Ritter, Rächer, Replikanten; die Rollen von Rutger Hauer decken eine unglaubliche Bandbreite ab. Letzten Freitag ist der niederländische Ausnahmedarsteller verstorben.

Hauers steile Karriere begann im niederländischen Fernsehen mit der Titelrolle in der Serie „Floris“, die unter Regie seines Landsmanns Paul Verhoeven entstand. Hier fundierte sich eine regelmäßige Zusammenarbeit mit Verhoeven, der Hauer mit dem Film „Türkische Früchte“ erstmals internationale Beachtung bescherte.

von Daniel Krunz

Nachdem er 1981 im Thriller „Nighthawks“ an der Seite von Sylvester Stallone sein Hollywooddebüt gab, war der Erfolgszug des Charaktermimen nicht mehr aufzuhalten. Im Jahr darauf spielte sich Hauer in seiner wohl unvergesslichsten Rolle als existentieller Android in Ridley Scotts „Blade Runner“ in ein kollektives Gedächtnis. Die eindringliche Performance erlangte nicht zuletzt durch den ikonischen „Tears in rain“ -Monolog Berühmtheit, den Hauer großteils am Set improvisierte. Die 1980er erwiesen sich folglich als ungemein produktive Schaffensphase und Hauer etablierte sich als begehrter Genredarsteller, der Action-, Fantasy-, und Horrorperlen mit seiner einzigartigen Präsenz bereicherte. „Wanted: Dead or Alive“, „Hitcher, der Highway Killer“ und „Ladyhawke“ gelten bis heute als unbestrittene Klassiker ihrer jeweiligen Gattungen und leben alle vom Spiel des Mannes mit den eisblauen Augen und der markanten Stimme.

Hauer wusste aber auch nach wie vor in seriösen Produktionen als ernstzunehmender Mime zu überzeugen. Seine Performance im TV-Holocaust-Drama „Escape from Sobibor“ brachte ihm 1987 einen wohlverdienten Golden Globe als bester Nebendarsteller ein.

In den 90ern trat Hauer vermehrt in kleineren Low Budget-Produktionen auf, feierte in den 2000ern aber eine fulminante Rückkehr ins Blockbuster Kino. „Sin City“ oder „Batman Begins“ boten ihm auf den Leib geschneiderte Rollen, die ebenso mit Bravour verkörperte, wie die Titelfigur im trashigen Neo-Grindhouse Flick „Hobo with a Shotgun“.

Als die Nachricht über seinen Tod die Runde im Internet machte, glaubte man zuerst an einen Hoax, so unfassbar schien das Ableben des harten Knochens Hauer. Gestern wurde die Nachricht aber von offizieller Seite bestätigt und zur traurigen Gewissheit.

Obwohl er auf der Leinwand oftmals gewalttätige Schurken oder Antihelden gab, war die Person Hauer ein erklärter Pazifist, engagierter Umweltaktivist und Begründer einer Stiftung zur Erforschung von Aids. Uns wird er aber in erster Linie als versierter, unglaublich vielseitiger und unglaublich sympathischer Schauspieler in Erinnerung bleiben.

“All these moments will be lost in time, like tears in rain.”

Roy Batty, Blade Runner

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