27 Jahre nachdem Pennywise in der Kleinstadt Derry auf Beutezug ging, ist der „Club der Loser“ zurück, um dem tanzenden Clown mit Appetit auf herzige Kinder ein für alle Mal das Handwerk zu legen. Für die Fortsetzung nach dem Roman von Stephen King treten die Coming-of-Age-Elemente des Vorgängers aus 2017 in den Hintergrund. Geboten werden stattdessen knappe 3 Stunden wilder Horrorspaß, randvoll mit Liebe zur Materie.

von Paul Kunz

Inhalt: Mike ist das einzige Mitglied der Bande, das die Heimatstadt Derry nach den Ereignissen des ersten Teils nicht verlassen hat. Weil Es 27 Jahre später in die Ortschaft zurückgekehrt ist, ruft Mike seine alten Freunde zusammen, um sie an das Versprechen zu erinnern, das sie einander als Kinder gaben: sollte der Clown je zurückkehren, dann wollten sie ihn gemeinsam endgültig zur Strecke bringen. Also sehen sich die erwachsen gewordenen Freunde mit einer Vergangenheit konfrontiert, die sie eigentlich hinter sich lassen wollten.

Kritik: In die Fußstapfen des großartigen Jung-Casts des ersten Teils treten dank Zeitsprung erwachsene Stars wie James McAvoy, Jessica Chastain und ein außerordentlich witziger Bill Hader. Sie alle erledigen ihre Sache gut, aber nach wie vor sind es die Kinder, die am meisten Charme versprühen und ihre älteren Gegenparts dadurch problemlos an die Wand spielen – insofern ist es schade, dass sie diesmal kürzer treten und nur noch in einigen Rückblenden auftauchen dürfen. Bill Skarsgård als Pennywise ist dafür wieder mit dabei und er ist auf die bestmögliche Art befremdlich.

Wie schon sein Vorgänger bietet „Es Kapitel 2“ allerhand kreative Horror-Szenarien. Am gruseligsten ist es immer dann, wenn Skarsgård sich ganz ohne Computer-Effekte auf sein Schauspieltalent verlassen darf – und auf sein faules Auge, das sich manchmal verselbstständigt. Aber auch das Horror-Effektfeuerwerk, wenn allerlei monsterhaftes Ungetüm Jagd auf den Loser-Club macht, bereitet ordentlich Vergnügen, denn der Film wartet mit zahlreichen kreativen Einfällen auf und weiß sie effektiv in Szene zu setzen. Zwar sind auch ein paar Jump Scares dabei, aber wenn Haders Figur das haarsträubende Geschehen mit witzigen, sarkastischen und herrlich bodenständigen Bemerkungen kommentiert, dann vergibt man das gerne.

Man merkt Regisseur Andrés Muschietti seine Liebe zur Materie den ganzen Film hindurch an. Sie ist wohl auch der Grund für die außerordentliche Laufzeit: Die ursprüngliche Schnittfassung war etwa vier Stunden lang, letzten Endes brach man den Film auf 2 h 50 min herunter, was immer noch außerordentlich ist. Zwar gibt es noch die ein oder andere Länge im Film, das ist aber weniger der Laufzeit geschuldet, als vielmehr der Entscheidung, die Figuren im Mittelteil für die individuelle Vergangenheitsaufarbeitung zu trennen, bevor sie gemeinsam gegen Es vorgehen dürfen – davon hätte man gerne mehr gesehen.

Dementsprechend sind es vor allem die Figuren und ihr Zusammenspiel, die das überbordende Action-Finale am Ende von „ES Kapitel 2“ unterhaltsam machen. Denn dieses ist in seinem Versuch, immer und immer wieder einen draufzulegen, schlussendlich etwas zu exzessiv ausgefallen. Umso erfreulicher ist es daher, dass der Film doch noch die Kurve kriegt und sich dazu entscheidet, die Horror-Handlung auf kluge Weise zu einem emotional befriedigenden Ende zu führen.

Fazit

Alles in allem ist „ES Kapitel 2“ eine gelungene Fortsetzung des großartigen ersten Teils. Als solche weiß der Film auch die meisten der Stärken seines Vorgängers zu übernehmen und sie mit viel Hingabe erneut auszuspielen. Seine größte Schwäche ist, dass die erwachsen gewordenen Mitglieder des Loser-Clubs das Charisma der Kinderdarsteller nicht ganz erreichen. Zwar fällt das nicht allzu schlimm ins Gewicht, dennoch bleibt der Film dadurch knapp hinter seinem Vorgänger.

Bewertung

8 von 10 Punkten

Ratings

C. KloszC. Brocker-
hoff
M. HollensteinE. LeebD. KrunzP. Kunzavr.
86587573

Bilder: Warner Bros Pictures GmbH

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