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„Le Mans 66“: Kritik zum rasanten Rennfahrer-Drama mit Christian Bale und Matt Damon

„Le Mans“, ein Name, der wohl wie kaum ein zweiter für Gänsehautmomente unter Rennsportenthusiasten sorgt. Kein Wunder, immerhin messen sich dort bereits seit den frühen 20er Jahren des letzten Jahrhunderts die besten Automobilhersteller der Welt, um zu zeigen, was ihre Kreationen unter der Haube haben. Doch nicht nur die vierrädrigen Schmuckstücke lassen den Puls höher schlagen, auch die todesmutigen Rennfahrer sorgen mit ihren teils waghalsigen Manövern während dieser 24 Stunden regelmäßig für Schlagzeilen in der Fachpresse.

von Mara Hollenstein-Tirk

So geschehen auch 1966, als einer der wohl bekanntesten Konstrukteure der Rennsportgeschichte gemeinsam mit einem der besten Fahrer dieser Zeit auf dem schwierigen Parcours in Frankreich Geschichte schrieb: Carroll Shelby und Ken Miles hießen die beiden Herren, die Ford, allen Widrigkeiten zum Trotz, überraschend zum Sieg gegen den Platzhirsch Ferrari verholfen hatten, und James Mangold heißt der Regisseur, der ihnen dieses Jahr mit einem Biopic ein Denkmal setzen will.

Um es gleich vorweg zu nehmen: „Le Mans 66“ ist einer jener Filme geworden, der es schafft, selbst Menschen, die mit Motorsport absolut nichts am Hut haben, in seinen Bann zu ziehen. Das gelingt ihm vor allem aufgrund zweier inszenatorischer Kniffe: die Fokussierung auf die beiden Protagonisten und die energiegeladene Darstellung der Autorennen. Um ersteres zu gewährleisten, entschieden sich die Verantwortlichen dazu, ihrem Werk eine Laufzeit zu geben, die mit zweieinhalb Stunden schon deutlich aus der Menge der Biopics heraussticht. Doch genau diese Großzügigkeit ist der Grund dafür, weshalb Mangold dem Zuschauer den leicht aufbrausenden Familienvater Miles und den vom Leben in eine andere Richtung gelenkten Autoschrauber Shelby auf eine Art und Weise näher bringen kann, wie dies nur selten in Rennsportfilmen der Fall ist.

Damit das Publikum die beiden Streithähne trotz all ihrer Macken sofort ins Herz schließt, wurden zwei Schauspieler gecastet, die wahrlich etwas von ihrem Handwerk verstehen. So verwundert es auch nicht, dass Matt Damon und Christian Bale zu den großen Highlights des Filmes gehören. Die Chemie der beiden, ebenso wie ihr nuanciertes Spiel, lassen selbst jene Szenen wichtig erscheinen, in denen sich die Mimen lediglich in die Augen schauen. Dass für diese intensive Auseinandersetzung mit den beiden Hauptfiguren die meisten Nebenfiguren auf der Strecke geblieben sind, und der große Krieg, der im Hintergrund zwischen Ford und Ferrari herrschte, mit all seinen Intrigen und Mauscheleien, lediglich in ein paar Szenen angedeutet wird, verzeiht man als Zuschauer nur zu gerne, wenn man dem großen Finale, dem titelgebenden Rennen, beiwohnen darf. Und die Fingernägel in den Sitzpolster vergräbt, weil man sich aufgrund der letzten zwei Stunden nichts sehnlicher wünscht, als dass die beiden Freunde, trotz aller Steine, die ihnen in den Weg gelegt wurden, als Sieger über die Ziellinie fahren. Dabei schlägt einem das Herz dank vieler Aufnahme aus dem Cockpit heraus und in das Cockpit hinein bei jeder Kurve und jedem Überholmanöver bis zum Hals, erzeugen die gewählten Kameraeinstellungen doch stets das Gefühl nicht bloß dabei, sondern mitten drin im Geschehen zu sein.

Fazit:

Alles in allem ist „Le Mans 66“ also ein mitreißend erzähltes Drama geworden, das im Rennsportmilieu angesiedelt ist, das dank zwei hervorragend gespielter Hauptfiguren, atemberaubender Rennsequenzen und einer bewegenden Geschichte sowohl Rennsportfans, als auch Rennsportmuffel in seinen Bann zu ziehen vermag. In diesem Kinojahr, das bisher vor allem durch Mittelmäßigkeit geprägt war, eindeutig eine Empfehlung für all jene, die sich mal wieder so richtig von einem Film begeistern lassen wollen. Ab 14.11. im Kino.

Bewertung:

9 von 10 Punkten

Bilder: 20th Century Fox

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