„The Color of Money“ („Die Farbe des Geldes“) ist die einzige Fortsetzung, die Martin Scorsese je drehte. Wobei: „Fortsetzung“ ist nur bedingt akkurat: Es ist mehr ein eigenständiges „30 Jahre später“ von „Haie der Großstadt“, dem Pool-Klassiker mit Paul Newman aus dem Jahr 1961. Zu sehen sind in „Die Farbe des Geldes“ ein extrem junger und groß aufspielender Tom Cruise und ein nun eben älterer Paul Newman.

von Christian Klosz

Eddie Felson (Paul Newman), Pool-Player in Pension, trifft auf Vince (Tom Cruise), eine vor Energie strotzende, jüngere Ausgabe seiner selbst, ein aufstrebendes Billard-Talent, dessen größter Vor- und Nachteil seine ungezügelte Wildheit ist. Eddie nimmt sich des Jungen an, in der Absicht, sein Talent und seine Energie in die richtigen, also auch für ihn finanziell gewinnbringenden Bahnen zu lenken, und um sich selbst, und seine verlorengegangene Begeisterung für das Spiel, in Vincent wieder zu entdecken.

„Die Farbe des Geldes“ ist ein nicht unbedingt typischer Scorsese-Film. Nach seinen Erfolgen „Taxi Driver“ und „Raging Bull“ konnte er sich in den 80ern Experimente leisten. „The Color of Money“ ist auch ein Ausflug ins Mainstream-Kino, stilistisch ist und bleibt er aber unverkennbar: Der Soundtrack, von Robbie Robertson zusammengestellt, ist gespickt mit großartigen Pop- und Rocknummern, auch die inszenatorische Virtuosität Scorseses ist sichtbar. Beachtlich ist auch Tom Cruises Performance als „irrer Vince“, die beweist, dass er zumindest ein höchst talentierter und versierter Schauspieler ist (war?).

Am Ende ist „The Color of Money“ aber auch ein Film über Freundschaft, Hingabe, Leidenschaft, die Regeln des Spiels, und das „Leben als Spiel“. Er endet mit dem Duell Schüler gegen Lehrer: In der Poolhalle stehen sich Eddie und Vince gegenüber, um ein für alle mal zu klären, wer der Bessere ist. Wer wird das Duell gewinnen?


„Die Farbe des Geldes“ ist bei diversen Anbietern als VOD verfügbar, u.a. bei Amazon, iTunes oder Cineplex Home (je ab 2.99€)

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