Seit Jahren gilt der deutsche Regisseur Uwe Boll als Enfant Terrible und Agent Provocateur, mit seiner Meinung zur Filmbranche und insbesondere zum deutschen Fördersystem hält er nicht hinterm Berg. In den letzten Monaten wurden aber auch seine politischen Aussagen immer radikaler, er outete sich als Trump-Fan uns seine Agitationen sind von AfD-Wirrsinn kaum noch zu unterscheiden. Diese Entwicklung ist schade, denn mit „First Shift“ legte Boll im Herbst ein durchaus interessantes B-Movie vor. Der Film erschien jetzt im Heimkino.

von Christian Klosz

„First Shift“: Ein Buddy Cop-Film mit ungleichem Duo

NYPD-Cop Mike ist ein mürrischer Einzelgänger, kann Menschen nicht besonders leiden und arbeitet am liebsten solo. Als ihm seine Chefin eine neue Partnerin zuteilt – noch dazu eine überdrehte Blondine, die ständig TikTok-Videos dreht – ist Mike alles andere als erfreut: Angela ist neu in der Stadt, kommt eigentlich aus Atlanta und versucht in New York einen Neustart.

Nach Anfangsschwierigkeiten taut Mike langsam etwas auf, Angela lockt ihn aus der Reserve, während sie eine äußerst anspruchsvolle erste Schicht gemeinsam absolvieren: Ein Junkie, der sich den Arm aufschlitzt, ein verwaister Hund und ein gefährlicher Drogendealer sind nur einige der Herausforderungen, mit denen es das neue Duo zu tun bekommt – das schweißt zusammen. Als sich schließlich Angelas Vergangenheit in die Gegenwart drängt, begreift auch Mike, dass mehr ihr steckt als aufgesetzte Fröhlichkeit. Und dass die beiden mehr gemeinsam haben, als es auf den ersten Blick wirkt…

Uwe Boll sorgt immer für Aufsehen

Immer, wenn Uwe Boll einen neuen Film ankündigt, gibt es nur mögliche 3 Reaktionen in der Film-Community: Die einen, seine Kritiker und Hater, schlagen die Hände über dem Kopf zusammen und beten, dass es sich um Fake News handelt. Seine Fans und Jünger jubilieren, denn ihr B-Movie-Papst ist zurück. Und die dritte Gruppe hat noch nie von Uwe Boll gehört, dementsprechend ist ihr egal, was der umtriebige in Kanada lebende Deutsche gerade treibt.

Mit der Buddy-Cop-Thriller-Variation „First Shift“ meldet sich Boll nach 8 Jahren auch offiziell im Zentrum der Filmbranche zurück. In der Zeit hatte er recht erfolgreich Restaurants in seiner nordamerikanischen Wahlheimat eröffnet. War kurzzeitig in der Politik als Pressesprecher der Mini-Partei „Unser Haus Deutschland“ aktiv gewesen. Und drehte die miserable Low-Budget Semi-Dokumentation „Hanau“„First Shift“ soll nur der Auftakt des großen Comebacks sein: Ein zweiter Teil wird am Ende des Films bereits angeteasert, 2 weitere Filme sollen sich in Produktion befinden.

Uwe Boll AfD
Regisseur Uwe gilt als Enfant Terrible

„First Shift“: Ein solides B-Movie, aber nicht mehr

Was kann „First Shift“ nun, und kann man den miserablen Bewertungen auf Plattformen wie letterboxd trauen? Kurz: Nein – denn der Film ist eigentlich ein ganz ordentlicher, geradliniger Genre-Film geworden. Zuschauer, die auf feinsinnigen Arthouse stehen oder durch überproduzierte Blockbuster abgestumpftes Massenpublikum werden an Bolls Rückkehr freilich wenig Freude haben. Aber wer mit dem Konzept „B-Movie“ etwas anfangen kann, kann sich „First Shift“ durchaus zu Gemüte führen. Und sich dadurch unterhalten lassen.

Ausstattungstechnisch gäbe es einiges an Aufholbedarf, die mise-en-scene ist nicht das Steckenpferd des Philosophie-Doktors Boll. Dagegen lassen sich die Dialoge – natürlich auch von Boll geschrieben – durchaus sehen. „You’re so full of shit, you don’t even know what an enema is anymore“ ist nur eines der Bonmots, die die Figuren von sich geben dürfen. Und offenkundig hat der Filmemacher einige seiner eigenen Ansichten in seinen Protagonisten Mike hineingeschrieben. Zugute kommt „First Shift“ auch die gute Chemie zwischen den Hauptdarstellern Gino Anthony Pesi und Kristen Renton, die beide ihre Sache ganz gut machen.

Zu den natürlich auch vorhandenen Schwächen von „First Shift“ gehören der beizeiten schleppende Spannungsaufbau, manche inhaltliche Leerläufe, gerade im Mittelteil. Und der Schnitt. Zudem werden immer wieder neue Handlungsschauplätze etabliert, deren dramaturgischer Sinn sich nicht erschließt. Es ist das ein typisches Manko eines Filmemachers, der die komplette kreative Kontrolle bei sich behält und nicht auf Feedback anderer angewiesen sein will (selbst wenn solches hilfreich wäre).

Fazit

In dem Cop-Thriller „First Shift“ zeigt der Autor-Regisseur Uwe Boll vielversprechende Ansätze, gerade Freunde des B-Movie-Genres dürften Freude mit dem Comeback des streitbaren Deutschen haben. Wer sich allerdings aufgrund der jüngsten Aussagen Bolls völlig von ihm abgewendet hat, dem kann man das nicht verübeln. Dem Filmemacher scheint nicht klar zu sein, dass er so viele seiner alten Fans verprellt hat.

Bewertung

Bewertung: 6 von 10.

(55/100)

„First Shift“ erschien am 22.5.2025 auf BluRay und DVD und ist auch als VOD verfügbar. Am 31.10.2024 erschien der Film in den deutschen Kinos.

(Stand: Mai 2025)

„First Shift“ – Filmdaten

TitelFirst Shift
RegieUwe Boll
DarstellerGino Anthony Pesi, Kristen Renton
Laufzeit89 Minuten
Bewertung6/10 (filmpluskritik)
IMDb4,5 / 10

„First Shift“ – Trailer

Was haltet ihr von Uwe Boll? Ein größenwahnsinniger Narzisst, ein genialer Provokateur oder ein Pionier des autorenhaften B-Movies? Und was sagt ihr zu seinen jüngsten politischen Äußerungen? Lasst es uns im Kommentar wissen!

Bild: © 2024 Kinostar Filmverleih GmbH

Textbild: Uwe Boll – (c) Martin Carter Production – YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=04zrwA8YJhQ – Archivierte Versionen ansehen/speichern auf archive.org und archive.today, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=82535248