Seit 1982 bringt Woody Allen jährlich mindestens einen neuen Film heraus, der ein großes Massenpublikum begeistert. Auch die Missbrauchsvorwürfe gegen den mehrfach preisgekrönten Regisseur sind seit Anfang der 1990er immer wieder aufgegriffen worden – konnten jedoch nie nachgewiesen werden – wurden aber im Zuge der #metoo-Debatte vorletztes Jahr nochmals durch Aussagen seiner Adoptivtochter Dylan Farrow neu entfacht. So kam es, dass Allen seit Jahrzehnten im Jahr 2018 erstmals keinen Film herausbrachte, da der Verleih aufgrund der diskutierten Kontroversen den vorgesehenen Kinostart strich. Am 5. Dezember folgt nun doch der Kino-Release von „A Rainy Day in New York“, der zuvor bereits auf der Viennale zu sehen war.

von Elli Leeb

In Allens neuer Liebeskomödie verbringen der ursprünglich aus einem wohlhabenden New Yorker-Hause stammende, dandyhafte Charmeur Gatsby (Timothée Chalamet) und seine Collegefreundin Ashleigh (Elle Fanning) ein gemeinsames Wochenende in – wie der Titel schon verrät – New York. Gemeinsam ist hier allerdings nur relativ, denn Ashleigh ist leidenschaftliche Reporterin für die Uni-Zeitschrift und darf in Manhattan den Star-Regisseur Roland Pollard (Liev Schreiber) interviewen. Wie es der Zufall so will, stolpert sie – in gewohnter Allen-Manier – von einem Zufall in den nächsten und verbringt das ganze Wochenende mit weiteren bekannten Akteuren der Filmwelt, die die junge Ashleigh allesamt auch noch ungemein anziehend finden. Gatsby schlendert unterdessen durch die verregneten Straßen New Yorks und trifft unter anderem auf eine alte Bekannte namens Chan (Selena Gomez), bei der es sich um die jüngere Schwester einer vergangenen Liebelei handelt…

Auch Teile der Besetzung distanzierten sich mittlerweile öffentlich von der Zusammenarbeit mit Allen in „A Rainy Day…“ und spendeten daraufhin ihre Gage. So auch Hauptdarsteller Timothée Chalamet, der bereits in Filmen wie „Call Me by Your Name“, „Beautiful Boy“ oder „Lady Bird“ überaus brillierte. Wenn man sich den Film ansieht – und auch Allens Person Beachtung schenkt, die sich in diesem Fall schwer von seinem Werk trennen lässt, – sind diese Entscheidungen durchaus nachvollziehbar. Allens Frauenfiguren kann man bereits in vergangenen Filmen kritisch gegenüberstehen, in „A Rainy Day in New York“ sind diese jedoch doch auffallend klischeebehaftet. Elle Fanning mimt eine blonde, bildhübsche junge Frau, deren Naivität kaum zu überbieten ist. Hinzu kommt der klassische hyperaufgeregte Fan-Girl-Charakter, durch den sie in Gegenwart von Stars der Filmbranche sogar ihren Namen vergisst. Auch die restlichen Figuren sind von Klischees überhäuft. So stellt sich stets die Frage, ob Allen seine Figuren absichtlich so darstellt, oder ob er seine Welt wirklich so wahrnimmt. Die Schauspieler und Schauspielerinnen spielen ihre Rollen dennoch allesamt einwandfrei, können ihre – zwar eindimensional gezeichneten – Figuren überzeugend mimen und schaffen es, ihnen doch auch etwas Substanz zu verleihen.

Allens Witze wirken hier leider auch einfallsloser und flacher als sonst. Es fehlt die Leichtigkeit, die gewohnten ironischen Brechungen sowie die berühmt einfallsreichen Dialoge, die in „A Rainy Day in New York“ zu vorhersehbar geraten sind. Da können die in nostalgisch eingefärbten, stimmungsvollen Big Apple-Aufnahmen noch so schön und stimmungsvoll sein.

Fazit

Woody Allens neuer Film „A Rainy Day in New York“ zeigt 92 Minuten lang ein romantisch eingefärbtes, ästhetisches New York. Auch die Figuren erscheinen recht gekünstelt beziehungsweise konstruiert. Dennoch kann der Film – sofern man über die fragwürdigen geschlechtsspezifischen Rollenbilder, die hier vermittelt werden, hinwegsehen kann – unterhalten und lebt vor allem von seinen exzellenten Schauspielern und Schauspielerinnen.

Bewertung

5 von 10 Punkten

Bilder: Viennale / Polyfilm (Verleih)