von Paul Kunz

Der japanische Horrorfilm „Ju-On“ wurde 2004 erstmals von US-amerikanischer Seite als „The Grudge“ neu verfilmt. Der Film erhielt damals zwei Fortsetzungen, dann wurde ein Reboot der amerikanischen Remake-Reihe angekündigt. Der neueste Eintrag des Franchise, entstanden unter der Regie von Nicolas Pesce (u. a. verantwortlich für „Piercing„) und abermals mit „The Grudge“ tituliert, ist nun doch eine Fortsetzung geworden.

„The Grudge“ scheint sich selber mehr als eine Mischung aus Horrorfilm und Crime-Thriller zu verstehen. Die Handlung folgt einer Reihe von Figuren aus verschiedenen Zeitlinien, die unter den Folgen eines grausamen Fluchs leiden, der aus Tokyo in die USA „eingeschleppt“ wurde: der Fluch entsteht, wo immer ein Verbrechen aus großem Zorn verübt wird und sucht all jene heim, die den Ort des Verbrechens betreten. Weil Geisterdame Kayako aus den vorherigen „The Grudge“-Teilen diesmal abwesend ist, dürfen einige neue Geister Jagd auf die arglosen Menschen machen. Dabei wird nach und nach die Geschichte dieser Geister enthüllt.

Ein namhafter Cast macht noch keinen guten Film – hier zu sehen: Andrea Riseborough

Das ist vor allem eines: sterbenslangweilig. Irgendwie schafft es der Film über seine gesamte Laufzeit kaum etwas passieren zu lassen und baut ganz auf das Mysterium der Geschichte seiner Geistergestalten. Doch die als große Twists inszenierten „Enthüllungen“, die der Film Mal um Mal präsentiert, geben Antworten auf Fragen, die man sich noch nicht einmal gestellt hat. So blutet etwa einer der Geister aus der Nase: am Ende des Films wird der Grund für das Nasenbluten preisgegeben. Ein weiteres Mal enthüllt der Film den Ursprung eines Autounfalls – doch es handelt sich lediglich um die Erkenntnis, dass die Person am Steuer sich vor einem Geist erschreckt hat.

Dass der Handlungsverlauf des Films einen überhaupt nicht interessiert, ist noch weiteren Umständen geschuldet: nicht nur ist die Struktur mit den verschiedenen Zeitlinien unnötig verschachtelt und erschwert das Folgen des ohnehin so dünnen, uninteressanten Plots, auch das Drehbuch gibt uns keine Möglichkeit, die zahlreichen Figuren kennenzulernen um mit ihnen mitzufiebern, wenn sie in Gefahr geraten. Das ist doppelt schade, da „The Grudge“ einen durchaus talentierten Cast vorzuweisen hat, der unter anderem Andrea Riseborough, Demián Bichir, John Cho, Betty Gilpin und Jacki Weaver umfasst. Der Film gibt ihnen jedoch absolut nichts zu tun und lässt sie stattdessen stumpfe Dialoge runterbeten oder vor Geistern erschrecken.

Die größte Schwäche von „The Grudge“ ist aber vor allem der komplett abwesende Gruselfaktor. Es gibt keinen einzigen Moment, in dem der Film sich genug Zeit nimmt, um Spannung aufzubauen oder eine schaurige Atmosphäre zu schaffen. Stattdessen hält er sein Publikum mit regelmäßigen Jump-scares vom Einschlafen ab, wobei selbst diese so plump platziert sind, dass man den genauen Moment, in dem der Film uns die Geisterfratzen zeigt, von Weitem kommen sieht. Neu ist hier sowieso nichts, denn was auch immer der Film aus der Gruselkiste holt, hat man entweder im „The Grudge“-Franchise selbst oder unzähligen anderen Horrorfilmen schon zigfach und wesentlich besser gesehen.

Ein Lichtblick im tristen Grau – „Insidious“-Star Lin Shaye

Fazit

„The Grudge“ ist ein einziges Ärgernis. Er versagt als Horrorfilm, weil er es versäumt beängstigend zu sein und schiebt stattdessen in 94 elendslangen Minuten völlig unmotiviert seinen verschachtelten Nicht-Plot vor sich her. Der einzige Lichtblick in der ganzen Katastrophe ist der grundsätzlich fähige Cast, denn sie alle machen das Beste aus dem Material, das ihnen zur Verfügung steht. Dennoch dominiert die Langeweile.

Bewertung

3 von 10 Punkten

Bilder:©Sony Pictures