Das Genre „romantische Komödie“ gibt es in unterschiedlichsten Spielarten: Von kitschig-emotional bis ironisch-verspielt reichen die Versuche, alle möglichen und vor allem unmöglichen Beziehungen filmisch darzustellen. „Long Shot“ von Jonathan Levine, ab 20.6. im Kino, wählt eine Mischung aus Bodenständigkeit, Realismus und wohldosierter Albernheit, um den steinigen Weg zur festen Beziehung zwischen einem mehr als ungleichen Paar, der Präsidentschaftskandidatin Charlotte Fields und Journalist / Redenschreiben Fred Flarsky, zu illustrieren: Eine ziemlich gelungene Mischung am Ende, die den Vergleich zu großen Vorbildern wie „Harry und Sally“ oder „Und täglich grüßt das Murmeltier“ nicht zu scheuen braucht.

von Christian Klosz

Charlotte Fields (Charlize Theron) ist unter Präsident Chambers (herrlich schräg: Bob Odenkirk) erfolgreiche wie beliebte Außenministerin. Der eröffnet ihr unerwartet, für seine Wiederwahl nicht zu kandidieren (er will stattdessen Filmschauspieler werden), und bietet ihr sein endorsement für eine mögliche Kandidatur ihrerseits an. Das Angebot kommt der mit hohen Ambitionen ausgestatteten Fields entgegen, und sie beginnt, ihr Team für den Wahlkampf zusammenzustellen.

Auf einer Party trifft sie ihre Jugendbekanntschaft Fred Flarsky (Seth Rogan), mit dem es das Leben nicht so gut gemeint hat, und der eben seinen Journalisten-Job verloren hat. Die beiden unterhalten sich über die „guten, alten Zeiten“, und, zack, zack, zack, wird Flarsky als Fields‘ Redenschreiber engagiert. Es dauert eine Weile, bis er sich an die hohen Ansprüche und das Arbeitsethos in den Politzirkeln Washingtons gewöhnt hat – doch auch Charlotte, eine unnahbare alpha female, die nur für ihren Beruf lebt und niemanden an sie heran lässt, gewöhnt sich immer mehr an seine Gegenwart, seine ehrliche Offenheit und Aufmerksamkeit, bis es kommt, wie es kommen muss: Die beiden verlieben sich ineinander. Was ob ihrer Ungleichkeit, was Aussehen, Stilsicherheit und Attraktivität betrifft, ein nicht kleines Problem darstellt – gerade weil Fields in Kürze ihre Präsidentschaftskandidatur bekannt geben will…

Am augenscheinlichsten an „Long Shot“ sind natürlich die umgekehrten Implikationen: Hier ist die Frau der kühle, distanzierte, elegante und über allen Dingen stehende Protagonistin, während der Mann als tollpatschiger, unsicherer, aber gutherziger Typ gezeichnet wird, der die Frau „bekehren“ muss, und ihr, dem rationalen Karrieremensch, Lieben und Leben lehrt. Das Gender-Thema wird aber durchaus locker und ohne allzu große Verbissenheit abgehandelt, weshalb die Essenz des Films, die zentrale Botschaft am Ende doch eine andere ist: Dass nämlich, wenn man nur will, eine Lösung für alles gefunden werden kann, der Wille zur Ehrlichkeit auf allen Seiten vorausgesetzt. Nur so finden Fred und Charlotte einen Weg, ihre auf echten Gefühlen basierende Beziehung vor dem Hintergrund der Einschränkungen und Zwänge des gnadenlosen Politbetriebs zu leben.

Die Besetzung der beiden Hauptdarsteller ist gut gewählt, Seth Rogan beweist einmal mehr, dass er mehr kann als post-pubertären Fäkalhumor. Und auch die wunderbare Charlize Theron ist mit der ihr eigenen Anmut und Eleganz sowieso die Idealbesetzung für ihre Rolle. In kleinen, aber feinen Nebenrollen sind übrigens, wie bereits erwähnt Bob Odenkirk („Better Call Saul“) als schräger US-Präsident, der seine Rolle als commander in chief in einer TV-Serie gegen die reale Position eingetauscht hat, und Andy Serkis („Herr der Ringe“) als schmieriger Medienverleger zu sehen.

Trotz ihrer oberflächlichen Unterschiede gibt es ein verbindendes Element zwischen Fields und Flarsky, das sie immer wieder zusammenbringt, und eines der zentralen Motive der Geschichte ist: Ihr Idealismus. Vor allem zu Beginn muss Fred Charlotte mehrmals an die junge, engagierte Jugendliche erinnern, die er vor Jahrzehnten kennen und lieben gelernt und deren Unbeirrbarkeit er immer bewundert hatte, eine moralische Kompromisslosigkeit, die in den gnadenlosen Mühlen des Washingtoner Politbetriebs abzustumpfen droht. Und am Ende ist es gerade dieser Idealismus – gepaart mit einer prinzipiellen Bereitschaft zum Kompromiss, die wiederum Fred hart erlernen muss – der diese ungewöhnliche Liebe erst ermöglicht.

Zu guter Letzt sei noch auf die Stärken des Drehbuchs von Liz Hannah und Dan Sterling hingewiesen, dem – trotz des an sich wenig innovativen Grundplots – immer wieder neue Wendungen und gewitzte Dialoge einfallen, die „Long Shot“ stets interessant, unterhaltsam und nie langweilig sein lassen. Die solide Regie von Jonathan Levine tut ihr Übriges, das Ganze in eine gelungene filmische Form zu bringen.

Fazit

Alpha female verliebt sich in beta male, und umgekehrt – so lässt sich „Long Shot“ kurz zusammenfassen. Der beschwingte, amüsante und unterhaltsame Film bietet alles, was das Rom-Com-Herz sich wünscht, und zeichnet sich durch ein tolles Drehbuch, gute Darsteller und einen Schuss Realismus aus, den man in diesem oft kitschtriefenden Genre nicht unbedingt erwarten würde. Kurzum: Eine Komödie mit Hirn und Herz – sehr sehenswert.

Bewertung

8 von 10 Punkten

Bilder: © 2019 Studiocanal GmbH

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