Uwe Boll, Aufklärer, kritischer Zeitgeist, unabhängiger Selbstdenker, klarsichtiger Konservativer: So sieht sich der deutsche Regisseur selbst; Querdenker, Leerdenker, rechter Propagandist, Hetzer, Nachplapperer rechtsextremer Theorien: So sieht die Realität des inzwischen auch intellektuell tief Gefallenen aus, der sich bei seiner Suche nach Applaus für seinen Film „Citizen Vigilante“ inzwischen völlig im rechtsextremen Sumpf verirrt hat, den er vor wenigen Jahren noch verteufelte.
Kommentar von Christian Klosz
Der tiefe Fall des Uwe Boll
Im Interview mit dem zur Springer-Presse gehörenden, britischen Daily Telegraph anlässlich des Wirbels um die FSK-Kennzeichnung für seinen neuen Film bezeichnete sich Boll kürzlich noch als „Konservativer“ und wies den Vorwurf, „ein Nazi“ zu sein, entschieden von sich. Was immer man heute unter „Nazi“ verstehen mag: Den Vorwurf, mit Rechtsextremen gemeinsame Sache zu machen, kann der Regisseur nun nicht mehr von sich weisen, denn er gab kürzlich dem vom deutschem Bundesamt für Verfassungsschutz überwachten und von diesem im Verfassungsschutzbericht 2026 als „gesichert rechtsextremistischen“ eingestuften Sender AUF1 ein Interview zu seinem Film, um seine kruden Thesen zu verbreiten.
AUF1 startete am 31.5.2021 und war anfangs Sprachrohr der Corona-Leugner, Schwurbler und Querdenker. Das Œuvre hat man seither ausgeweitet auf Russland-Verständnis (Gäste feiern Putins Überfall auf die Ukraine), rechte Propaganda und antisemitische Verschwörungserzählungen. Würde sich ein „Konservativer, der auf Probleme aufmerksam machen will“ dafür hergeben? Natürlich nicht.
Boll nutzt inzwischen auch die bekannten rechten Stehsätze für seine Verteidigungsreden, stets aus wehleidiger Opfer-Perspektive: Man dürfe ja nichts mehr sagen. Die Politik würde der Bevölkerung „die Wahrheit“ vorenthalten. Man sei sicher kein Rechtsextremist oder Nazi, aber…
Ob Boll der Unterschied zwischen berechtigter Kritik an gesellschaftlichen Zuständen und Migrantenkriminalität, Verschwörungstheorien und rechtsextremer, faschistischer Hetze noch klar ist, davon darf nach seinen letzten Auftritten niemand mehr ausgehen.
Man kann kritische, provokative Filme drehen, die Fragen stellen und Diskussionen anregen. Man kann konservative Positionen einnehmen. Das mag nicht allen gefallen, gehört aber zum demokratischen Diskurs.
Man kann auch hetzerische Filme drehen, die die Realität nicht aufdecken, sondern Realität durch Propaganda zudecken. Man kann diese Filme auch bei antisemitischen und rechtsextremen Sendern promoten und sich von deren Agenda vor den Karren spannen lassen. Man darf sich dann aber nicht wie ein Schneeflöckchen beschweren, wenn einem viele das konservative Cosplay nicht mehr abnehmen und einen als Rechtsextremen oder Nazi bezeichnen.
„Citizen Vigilante“: Wurde Uwe Bolls Film wirklich verboten?
Kritik zu „First Shift“: Da war Uwe Boll noch erträglich
Titelbild: Screenshot Youtube / X
