von Cliff Brockerhoff

Es ist ein Thema, das zwangsläufig in jeder Diskussion rund um das Medium „Film“ irgendwann auftaucht – die (vermeintlich mangelnde) Qualität deutschsprachiger Produktionen. Vom Großteil belächelt und konsequent gemieden, von Cineasten geschätzt. Geblendet vom Schweiger’schen und Schweighöfer’schen Mikrokosmos werden schnell sämtliche Filme über einen Kamm geschert, doch wird diese Einschätzung den nationalen Produktionen wirklich gerecht? Zuletzt sorgten beispielsweise Serien wie „Babylon Berlin“ oder vor allem „Dark“ für internationales Aufsehen und konnten unisono positives Feedback für sich veranschlagen. Das es durchaus auch Filme aus Deutschland gibt, die mit den ganz großen Hollywood-Produktionen mithalten können, versuchen wir mittels folgender Liste unter Beweis zu stellen und präsentieren euch die besten deutschen Filme der letzten Jahre.

„Victioria“ ©Wild Bunch

Victoria (2015)

verfügbar bei Netflix

Der Technische. Eine 140-minütige Plansequenz, bei der die namensgebende Protagonistin auf eine Gruppe Ortansässiger trifft und von Minute zu Minute unbewusst ihrem Unglück entgegenrennt. Insbesondere der Kameraarbeit gebührt dabei der allerhöchste Respekt, denn durch die handwerkliche Umsetzung entsteht ein beklemmendes „Mittendrin-Gefühl“. Auch wenn anfangs noch unklar ist, in welche Richtung der Film steuert, schaukelt sich die Handlung spätestens in der zweiten Hälfte zu einem Spektakel hoch, das einmal mehr beweist, dass es keine außergewöhnliche Story braucht um einen fantastischen Film zu erschaffen.

Toni Erdmann (2016)

verfügbar bei Amazon Prime Video

Der Prämierte. Auch wenn die ganz großen Auszeichnungen am Ende verwehrt blieben, konnte die Tragikkomödie zahlreiche Preise einheimsen und zählt fortan zur Speerspitze der nationalen Filmkunst. Vor Kreativität strotzend und teilweise in Skurrilität versinkend, ist „Toni Erdmann“ eine äußerst artifizielle Vater-und-Tochter Geschichte, die auf den ersten Blick fernab der Realität spielen mag, bei genauerem Hinsehen aber tief in der menschlichen Natur verwurzelte Themen aufgreift. Die eigenwillige Stilistik wird nicht jedem gefallen, passt aber perfekt zu den Persönlichkeiten des Films und entfaltet seinen ganz eigenen Charme.

„Toni Erdmann“; ©Filmwelt

Der Hauptmann (2017)

verfügbar bei Amazon Prime Video

Der Kriegsfilm. Das überstrapazierte Genre erlebt durch „Der Hauptmann“ eine Frischzellenkur. Nicht etwa, weil dieser komplett farblos daherkommt, sondern vielmehr weil er eine unglaubliche Randgeschichte beleuchtet, statt sich auf die großen Schlachten oder Helden zu fokussieren. „Emotional, ungeschönt, intensiv. Schwenktes Werk ist ein erbarmungsloser Volltreffer und zeigt auf beeindruckende Art und Weise den Zustand, den die Aneignung von Macht bei einem Individuum auslösen kann.“ (Cliff Brockerhoff) Technisch brillant und mit beängstigend guten Schauspielleistungen gesegnet ist der Film eine dicke Empfehlung für Geschichtsinteressierte und Anhänger des Genres.

Die gesamte Kritik könnt ihr hier nachlesen: https://filmpluskritik.com/2018/04/07/der-hauptmann-kritik/

Der Vorname (2018)

Der Konventionelle. Faktisch zwar nur auf Platz 4 der erfolgreichsten deutschsprachigen Filme 2018, gehört Sönke Wortmanns Neuverfilmung zu den besten Komödien der letzten Jahre. Detaillierte Charakterzeichnungen, clever verwobene Wendungen und wahnwitzige Dialogverläufe sorgen dafür, dass eine einzige Banalität komplette zwischenmenschliche Beziehungen untergräbt. In Zeiten von weltweit auftretenden politischen Umwälzungen ist „Der Vorname“ gleichermaßen witzig und wichtig und funktioniert sowohl als lockere Unterhaltung, wie auch als Anstoß für eine angeregte Diskussion.

„Der Vorname“

In den Gängen (2018)

Der Liebesfilm. Ausufernde Romantik oder gar leidenschaftlichen Sex sucht der Zuschauer aber trotzdem vergebens. Stattdessen taucht der Film tief in das Leben der Arbeiterklasse ein und gewährt einen Blick in Gefühlswelten, denen nur selten die große Leinwand geboten wird. „Alle haben ihre Probleme, die sie mit in ihre Arbeit nehmen, aber nicht kommunizieren können oder wollen. Das verleiht dem Film auch immer wieder zwar witzige und unterhaltsame Momente, denen aber dennoch eine bittere Tragik innewohnt.“ (Valerian Happenhofer)

Die gesamte Kritik könnt ihr hier nachlesen: https://filmpluskritik.com/2018/05/15/in-den-gaengen-kritik/

Der goldene Handschuh (2019)

Der Schocker. Fritz Honka, seines Zeichens Hauptakteur der Geschichte, galt als unauffälliger Typ. Als Stammgast einer Kiezkneipe fällt es ihm schwer, Anschluss zu finden. Mit Hilfe von hartem Alkohol schafft er es aber immer wieder Frauen für sich zu gewinnen, die noch nicht ahnen, dass ihr Leben alsbald ein jähes Ende finden wird. „Gerade durch die extreme Mischung aus Wahnsinn und Witz entsteht ein kleines Genremeisterwerk, nach dessen Sichtung sich der Zuschauer ebenso schäbig fühlt, wie es der Schauplatz der Morde einst gewesen war.“ (Cliff Brockerhoff)

Die gesamte Kritik könnt ihr hier nachlesen: https://filmpluskritik.com/2019/02/28/der-goldene-handschuh-kritik/

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