Am 4.4. ist es soweit: Mit „Monsieur Claude 2“ von Philippe de Chauveron kommt die Fortsetzung des französischen Komödien-Hits von 2014 in unsere Kinos. Der Film schafft es nicht nur, das Niveau des Vorgängers zu halten, sondern bringt sogar eine leichte Steigerung zustande – selten genug für Sequels -, die in erster Linie auf gute Darstellerleistungen und ein ungezwungenes und gewitztes Drehbuch zurückzuführen ist.

von Christian Klosz

Familienpatron Claude Verneuil (Christian Clavier) steht kurz vor seiner Pension, in der er sich der Schriftstellerei widmen möchte. Gemeinsam mit Gattin Marie (Chantal Lauby) leistet er sich eine Weltreise, um die Familien seiner 4 Schwiegersöhne David (Israel), Rachid (Algerien), Chao (China) und Charles (Elfenbeinküste) zu besuchen. Reich an Erlebnissen kehren die beiden zurück, und erzählen den Töchtern und Schwiegersöhnen allerlei Anekdoten von ihrem Trip. Währenddessen haben sich die 4 Schwiegersöhne zusammen getan, um mit einem Start-Up-Unternehmen „Bio-Halal-Produkte“ unter’s französische Volk zu bringen. Aufgrund erneuter Fehlkalkulationen des in diesen Dinge äußerst unbegabten David geht das Projekt den Bach runter, und die 4 sehen sich einer eher tristen Zukunft in ihrer Wahlheimat Frankreich gegenüber; alle 4 beschließen, gemeinsam mit ihren Gattinnen ihr Glück im Ausland zu versuchen: Israel, China, Algerien und Indien erscheinen plötzlich als erstrebenswerte Alternativen zu dem alten, schwerfälligen und müden Frankreich, das seine Glanzzeiten vermeintlich hinter sich hat. Doch das kann Claude natürlich nicht auf sich sitzen lassen: Und so unternimmt er, mit Hilfe von Marie, alles, um die „Abtrünnigen“ von der Großartigkeit der französischen Nation zu überzeugen, und sie so doch zum Bleiben zu überreden…


Die lieben Schwiegersöhne: Charles (Noom Diawara), David (Ary Abittan), Rachid (Medi Sadoun) und Chao (Frédéric Chau) 

Es muss überraschen, dass es Regisseur de Chauveron gelingt, aus der bereits aus Teil 1 bekannten Ausgangslage erneut einen höchst unterhaltsame Komödie zu zimmern, die seinem Vorgänger um nichts nachsteht. Ein großer Vorteil ist dabei erneut der ungezwungene Zugang zu einem Thema, das in den letzten Jahren immer verkrampfter und kurzsichtiger diskutiert wurde. Zudem werden aber auch aktuelle Themen (Krise in Europa; Flüchtlinge; Migration) beigemengt, um den Film in die Gegenwart zu hieven.

Trotz seiner Leichtigkeit und des hohen Unterhaltungswerts muss „Monsieur Claude 2“ im besten Sinne „erwachsen“ genannt werden, da er nicht der weit verbreiteten und naiven Vorstellung aufsitzt, dass Ressentiments und Vorurteile nur von einer Bevölkerungsgruppe ausgehen, sondern vielmehr eine menschliche Universalie darstellen, die nur durch gegenseitigen Respekt und Kommunikation ausgeräumt werden kann. Die auf diesem Wissen gründenden Szenen sind teils herrlich komisch, und laden zu befreiendem Lachen ein.

Der Humor funktioniert auch und nicht zuletzt wegen der durchwegs guten Schauspiel-Leistungen. Hervorzuheben ist im besonderen Christian Clavier als konservativer Familien-Vater, der schon genug damit zu schaffen hatte, dass alle 4 Töchter Ausländer heiraten mussten – die nun auch noch seinem geliebten Frankreich den Rücken kehren wollen. Aber auch Ary Abittan, Medi Sadoun, Fredieric Chau und Noom Diawara, ihres Zeichens die Darsteller der 4 Schwiegersöhne, seien lobend erwähnt. Als besondere komödiantische Leckerbissen offenbaren sich, wie schon in Teil 1, die Zusammenkünfte zwischen Claude Verneuil und Andre Koffi (Pascal N’Zonzi), Vater von Schwiegersohn 4, und in seiner Starrsinnigkeit und Borniertheit das exakte (afrikanische) Ebenbild von Claude.


Charles‘ Eltern Madeleine (Salimata Kamate) und André Koffi (Pascal Nzonzi) haben beim Toleranz-Roulette auch ein Wörtchen mitzureden.

Fazit:

„Monsieur Claude 2“ bietet, wie schon Teil 1, gelungene Unterhaltung und den typischen Charme und Leichtigkeit der französischen Komödie, ohne je blöd oder banal zu wirken. Ein gewitztes Drehbuch, die flotte Inszenierung von Regisseur de Chauveron und tolle Darsteller machen den Film zu einem kurzweiligen Kinovergnügen für Jung und Alt.

Bewertung:

8 von 10 Punkten

Bilder: © Filmladen Filmverleih

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