von Daniel Krunz

Niemand hasst Star Wars mehr, als Star Wars Fans, behaupten nicht nur böse Zungen und bei allem Zynismus, der in der Aussage steckt, erweist sich die angesprochene Community tatsächlich immer wieder als schwieriges Publikum. Während ihr Großteil durch Wertschätzung der Originalreihe vereint ist, spaltet sich die Fangemeinde spätestens seit der Wiederbelebung im Jahre 1999 und kein Teil schaffte es seither, alle Gemüter zu befriedigen. Eine große Bürde also für jeden Regisseur, der sich eines Star Wars Filmes annimmt und wesentlich höher ist die Verantwortung natürlich, wenn es darum geht, die epische Saga zum Abschluss zu bringen. Dementsprechend hohe Erwartungen wurden nun auch an J.J. Abrams gestellt, der bei „Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers“ nicht nur mit seinem nunmehr zweiten Star Wars Film, sondern auch mit der undankbaren Aufgabe, den Epos zu beenden, betraut wurde.

„Der Aufstieg Skywalkers“ springt mit Lichtgeschwindigkeit ins Geschehen und zügelt dieses Tempo fortan kaum. Im Serientakt prasseln Eindrücke auf das Publikum ein, was den sicheren Einstieg in die Handlung sichtlich erschwert. Ohne Verschnaufpause hangelt sich der Film von Setpiece zu Setpiece, hält sich dabei aber zu lange mit Nebensächlichkeiten auf, sodass gute zwei Drittel der Exposition eingeräumt werden und die tatsächlich essentiellen Informationen oft wie aus der Luft gegriffen und dahingeworfen scheinen. Diese wiederum sind mit rasantem Scenehopping, zahlreichen Chronologiebrüchen und einer Flut an Dingsymbolen von einer Informationsoffensive gekennzeichnet, die bei erstmaliger Sichtung dezent überfordert und erst einmal verdaut werden muss.

Auch in Episode 9 begegnen Fans alte und neue Gesichter

Trotz dieser gewöhnungsbedürftigen Entscheidungen fügt Abrams dem Kanon aber nur wenig Neues bei und verlässt sich bei seinem Zugang an das letzte Kapitel auf die selbe Strategie, die er bei der Inszenierung von Episode VII angewendet hatte, nämlich auf der sicheren Spur fahren. Die Hauptkritik an jenem ersten Teil der Sequeltrilogie bestand ja darin, dass er wenig risikofreudig den ersten Teil der Originaltrilogie kopiere und im Wesentlichen trifft die Diagnose auch auf Abrams zweiten Star Wars Film zu. Ziemlich genau werden die Beats aus Episode VI, dem finalen Gegenstück zu IX befolgt, teils mit leichten Abwandlungen, teils mit sehr direkten Zitaten. Und auch wenn dieses Traditionsbewusstsein an sich nicht fehl am Platz ist, stand es der auf eine neue Geschichte einstimmenden Episode doch deutlich besser zu Gesicht.

Die Vorsicht ist, angesichts dessen, was auf dem Spiel steht, durchaus nachvollziehbar und man möchte gerne glauben, das Team um Abrams sei bemüht, die unterschiedlichen Fan-Fraktionen miteinander zu versöhnen und das in der Saga vielzitierte Gleichgewicht herzustellen, jedoch wird bei dem Versuch weniger Kompromissbereitschaft bewiesen, als eine klare Stellung im Disput bezogen. Auffällig spezifisch spricht Episode IX Storyelemente an, die in Rian Johnsons Episode VIII für Furore sorgten und wirkt bestrebt,  vermeintliche Unebenheiten ausbügeln zu wollen. Leider mutet dies zuweilen äußerst erzwungen an und zeugt auch nicht unbedingt von Wertschätzung für das Vorgängerwerk.

Selten ohne Unterstützung – Daisy Ridley als „Rey“

Abrams und die Autoren scheinen fast mehr auf wütende Fans, als auf die eigene künstlerische Intuition zu hören und verpassen dabei die Chance, neue Impulse weiterzudenken und das revolutionäre Ende zu erzählen, das sich bestimmt viele gewünscht hätten. Wieder kommt nur ein Teil auf seine Kosten, doch das nicht einmal bescheiden.

Neben der Bezugnahme auf die letzte Episode tätigt das Finale der Saga aber auch zahlreiche Callbacks an ihre größten Momente, geht auf lange geführte Debatten ein und übt sich damit letztlich doch noch in einem Fanservice, der allen zu Gute kommt. Deswegen allein kann bei aller Kritik nicht von einem kompletten Fiasko geredet werden, denn die Erzählung hüllt sich zumindest in die von nostalgischen Sentimentalitäten bestückte Aura, die man sich von einem Finale einer Saga erwartet und die die Trailer im Vorfeld versprachen. Die gezielte Reizansprache zündet aber mal mehr und mal weniger gut und zeugt auch hier oft von Berechnung und Berechenbarkeit. Die wahre Herkulesaufgabe, alle losen Stränge der Reihe zu verknüpfen, glückt also nur zum Teil, denn die Story geht bei Setzung der Prioritäten durchaus selektiv vor. Manche Fragen werden beantwortet, andere bleiben offen. Einige Charakterbögen erfahren einen Abschluss, andere werden außen vor gelassen, während neue Figuren den Spielraum weiter einschränken.

Nun muss in einer Trilogie ein Teil der schwächste sein und bei allem Anspruch, den Film als eigenständiges Werk zu betrachten, ist der Effekt, den Episode IX nun auf das Gesamtbild der jüngsten Trilogie hat, nicht außer Acht zu lassen. Der stark selbstreferenzielle Charakter schwächt die Relevanz der Sequels deutlich ab und lässt sie, nun da sich ihr gesamtes Spektrum erschließt, noch stärker als Spiegelbild der Originaltrilogie dastehen, die kein eigenes Ziel verfolgt und die Motive der Episoden IV-VI auf neue Charaktere und Schauplätze projiziert.

Adam Driver beschließt sein starkes Jahr mit der Rückkehr in die Rolle des „Kylo Ren“

Das, was die Sequeltrilogie dann letztlich doch an Originalität aufbrachte, greift „Der Aufstieg Skywalkers“ glücklicherweise zumindest teilweise auf. Insbesondere die interessante Beziehung zwischen Heldin Rey und Bösewicht Kylo Ren fällt wieder positiv auf, sorgt für einen Großteil der Dramatik, erfährt aber nicht unbedingt mehr Tiefe. Nichtsdestotrotz gibt Adam Driver wieder sein bestes als zerrissener, gefallener Engel und spielt sich durch eine Reihe hochemotionaler Szenen.

Fazit

J.J. Abrams lässt mit „Der Aufstieg Skywalkers“ eine zweiundvierzig Jahre währenden Ära durchaus holprig zu Ende gehen und entlässt viele Fans mit gemischten Gefühlen aus dem Kinosaal. Episode IX hegt bestimmt das hehre Ziel, einen würdigen Abschluss zu liefern, wird diesem aber angesichts mangelndem Fokus und Wagemut, der Star Wars ausmacht, nicht vollends gerecht. Auch der finalen Episode der Skywalker Saga gelingt es also nicht, die Schützengräben zwischen den verhärteten Fan-Fronten zuzuschütten, leider aber auch nicht, zumindest bleibende optische Eindrücke zu hinterlassen.

Und da ein wenig Polemik im Star Wars-Diskurs praktisch unvermeidbar ist, sei beschließend noch so viel gesagt: „Der Aufstieg Skywalkers“ ist objektiv beurteilt eindeutig der schwächste Teil der Sequeltrilogie, aber immer noch besser als jede Episode der an sich originellen, doch nicht minder problematischen Prequels.

Bewertung

5 von 10 Punkten

©Walt Disney Studios Motion Pictures