Figur selbst entschlüssen müsste, sondern weil es kaum Anhaltspunkte für einen solchen gibt.

Fazit

Rob Savages „Other Mommy“ zeigt gute Ansätze, verfolgt diese aber zu inkonsequent. Und so bleibt ein kleiner, fieser Horrorfilm, der sich ob seiner gut gemachten Schockeffekte zweifelsohne als Halloween-Programm eignet und Unterhaltungswert hat, der aber mehr hätte sein können, hätte ihm der Regisseur (oder das Studio?) mehr Laufzeit, Freiraum zur Entfaltung und inhaltliche Tiefe gegeben.

Bewertung

Bewertung: 7 von 10.

(69/100)

Halloween: 25 Filmtipps zum Gruseln

„Other Mommy“ – Filmdaten

  • Erscheinungsjahr: 2026
  • Genre: Horror, Mystery, Thriller
  • Regie: Rob Savage
  • Drehbuch: Nathan Elston
  • Darsteller: Jessica Chastain, Jay Duplass, Arabella Olivia Clark, Dichen Lachman, Arian Moayed, Karen Allen
  • Produktion: James Wan
  • Produktionsfirmen: Blumhouse, Atomic Monster
  • Verleih: Universal Pictures
  • Laufzeit: 93 Minuten
  • Produktionsländer: USA, Irland
  • Originalsprache: Englisch
  • Literaturvorlage: Incidents Around the House von Josh Malerman
  • Kinostart Deutschland / Österreich: 29. Oktober 2026

Bilder: (c) 2026 Universal Studios