Der dänische Film „Wildland“ feierte im Rahmen der 70. Berliner Filmfestspiele in der Sektion Panorama seine Weltpremiere. Der aufwühlende Thriller behandelt das Thema Familie und hinterfragt, wie weit man bereit ist zu gehen, um das Beste für seine Verwandtschaft zu tun.

von Elli Leeb

Ida (Sandra Guldberg Kampp) ist 17 Jahre alt, als ihre alleinerziehende Mutter unerwartet zu Tode kommt und benötigt somit eine neue Obsorge. Sie kommt bei der Familie ihrer Tante Bodil (Sidse Babett Knudsen) unter und schnell wird klar, dass diese Familie – in die Ida äußerst herzlich aufgenommen wird – in kriminelle Geschäfte verwickelt ist. Idas Tante Bodil fungiert innerhalb dieser familiären Kriminalorganisation quasi als das weibliche Äquivalent eines „Mob-Bosses“, wie er aus den klassischen Mafia-Sujets bekannt ist. Ihre drei Söhne Jonas (Joachim Fjelstrup), David (Elliott Crosset Hove) und Mads (Besir Zeciri) sind hierbei – sowohl willentlich als auch aufgrund familiärer Verpflichtungen – ihre Gehilfen.

Auch wenn Ida im Gegensatz zu ihrer „neuen“ Familie ein moralisches Gewissen besitzt, wird sie nach und nach in deren kriminelle Geschäfte verwickelt. Der Film veranschaulicht, wie schnell man in einen Strudel mit fatalen Folgen geraten kann und was man bereit, alles ist für die Familie zu tun, ohne selbst davon überzeugt zu sein, auf erschreckend unangenehme Weise.

„Wildland“ / © David Gallego

Idas neue Familie wird stets als eine Mischung aus Zärtlichkeit und Grausamkeit inszeniert, weswegen man sich nie so recht sicher ist, auf wessen Seite man stehen soll. Nicht nur Ida und Bodil stellen starke Frauenfiguren in „Wildland“ dar, der Film ist auch von zwei beeindruckenden Frauen gemacht: Regie führte Jeanette Nordahl und das fabelhafte Drehbuch stammt von Ingeborg Topsøe. Die beiden leisten hervorragende Arbeit, eine höchst konfliktbehaftete und dysfunktionale Familienkonstellation darzustellen. Obwohl der Film mehr auf Gewalt hindeutet als er sie explizit darstellt, spitzt sich „Wildland“ in seinen letzten Szenen auf so drastische Weise zu, dass das Leid der handelnden Figuren im intensiven grande finale unerträglich spürbar wird.

Rating

90/100

Titelbild: © Christian Geisnæs