von Cliff Brockerhoff

In Zeiten von neu aufgelegten Remakes, unzähligen Fortsetzungen und gnadenlosen Franchise-Ausweitungen erfordert es eine gehörige Portion Mut sich von der Masse abzuheben, eben nicht bereits bekanntes Material neu aufzuarbeiten, sondern etwas völlig eigenes zu kreieren, mit dem immer auch die Gefahr einhergeht, dass es den Zuschauer vor den Kopf stößt und wenig Anklang findet. Zwei Männer, die genau diese Courage aufbrachten, hören auf die Namen Lorcan Finnegan und Garret Shanley, ihrerseits als Regisseur und Drehbuchautor bei „Vivarium“ tätig, dem diese Kritik gewidmet wird. Doch was genau macht diesen Film so besonders?

Dies zu umschreiben ohne zu viel preis zu geben erweist sich als schwieriges Unterfangen, profitiert das Werk doch insbesondere von seiner Mystik, die es sich lange aufrecht erhält und die es schafft den neugierigen Betrachter bis zum Ende an den Bildschirm zu fesseln. Zu sehen gibt es dort das junge Paar Gemma und Tom, die offensichtlich nicht zu den ganz großen Gewinnern des Lebens zählen, aber immerhin einander gefunden haben und nun den nächsten Schritt im Sinne eines gemeinsamen Zuhauses suchen. Dabei treffen sie auf Martin, einen eher sonderbaren Zeitgenossen, der das junge Glück ohne dessen ausdrücklichen Wunsch in eine brandneue Wohnanlage führt. Optisch monoton gehalten und visuell stark an eine Häuseransammlung auf einem Monopoly-Brett erinnernd, erweist sich die lockere Besichtigung schnell als ernste Angelegenheit, denn Martin verschwindet spurlos und lässt das Pärchen zurück.

Jene Beschreibung soll als Anhaltspunkt genügen, denn jedes weitere Wort würde womöglich zu viel dechiffrieren – ein Spaß, der an dieser Stelle niemandem genommen werden soll. Viel eher soll die sich aufbauende Atmosphäre angeführt werden, die in Windeseile umschlägt und sich im Fortlauf der Handlung als brodelnde und letztlich überbordende Welle an Spannung erweist. Das gewählte Setting vermittelt von Anfang an ein authentisches Gefühl der Isolation und damit einhergehender Überforderung der Protagonisten. Die Ausweglosigkeit führt weg von lockerem Dialog, hin zu einer aufkeimenden Entzweiung, die durch das Auftreten eines dritten Charakters zur Zerreißprobe mutiert. Mit einfachsten Mitteln schafft es „Vivarium“ also seine Zuschauer als Voyeure eines sozialen Experiments zu etablieren, beinahe so als wenn „Big Brother“ im Stile von „Black Mirror“ intoniert worden wäre.

Die Kulisse beschränkt sich dabei vollends auf die schräge Wohnanlage, die gewollt künstlich wirkt und mit seiner grünlastigen Farbgebung den Anschein erweckt aus einer Abwandlung der uns bekannten Normalität zu stammen. Mittendrin: Jesse Eisenberg und Imogen Poots, zwei doch recht namhafte Akteure, die die Handlung beinahe alleine schultern müssen. Eisenberg, den meisten wahrscheinlich eher aus der Mainstream Komödie „Zombieland“ bekannt, hat gerade in letzter Zeit immer wieder beweisen können, dass er auch in kleineren Produktionen funktioniert. Der von ihm portraitierte Charakter lässt sich dem Typ „Normalo“ zuordnen, was sich auch in seiner Darbietung niederschlägt, welche eben normal ist und keine großartigen Gefühlsausbrüche erfordert. Sein weibliches Pendant reiht sich ein und kann, trotz ausbleibender Charaktertiefe, als besorgte junge Frau überzeugen.

Und so führt das Werk durch 98 unterhaltsame Minuten, die zwar hier und da mit kleineren Längen zu kämpfen haben, sich aber immer wieder rechtzeitig zum nächsten reveal hangeln, der die Neugierde des Zuschauers füttert. Für manche wird das am Ende zu wenig sein, da der große „Aha-Effekt“ ausbleibt – es sei denn die kleinen Metaphern und Zeichen werden von Anfang an richtig gedeutet. Dann ist der Film vielleicht sogar schon zu selbsterklärend, da findige Filmfans schnell erkennen werden wo der Frosch die Locken hat. Das Otto-Normal-Publikum wird sich beim Abspann verdutzt die Augen reiben und sich fragen, warum Finnegan und Shanley nicht doch einen „normalen“ SciFi-Thriller auf die Mattscheibe gezaubert haben. Davon gibt es aber nun wahrlich genug, und das war den Herrschaften wohl einfach zu einfach. Kleiner Tipp: Wer sich so gar keinen Reim auf die Story machen kann, wird mit der Definition des titelgebenden Begriffes vielleicht eine Erleuchtung erfahren.

Fazit

Gehen Sie nicht über Los, meiden sie weitere Informationen abseits der vorangegangen Zeilen und begeben Sie sich sofort in einen Elektronik-Fachmarkt ihrer Wahl um „Vivarium“ zu erstehen. Dieser Film ist geeignet für 1 – 99 Zuschauer und bietet neben teils verstörenden Kuriositäten ein mehr als bizarres Szenario, das nur so vor Originalität strotzt und direkt nach der Sichtung dazu einlädt einen erneuten Blick zu riskieren um weitere Geheimnisse aufzudecken. Für aufgeschlossene Fans von nebulös angehauchtem Material ein Muss.

Bewertung

8 von 10 Punkten

Bilder: ©Concorde Home Entertainment / Leonine

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