Was machen Superhelden eigentlich in der Rente? Dieser höchst interessanten Fragestellung, deren Beantwortung die Menschheit seit Jahren harrt, widmet sich die Superhelden-Parodie „Supervized“, die ab 13.12. in unseren Kinos zu sehen ist. Regisseur Steve Barron versammelt eine Handvoll Hollywood-Haudegen (Tom Berenger, Louis Gossett Jr., Beau Bridges u.a.), die in diesem amüsanten, (selbst-)ironischen und teils berührenden Satire-Feuerwerk ihr Bestes geben, und so zu einem der kurzweiligsten und lustigsten Filme 2019 beitragen, der dazu das Prädikat „Trashperle des Jahres“ mehr als verdient.

von Christian Klosz

Ray alias „Maximum Justice“ (Berenger) verbringt seinen Weltretter-Ruhestand in einem Altenheim für Superhelden gemeinsam mit seinen alten Gefährten Ted „Shimmy“ (Bridges), Pendle „Total Thunder“ (Gossett) und Madera „Moonlight“ (Fionnula Flanagan). Der Alltag zwischen Bettpfannen, Medikamenten-Einnahme und lahmen Bingo-Runden ist wenig aufregend, da wird man schnell sentimental, und denkt an die guten, alten Zeiten, wo das Leben noch voller Action und Adrenalin war. Wer seine Superkräfte hier, im Superhelden-Seniorenheim, nicht unter Kontrolle hat, wird von der Anstaltsleitung „downgegraded“, sprich: Die verbleibenden Kräfte werden extrahiert. Als Rays Kumpel Jerry plötzlich stirbt, wittert Mr. Justice faules Spiel: Irgendwas stimmt hier nicht, sagt ihm sein Gerechtigkeitssinn, doch seine Freunde wollen ihm vorerst keinen Glauben schenken. Als seltsame Vorgänge Überhand nehmen, sich die Anstaltsleiterin immer verdächtiger benimmt, und schließlich auch Shimmy Mysteriöses beobachtet, ist klar: Die alte Bande muss sich ein letztes Mal zusammentun, um dem Bösen den Kampf anzusagen.

Supervized
Louis Gossett Jr. ist „Total Thunder“

Warum funktioniert „Supervized“ so gut? Aus zwei Gründen: 1. Das mit großartigen Dialogen ausgestattete Drehbuch macht sich nicht lustig über die alternden Helden, sondern zeichnet sie als Menschen „wie du und ich“, mit ganz und gar alltäglichen Problemen. 2. Die Darsteller-Riege versteht es ausgezeichnet, die sympathisch geschriebenen Charaktere zum Leben zu erwecken, in einer Art und Weise, dass man sie vom ersten Moment an ins Herz schließt. Man hat dabei stets das Gefühl, die Altherren- und Altdamen-Runde hatte großen Spaß an ihrer Arbeit, und der überträgt sich direkt auf die Zuseher.

Im Grunde ist „Supervized“ all das, was viele der großen Superhelden-Franchise-Filme momentan nicht sind, oder nicht sein können: Eine kleine, aber feine Geschichte, bei der die Charaktere im Mittelpunkt stehen – und die sich auch Ecken, Kanten und Schwächen zugesteht, was nicht zuletzt zum charmanten Trash-Faktor führt. Dabei sollten aber auch Comic-Nerds, die mit Marvel und DC aufgewachsen sind, Gefallen an dem Film finden können, da er sich ebenfalls zu keiner Zeit über diese großen „Vorbilder“ lustig macht. Vielmehr baut er Superhero-Archetypen, und zimmert daraus seine unterhaltsame und wohlwollende Parodie. Eine glattgebügelte, berechnete und berechnende Entertainment-Walze darf man von „Supervized“ halt nicht erwarten.

Fazit

Liebenswürdige Charaktere, witzige Dialoge, gut gelaunte Schauspieler: „Supervized“ ist die positive Überraschung des ausklingenden Filmjahres und punktet durch Herz und Humor. Eine kleine Trash-Perle, die uneingeschränkt gute Laune macht.

Bewertung

8 von 10 Punkten

Bilder: Kinostar Filmverleih