Vergangenen Sonntagabend wurde die erste Goldene Palme der 72. Filmfestspiele in Cannes vergeben: Da ehrte man den französischen Star-Schauspieler Alain Delon für sein Lebenswerk. Der inzwischen 83jährige schaut auf eine lange und erfolgreiche Karriere zurück, die ihn zu einer Ikone des europäischen Kinos werden ließ.

Seinen Durchbruch hatte Delon 1958 im Melodram „Christine“ an der Seite von Romy Schneider, mit der er einige Jahre eine Beziehung führte. In den 60ern machten ihn Filme wie „Nur die Sonne war Zeuge“ von René Clement, „Rocco und seine Brüder“ von Lucchino Visconti, und „Der eiskalte Engel“ von Jean-Pierre Melville international bekannt. Im Zuge seiner Schauspielkarriere war er in über 80 Filmen zu sehen.

Trotz der Bedeutung Delons für die Filmgeschichte hagelte es bereits vor der Eröffnung der Festspiele Kritik an seiner Ehrung. Grund für den Unmut war nicht das filmische Werk, sondern die politische Position des Weltstars: Delon gilt als erzkonservativ, er steht dem rechtspopulistischen Rassemblement National von Marine Le Pen (vormals Front National) nahe und ist ein enger Freund Jean-Marie Le Pens, der bereits wegen Verharmlosung des Holocausts verurteilt wurde.

Darüber hinaus fiel Delon immer wieder aufgrund heikler Aussagen auf. So sprach er sich gegen das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare aus und gab zu, in der Vergangenheit Frauen geschlagen zu haben. Die US-Organisation „Women and Hollywood“ startete aufgrund „rassistischer, homophober und frauenfeindlicher“ Aussagen und Handlungen des Schauspielers eine Petition, um die Jury zur Zurücknahme des Preises zu bewegen. Über 25.000 Menschen unterzeichneten.

Festivalleiter Thierry Frémaux steht jedoch hinter der Entscheidung der Jury: „Alain Delon hat das Recht zu denken, was er will“, sagte er in einer Pressekonferenz. „Wir überreichen ihm ja nicht den Friedensnobelpreis, sondern ehren ihn für seine Leistungen in der Filmgeschichte.“ Der Aussage Frémaux‘ folgten zahlreiche mediale Diskussionen über das Trennen politischer Ansichten Kunstschaffender von ihrem künstlerischen Werk.

In Cannes gab es ungeachtet der Kritik großen Applaus, als Delons Tochter Anouchka ihrem Vater die Trophäe überreichte. In seiner Dankesrede nahm Delon dennoch Bezug auf die negativen Reaktionen: „Man muss nicht mit mir einverstanden sein. Aber es gibt eine Sache, deren ich mir sicher bin, auf die ich stolz bin, wirklich nur eine, das ist meine Karriere.“

von Paul Kunz

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