Zwei Teenagerinnen aus gutem Hause wollen einen Abend vor ihrem Highschool-Abschluss ein erstes (und letztes) Mal so richtig die Puppen tanzen lassen. Was folgt, sind Stunden voller Alkohol, Sex und Drogen. Es gibt sie noch: Szenarien, bei denen sich beim puren Gedanken daran die Augen gen Stirnlappen rollen. Zu klischeebehaftet sind vergleichbare Genrewerke, zu groß ist die Gefahr, sich in einem Film voller infantiler Sprüche und semi-witzigen Späße unter der Gürtellinie wiederzufinden. Wenn die Chose dann auch noch mit der typischen „from zero to hero“ Story aufwartet, bei denen Außenseiter durch eine wundersame Wandlung plötzlich zu Stars mutieren, bahnt sich ein unausweichliches Drama an. Doch erstens kommt es anders, und zweitens ist dies die Einleitung zu „Booksmart“, und nicht zu „Fack ju Göthe“.

von Cliff Brockerhoff

„Booksmart“, der erste Langspielfilm unter der Regie der bekannten Hollywood-Aktrice Olivia Wilde, bedient sich bei einigen der erwähnten Faktoren, hat aber eben auch einen ganz entscheidenden Vorteil: sympathische Charaktere. Jeder Protagonist erhält zumindest eine oberflächlich ausgearbeitete Backgroundstory, sodass der Film nicht schon zu Beginn Gefahr läuft, in die Bedeutungslosigkeit abzugleiten. Und sie sind alle dabei: Die Sportler, die hübschen Mädchen mit dem IQ eines Lesezeichens oder eben auch die coolen Lehrer/Rektoren, die in ihrer Entwicklungsphase irgendwo stehengeblieben sind. Niemand von ihnen glänzt mit akademisch angehauchten Dialogen oder Handlungen, gegen ihren Charme ist allerdings mit Fortlauf nur schwer anzukommen. Die meisten Sympathien ernten aber ohne Zweifel die Hauptdarstellerinnen, namentlich Kaitlyn Dever (in der Rolle der Amy) und Elizabeth Feldstein (in der Rolle der Molly).

Die schauspielerische Leistung der beiden sorgt vorrangig dafür, dass der Film sich in einer ungeheuren Liebenswürdigkeit sonnt und sich trotz oft erzählter Elemente eine Authentizität bewahren kann. Die Chemie zwischen den Zweien ist so perfekt, dass der Zuschauer nach geraumer Zeit vergessen könnte, dass er sich einem Spielfilm gegenüber sieht. „Booksmart“ blättert immer mal wieder im Leitfaden, zitiert bekannte Werke, überblättert andererseits dann aber auch schnell wieder einige Kapitel und haucht den leeren Seiten Leben ein. Der dabei aufgegriffene Humor ist teils derb, aber nie niveaulos. Die Frequenz der Lacher ist insbesondere im Mittelteil enorm hoch und wird nur selten von emotionalen oder gar ernsten Passagen unterbrochen. Eine Szene sticht dabei besonders positiv heraus und wird dementsprechend auch schon innerhalb der Handlung rezitiert. Trotz Debut; Olivia Wilde weiß um die Stärken ihrer Schöpfung und nutzt diese zu ihrem Vorteil.

Stilistisch ergeht sich der Film in keinen großartigen Experimenten, sondern bedient sich an einer Palette Altbewährtem. Laute Musik, humorvolle Zeitlupenaufnahmen und der typisch amerikanische Highschool Flair – das alles ist nicht neu, hat aber schon an anderer Stelle funktioniert. Und sind wir ehrlich: braucht wirklich jemand extravagante Kameraeinstellungen oder die musikalische Untermalung aus der Feder von Ludwig van Beethoven in einer Komödie, wenn er stattdessen wabernde Bässe und alkoholgetränkte Dialoge genießen kann?!

Fazit:

„Booksmart“ besticht zwar nicht mit Ernsthaftigkeit, hat sich aber durchaus ein Beispiel am eigenen Titel genommen; das Werk agiert tatsächlich „smart“ und bietet herrlich zwangloses Vergnügen. Mit Hilfe eines bärenstarken Casts und einer klug erzählten Geschichte könnte Wildes Spielfilmdebut eine der Überraschungen des Jahres werden. Dass die beiden Freundinnen am Ende der Reise wirklich ebenjenen Status der Heroinnen erreicht haben – geschenkt. Um dem Film ernsthaft böse zu sein ist der Unterhaltungswert einfach viel zu hoch, und irgendwie wünscht man sich nach kurzweiligen 102 Minuten eine Fortsetzung der Story, was angesichts des Genres das größtmögliche Kompliment darstellt.

Bewertung:

8 von 10 Punkten

Bilder: ©Weltkino Filmverleih

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