Was wäre Weihnachten ohne einen märchenhaft romantischen Hollywood-Weihnachtsfilm? – Die britische Schauspielerin und Drehbuchautorin Emma Thompson – die auch in „Love Actually“, also DEM Weihnachts-Liebesfilm schlechthin mitgespielt hat – hat sich mit der Künstlerin Bryony Kimmings zusammengetan und ein Drehbuch zu einem Film geschrieben, der keinen kitschig-melancholischen Weihnachtsfilm in gewohnter Manier darstellen soll. Ob das in diesem Fall allerdings dem Film guttut, ist eine andere Frage: Ab dem 14. November kann man sich auf den heimischen Kinoleinwänden selbst ein Bild von dem auf den allseits bekannten Pop-Klassiker „Last Christmas“ referierenden Film machen.

von Elli Leeb

Kate, die von dem „Game of Thrones“-Star Emilia Clarke gemimt wird, stolpert tollpatschig durchs Leben, ist flatterhaft und im Grunde obdachlos. Trotzdem möchte sie nicht wieder bei ihrer überfürsorglichen Mutter (Emma Thompson) einziehen, jedoch büßt sie mit ihrem schusseligen Verhalten auch jegliche Schlafplätze bei ihren treuesten Freunden ein. Ihr Geld verdient sie in einem Laden, der ganzjährig jeglich erdenklichen, abstrusen Weihnachtskitsch verkauft, deren Chefin sich auch noch Santa (Michelle Yeoh) nennt.

Last Christmas FIlm

So kommt es, wie es kommen muss und der überaus zuvorkommende und stets kontrollierte Tom Webster (Henry Golding) steht vor der Ladentür und lehrt Kate, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen. Er zeigt ihr verborgene Gassen, schaut mit ihr stets die Hausmauern empor und zeigt ihr einen kleinen bezaubernden Garten mitten im Londoner Stadtteil Soho.

Zudem besitzt er kein Handy, um aus der stressigen Welt zu flüchten und arbeitet nachts ehrenamtlich in einem Obdachlosenheim – also fast schon zu perfekt um wahr zu sein.

Der Film setzt aber nicht nur auf die heile Welt (gepaart mit einem kurzen Bruch, wie es sonst so oft in Weihnachtsfilmen üblich ist): Das hier gezeigte London ist sichtlich vom Brexit gezeichnet, die Zukunft scheint noch ungewiss. Grundsätzlich eine großartige Gelegenheit, auch auf soziale Missstände hinzuweisen und so den Zuschauern die Realität näher zu bringen, jedoch versucht „Last Christmas“, zu viele Themen auf einmal hineinzupacken und so wirkt der Spielfilm oftmals viel zu sprunghaft. Immer wieder wird die Brexit-Thematik, gleichgeschlechtliche Liebe, die hohe Obdachlosenrate und das allgemein raue, soziale Klima thematisiert und wie von einer Checkliste abgearbeitet. An sich eine erfrischende Idee, um dem gewohnten Weihnachtskitsch entgegen zu wirken, jedoch erfolgen die Wechsel zwischen den beiden Extremen zu abgehakt und zu häufig, wodurch der Film unrund wird. Auf dem Papier also eine gelungene Idee, deren Umsetzung aber mangelhaft ist.

Das alles unterlegen die MacherInnen der Komödie mit zahlreichen George Michael – Songs, unter anderem eben mit dem Weihnachts-Welthit „Last Christmas“, der glücklicherweise in erträglicher Dosis eingesetzt wird. Auch ein bisher unveröffentlichter Song des Musikers findet seinen Platz im Film.

Ein durchaus origineller Aspekt des Films ist jedoch Emma Thompsons Rollenauslegung der südosteuropäischen Mutter der Hauptfigur. Thompson mimt überaus glaubwürdig eine witzige, mit starkem Akzent sprechende Frau, die ihre Kinder mit düsterem Gesang aus ihren jugoslawischen Zeiten in den Schlaf singen will und eine sehr traditionelle Ader besitzt. So entsteht eine durchaus sehr sympathische Figuren-Karikatur. Auch Emilia Clarke bereichert den Film mit ihrer sympathischen, bodenständigen Rollenauslegung, die der weihnachtlichen Künstlichkeit des in Lichterketten gehüllten Londons eine erfrischende Natürlichkeit entgegenbringt.

Last Christmas

Die Handlung des Films ist durchgehend in eine seltsame Aura gehüllt, an dessen Ende ein verblüffender Clou steht – den man erstmal verdauen muss – und der die Handlung so nach und nach auflöst. Die eigentliche weihnachtliche Botschaft der Versöhnung und des solidarischen Miteinanders vermittelt der Film damit auf alle Fälle einwandfrei.

Fazit

„Last Christmas“ stellt ein winterliches Selbstfindungs-Märchen dar, das durchaus mit seinen spitzen Pointen unterhält. Die richtige Mischung aus humorvollem Weihnachtskitsch und dem Hinweisen auf soziale Missstände der heutigen Zeit ist leider nicht gelungen, auch wenn die Idee dahinter erfrischend ist. Trotzdem profitiert der Film von einer gelungenen Besetzung und sorgt insgesamt für angenehme Unterhaltung.

Bewertung

6 von 10 Punkten

Bilder: © Universal Pictures