Die diesjährige Retrospektive der Berlinale lädt dazu ein, den US-Regisseur King Vidor wieder- oder neuzuentdecken: Sein vielfältiges Schaffen umfasst mehrere Jahrzehnte von der frühen Stummfilmära bis zum Technicolor-Zeitalter, sein letztes, großes Werk entstand 1959 mit dem Monumentalfilm „Solomon and Sheba“ („Salomon und die Königin von Saba“).

von Christian Klosz

Wenngleich der Film Tiefe und Anspruch wie etwa der großartige „The Fountainhead“ über weite Teile vermissen lässt, und vor Allem durch seine Schauwerte glänzen will, brechen sich – insbesondere in der ersten Hälfte – dennoch interessante Darstellungen von religösem Eifer, Gottesfürchtigkeit, Idealismus, Lust und Begehr Bahn durch das bunte Technicolor-Treiben: Insbesondere die Darstellung von Yul Brynner, der den beim Dreh bei einer Fechtszene an einem Herzinfarkt verstorbenen Tyrone Power ersetzt hatte, als zwischen göttlichem Schicksal und fleischlicher Lust hin- und hergerissener Herrscher Solomon ist durchaus erkenntnisreich. Leider wurde dieser spannungsvolle Konflikt gegen Ende unzureichend ausgearbeitet, der Wille des Studios war wohl Triumph des filmischen Furor und Bombast über inhaltliche, dramaturgische oder psychologische Aspekte der Figuren.

Als Solomons Gegenspielerin fungiert Sexsymbol Gina Lollobrigida als vorchristliche femme fatale, als Königin Sheba mit eigenem Herrschaftsgebiet, die zu Beginn gezielt ihre weiblichen Reize einsetzen will, um daraus machtpolitische Vorteile zu ziehen. Wie das so ist siegt schließlich auch bei ihr Gefühl über Kalkül, wenngleich auch dieser persönliche Konflikt, diese Darstellung weiblicher Macht insbesondere in der zweiten Hälfte leider zu oberflächlich behandelt wurde.

Solomon and Sheba, King Vidor

Alles in allem ist „Solomon und Sheba“ ein nicht uninteressantes Filmepos auf Grundlage der biblischen Geschichte von König Solomon, Sohn des David, der das Reich Israel von seinem Vaters erbt, und an den Herausforderungen der Macht – und der Liebe – wachsen muss. Die Kampfszenen wirken aus heutiger Sicht oftmals etwas unbeholfen inszeniert, während das Schauspiel großteils überzeugt, und insbesondere die erste Hälfte auch psychologisch einiges zu bieten hat. Ein idealer Film für einen verregneten Sonntag Nachmittag.

Bilder: Image courtesy of Park Circus/MGM