von Cliff Brockerhoff

Im allgemeinen Sprachgebrauch versteht sich unter „Feedback“ die Erfassung des Ist-Zustands zur Erreichung des Soll-Zustands. Ersteres ist beim gleichnamigen Film aus der Feder von Pedro C. Alonso schnell pointiert: Jarvis Dolan ist ein erfolgreicher aber nicht minder umstrittener Radiomoderator, der mit seiner politisch ausgerichteten Show gleichermaßen schockiert wie begeistert. Als eines Nachts zwei maskierte Männer ins Studio eindringen, wird auch der Soll-Zustand schnell deutlich: The show must go on, und so soll Jarvis die Sendung ganz normal weiterführen und auf Anweisungen der Eindringlinge warten. Befolgt er diese nicht, sterben seine Mitarbeiter.

Wenn du Aktion 1 nicht ausführst, startet Ereignis 2 und gipfelt im schlimmsten Fall in Ergebnis 3 – eine Prämisse, die nicht neu ist und beispielsweise schon 1994 in „Speed“ einen Höhepunkt erreichte. Die spanisch-amerikanische Produktion aus dem Jahre 2019 spielt allerdings eine etwa andere Note auf der filmischen Klaviatur und verknüpft die erwähnt Abfolge mit der Aufdeckung einer augenscheinlichen Nebenhandlung, die mit Fortlauf immer prägnanter wird und am Ende in die eigentliche Auflösung mündet.

Noch dominieren fröhliche Farben die Szenerie…

Bis der Film dort angelangt ist spielt sich das Geschehen ausschließlich in der Radiostation ab und vermittelt ohne großes Dazutun eine klaustrophobische, eingeengte Grundstimmung. Alonso macht sich die natürlichen Gegebenheiten zu Nutzen und kaschiert durch inszenatorische Finesse die, so viel Ehrlichkeit muss sein, limitierte Güteklasse seiner erzählten Geschichte. Wer schon einmal einen vergleichbaren Film gesehen hat, wird die Melodie in wenigen Minuten erkannt haben und weiterspielen können. Große Überraschungen bleiben aus, nichtsdestotrotz bewahrt sich der Film seine Auflösung bis zum letzten Akt und gibt immerhin nicht alles komplett von Anfang an preis.

Wenn die Geschichte zu sehr Gefahr läuft sich repetitiv im Kreis zu drehen, streut Alonso bevorzugt eine Szene von ausartender Brutalität ein. Die Freigabe ab 18 begründet sich allerdings auf einigen wenigen Momenten, in denen wirklich drastische Gewalt portraitiert wird. Gore-Fans sollten an dieser Stelle also keine Blutfontänen oder herumwirbelnde Gliedmaßen erwarten. Um es im Fachjargon der Musik auszudrücken: Die Höhen erklingen nur leise und lassen viel Raum für den basslastigen Grundtenor. Analog dazu verhält es sich auch mit der akustischen Untermalung der Szenerie. Auch wenn der Schauplatz dazu einlädt verzichtet „Feedback“ auf lärmende Schockmomente und lässt nur beiläufig den einen oder anderen Soundeffekt erklingen. Der Soundtrack ist dementsprechend schnell vergessen.

…doch am Ende färbt sich der Schauplatz blutrot.

Der Fokus liegt viel mehr auf den Protagonisten, bei denen insbesondere Eddie Marsan (Javier Dolan) und Paul Anderson (Andrew) positiv auffallen. Marsan, der gefühlt in fast jedem Film irgendeine kleinere Position besetzt, agiert in seiner Hauptrolle als in die Enge gedrängter Moderator durchaus souverän und kann sämtliche Gefühlslagen glaubhaft intonieren. Wie so häufig wandelt sich sein Charakter im Laufe zu einem undurchschaubaren Fiesling, bei dem der Zuschauer vor der Wahl steht ob er nun Mitleid oder abgrundtiefe Abscheu empfinden soll. Jedwede Hervorbringung von Gefühlsregungen erfordert Talent – dieses besitzt Marsan ohne Zweifel und kann es auch in Alonsos erstem Langspielfilm auf den Bildschirm bringen.

Fazit

Eine abschließende Rückmeldung zu „Feedback“ muss letztlich zweigeteilt werden. Kann das Debüt von Alonso mit seiner Idee und Optik punkten, geht ihm im in der Umsetzung gegen Ende die Luft aus. Zu viel lässt sich zu schnell erahnen, sodass wir uns letztlich eher in Richtung one-hit-wonder bewegen, das bei einmaliger Sichtung zu gefallen weiß, aber mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auch nicht zum Klassiker avancieren wird. Genrefans dürfen gefahrenlos Ohren und Augen riskieren.

Bewertung

6 von 10 Punkten

Wer nun einen Ohrwurm hat und sich selbst ein Bild von „Feedback“ machen möchte, kann das Werk ab sofort auf BluRay, DVD oder im limitierten Mediabook erwerben!

Bilder: ©Pandastorm Pictures