Es war nicht wenig, das das Team um Slash-Gründer Markus Keuschnigg seinem Publikum Freitag Nacht, dem ersten Tag des Kurz-Festivals „/Slash einhalb“, zumutete: Einen Fast-Dreistünder mit Mel Gibson und Vince Vaughn in den Hauptrollen – und das ganze um 23:00. „Dragged across concrete“ von S. Craig Zahler heißt das Machwerk, das einen eher ungewöhnlichen Zugang zum Genre „Copfilm“ wählt: In ultrarealistischer Manier und beinahe ohne Inszenierung kommt der Film daher, und stellt die Geduld der Zuschauer nicht nur einmal auf eine harte Probe. Verschenke Zeit ist es dennoch nicht, vorausgesetzt, man hält bis zum Ende durch.

von Christian Klosz

Brett Ridgeman (Gibson) und Anthony Lurasetti (Vaughn) sind zwei Cops der alten Schule: An sich anständige Kerle, die nur sich und ihre Familie ernähren wollen, aber ab und an übers Ziel hinausschießen. Als ihr Umgang mit einem Verdächtigen von einem Zeugen auf Video festgehalten wird, sieht sich ihr Boss gezwungen, die beiden für 6 Wochen zu suspendieren. Vor allem Ridgeman hat genug von immer neuen Vorschriften, den Geboten der political correctness im Dienst, während sich seine kranke Frau ihre Medikamente kaum noch leisten kann und seine Tochter wiederholt Opfer von Angriffen am Schulweg wurde. Er überredet Lurasetti, sich in ihrer dienstfreien Zeit an die Fersen eines Gangsters namens Vogelmann zu heften, und ihm die Beute eines Banküberfalls abzunehmen. Doch es kommt, wie es kommen muss: Die Lage eskaliert, und die anfangs guten Intentionen der „well-meaning, hard-working cops“ werden schnell über Bord geworfen…

Regisseur Zahler stellt seine Zuschauer auf eine harte Probe: Das liegt zum einen an der extrem entschleunigten Erzählweise und Kameraführung in „Dragged across concrete“, was anfangs noch ansprechend bis innovativ wirkt, vor allem im Mittelteil aber auch ermüdende Dimensionen annimmt; zum anderen an der Tatsache, dass der Film beinahe ohne Inszenierung auskommt, sprich: Bis auf das Spiel mit Licht und Helligkeit und wechselnder Kameraperspektiven wird das Dargestellte beinahe dokumentarisch aufbereitet. Das kennt man auch von anderen Filmen, in Kombination aber machen beide Regieentscheidungen den Film nicht immer leicht erträglich und mitunter anstrengend. Das muss auch noch kein Fehler sein, wenn so intendiert; in gewissen Phasen aber ist nicht unbedingt klar, ob es eine bewusste und sinnvolle Entscheidung war, die Kamera zum Beispielt für 10 Minuten in derselben Positionen auf derselben Einstellung verharren zu lassen, oder doch Schlampigkeit oder Uninspirirtheit im Schnitt.

Überhaupt wirkt der Film mit seinen 160 Minuten um mindestens 40 Minuten zu lang, da man den Eindruck hat, dass der Inhalt in eineinhalb oder zwei Stunden ebensogut dargestellt hätte werden können, mit immer noch genug Platz für stilisierte inszenatorische Leerläufe und Langsamkeit.

Dass der Film am Ende aber doch ansprechend ist, liegt neben dem Charme des filmischen Realismus auch und vor allem am Mel Gibsons Darstellung. Während Vince Vaughn insgesamt eher blass wirkt und man aus seiner Rolle sicher mehr hätte herausholen können, bietet der für sein over-acting bekannte Gibson eine überraschend nuancierte und subtile Darstellung eines Cops, der es an sich gut meint, aber durch die Umstände auf die „schiefe Bahn“ wechselt.

Ohne die Leerläufe und Längen, mit etwas mehr Präzision im Schnitt wäre „Dragged across concrete“ ein wirklich guter Film geworden, so ist das Endprodukt ein solider, aber etwas durchwachsener Neo-Noir-Thriller mit Stärken und Schwächen, der aber dennoch eine Sichtung Wert ist.

Rating:

74/100

Bilder: /Slash-Festival