Sommer, Sonne, Spannereien – die Grundzutaten für eine israelische Erfrischung namens Eis am Stiel. Als im Jahr 1981 der dritte Teil in die Kinos kam, hatte sich dieses Produkt längst zum eingetragenen Markenzeichen entwickelt.

So öffnet „Liebeleien“, so der deutsche Untertitel, mit einer vertrauten Situation: Am Badestrand drängt sich eine Gruppe notgeiler Teenager um ein Guckloch in der Damenumkleide. Weil dem beleibtesten der Burschen das Panorama verwehrt bleibt, sucht er sich einen Logenplatz und klettert auf das Dach der Bretterbude. Ein buchstäblich schwerwiegender Fehler, denn kaum hat der Gipfelstürmer die Hügellandschaft unter ihm erkundet, bricht unter ihm der Boden ein und er plumpst mitten in das nackte Grauen, von wo er mit Pantoffelschlägen unsanft hinauskomplimentiert wird.

von Daniel Krunz

Szenen wie diese prägten sich in das Gedächtnis einer Generation ein und etablierten besagten Pechvogel, dargestellt von Zachi Noy, zum erklärten Publikumsliebling.

Für alle, die noch nie einen „Eis am Stiel“ – Film gesehen haben, lässt sich die Handlung von Teil 3 (und der meisten übrigen) wie folgt zusammenfassen: Im Tel Aviv der 1950er sind die pubertierenden Schürzenjäger Benny, Bobby und Johnny stets auf der Suche nach der nächsten Party und körperkontaktfreudigen Tanzpartnerinnen. Benny, der Romantiker des Trios, findet sich in einer glücklichen Beziehung wieder, die aber wegen Unehrlichkeit in die Brüche geht. Letztendlich erobert der jugendliche Liebhaber sein Mädchen zurück und sie leben glücklich bis zur nächsten Fortsetzung. Dazwischen wird gebadet, Bettsport betrieben und zu den heißesten Rock ’n‘ Roll Hits der Ära geswingt.

Aus filmtheoretischer Perspektive bleibt abseits bestehender Debatten vor allem die kulturelle Signifikanz dieser Filme bemerkenswert, die sich besonders im deutschsprachigen Raum immenser Popularität erfreuten und ab Teil 5 in deutscher Koproduktion entstanden. Das Erfolgsrezept, das „Eis am Stiel“ als Genrekost schmackhaft macht, legt „Liebeleien“ endgültig fest. Während die ersten zwei Teile viel stärker eine bittersüß-sentimentale Note kennzeichnet, wird in „Liebeleien“ der sirupsüß-delikate Gehalt drastisch erhöht und das Genre Sexkomödie erreicht. Bewährte Lacher der Vorgänger werden neuinterpretiert und unermüdlich auf die Spitze getrieben. Geschlagene viermal wird der arme Johnny meist halbnackt durch die Gegend geprügelt, während Ritchie Valens vergnüglich „La Bamba“ kräht. Zachi Noy spielt sich spätestens hier als Sympathieträger in die Herzen des Publikums und wird zum unverzichtbaren Zugpferd der Reihe. Heimlicher Star des Films bleibt aber Sibylle Rauch, die Bennys nymphenhafte Cousine Trixie mimt und auch fast vierzig Jahre später nicht nur den Jungs auf der Leinwand den Kopf verdreht.

Das „Kino wie noch nie“ im Augarten ist ein beliebtes Sommerkino in Wien / © Filmarchiv Austria / Alexi Pelekanos

So erfreute es ungemein, dass Frau Rauch die Vorführung von „Liebeleien“ am 9. August im Rahmen der Programmreihe „Kino wie noch nie“ des Filmarchiv Austria mit ihrer Anwesenheit beehrte und nach dem Screening dem Publikum Rede und Antwort stand. Sehr direkte Töne waren zu hören, als sie berufliche und persönlichen Erfahrungen mit der Menge teilte.

„Erfolg wird einem nicht geschenkt“, lautet eine alte Weisheit, die auch Sibylle Rauch an eigenem Leib erfuhr. Dass der Weg zur Traumkarriere ein oftmals steiniger war, wird nicht zuletzt durch das heißkalte Klima am Set von „Eis am Stiel“ deutlich. So konnte Rauch den Ruf des Regisseurs Boaz Davidson als Tyrann durchaus bestätigen, beschrieb ihn als „Fanatiker“ und „gespaltenes Genie“, das offenbar auch nicht vor Morddrohungen zurückschreckte, um die gewünschte schauspielerische Leistung zu erhalten. „… aber das Ergebnis ist schön geworden“, lautet dann dennoch Rauchs Resümee zu der Produktion, die mit einer goldenen Leinwand zur kommerziell erfolgreichsten der Reihe wurde.

Für ihren Kollegen Zachi Noy findet sie hingegen nur herzliche Worte. Sie hätten viel miteinander gelacht und seien „zum Dreamteam“ geworden. „Wir waren nicht nur durch das Leintuch verbunden, sondern auch menschlich“, lacht sie; Kenner des Filmes werden die Metapher verstehen.

Doch nicht nur an die „unbeschwerte Zeit“ erinnert sich Sibylle Rauch an diesem Abend, sondern spricht auch sehr offen von ihren Tiefpunkten und enthüllt, dass sie nicht an das Wunder eines Comebacks glaubt. „Ich war im Dschungelcamp und nicht im Märchenwald“, heißt es da nüchtern, doch zum wiederholten Male begeistert Rauch so durch ihren liebenswert ironischen Humor, den bayrischen Schmäh, den sie sich glücklicherweise bewahrt hat. Nichtsdestotrotz war es ein durchaus herzlicher Empfang, der Frau Rauch bereitet wurde und eine offenbar immer noch treue Fangemeinde abzeichnete.

Im Zuge der Publikumsdiskussion durften schließlich auch wir das Gespräch mit Sibylle Rauch suchen und die eingangs erwähnten Debatten um die Filmreihe ansprechen.

Film plus Kritik:

„Sie haben vorher erwähnt, dass alle Filme kürzlich im Fernsehen gelaufen sind. Im Rahmen des Programms ist auch Zachi Noy zu Wort gekommen, der meinte, vieles was in den „Eis am Stiel“ Filmen gezeigt wird, wäre aus heutiger Sicht praktisch untragbar, in Zeiten von #metoo und einer Gesellschaft, die viel stärker für Formen von Sexismus sensibilisiert ist. Wie bewerten Sie das? Können Sie uns beruhigen und wir können den Film als den harmlosen Spaß von damals genießen? Hätte er denselben Erfolg, wenn er im Jahr 2019 erscheinen würde?“

Sibylle Rauch:

„Nein. Diese Filme waren in einer anderen Zeit erfolgreich. So wie „Knight Rider“ und „Baywatch“ Kult waren, ist der Zeitgeist der 80er, 90er nicht in die Neuzeit zu transportieren, in eine Zeit bestimmt durch das Internet. Vieles ist anders. Ich meine, die Filme waren so wie sie sind zurecht Kult und man sollte da nichts hineininterpretieren. Es sind Komödien, das heißt, man muss sie nicht allzu ernst nehmen. Zachi war da genial, gerade in diesem Film. Ich kenne ein aktuelles Interview von ihm, da hat er gesagt: „Diese Filme sind für immer Kult.“ Jeder liebt sie und sie werden auch für immer bestehen, weil sie einfach schön gemacht sind, so wie sie sind. Was wäre „Knight Rider“ ohne das sprechende Auto, was wäre „Eis am Stiel“ ohne die derben Zoten, die die Leute aber erwarten?“

Unser Autor Daniel erfüllte sich mit dem Treffen mit Sibylle Rauch einen Jugendtraum / Foto: Florian Widegger, © Film plus Kritik

Frau Rauch zeigte Verständnis für die Kritik an den Filmen, bewies aber einen sehr persönlichen, entspannten Umgang mit dem Diskurs. So habe etwa der Regisseur Eric Friedler, der in einer Dokumentation, die sich kritisch mit dem Phänomen auseinandersetzt, sich dem Thema zwar neutral gewidmet, doch ein zu tristes Bild gezeichnet. „Die schönen, lustigen Sachen, die wir am Strand und auf Welttournee erlebt haben, blieben außen vor. Das hat mich etwas gestört. Ich hab das dem Eric auch gesagt.

Der Titel „Dschungelkönigin“ wurde ihr nicht zuteil, Sibylle Rauch wurde aber gestern Abend gemäß der Spielstätte zur „Augartenkönigin“ erklärt und vermittelte mit ihrer unmittelbaren Art den Eindruck eines Abends unter Freunden. Dank besagter Open-Air Kulisse im Wiener Augarten wurde bei manchen vielleicht sogar ein Hauch des Tel Aviver Strandfeelings spürbar.