Günther Paal, bekannt als Kabarettist „Gunkl“, ist mit Kindesmissbrauchsvorwürfen konfrontiert. Die Staatsanwaltschaft Wien hat Anklage gegen den 64-Jährigen erhoben. Paal hat sich selbst angezeigt und die gegen ihn erhobenen Vorwürfe in einem Videostatement im Wesentlichen bestätigt. Gleichzeitig steht eine 42-jährige Frau gemeinsam mit ihrer 62-jährigen Mutter wegen des Verdachts der schweren Erpressung vor Gericht. Was bisher bekannt ist:

Was wird Günther Paal vorgeworfen?

Nach Angaben der Wiener Staatsanwaltschaft wird Paal sexueller Missbrauch eines unmündigen Kindes sowie der Besitz von Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs vorgeworfen. Bei dem Kind handelt es sich um ein heute fünfjähriges Mädchen. Der mutmaßliche Übergriff soll sich laut den bisherigen Angaben Anfang 2025 ereignet haben; Paals Anwalt spricht von einem einmaligen Vorfall. Zusätzlich wurden laut Staatsanwaltschaft auf einem Rechner von Paal 960 Bilddateien und 19 Videodateien mit kinderpornografischem Material sichergestellt.

Worum geht es bei dem Fall?

Der Fall hat eine zweite juristische Ebene. Die Mutter des Mädchens und deren Mutter sollen Paal nach dem mutmaßlichen Übergriff über längere Zeit mit der Veröffentlichung belastender Fotos gedroht und dadurch insgesamt rund 189.000 Euro von ihm verlangt haben. Beide Frauen befinden sich wegen des Verdachts der schweren Erpressung in Untersuchungshaft. Laut Staatsanwaltschaft soll die jüngere Frau die Vorwürfe gegen sie vollständig und die ältere weitgehend eingeräumt haben.

Laut Paals Anwalt soll es sich bei der Frau um eine heute 42-jährige „Sexarbeiterin“ handeln, die Paal über eine Anzeige kennengelernt hatte. Bei einem Treffen sei ihre Tochter dabei gewesen, dabei sei es zu dem Vorfall gekommen.

Paal selbst hatte sich bereits im Mai 2026 bei der Polizei angezeigt. Nach Angaben seines Anwalts erfolgte die Selbstanzeige im Zusammenhang mit den Erpressungsforderungen. Paal kooperierte laut den bisher veröffentlichten Informationen mit den Ermittlern und übergab ihnen seine Datenträger. Deshalb befindet er sich derzeit auf freiem Fuß.

Ist Günther Paal geständig?

Ja. In einem am Mittwochabend veröffentlichten Facebook-Video übernahm Paal die Verantwortung für die ihm vorgeworfenen Handlungen. Er sagte unter anderem, er habe „Schande auf mich gebracht“ und bedauere zutiefst, was er getan habe. Zum Vorwurf des sexuellen Missbrauchs formulierte er: „Ich habe ein Kind dort geküsst, wo Erwachsene keine Kinder küssen sollten.“

Auch zum Besitz der Dateien äußerte sich Paal. Er sagte, es habe eine Phase in seinem Leben gegeben, in der er ein Verlangen nach solchen Videos gehabt habe. Das Material habe sich auf einem Computer befunden und er habe später „vergessen“, dass es noch vorhanden gewesen sei. Paal erklärte, er wolle die Verantwortung übernehmen und sei bereit, jede Strafe „unwidersprochen hinzunehmen“. Zugleich rief er Menschen, die entsprechende Neigungen bei sich wahrnehmen, dazu auf, sich Hilfe zu suchen. -> Die Website von „Gunkl“

Wer ist Günther Paal?

Günther Paal wurde 1962 in Wien geboren und ist seit den 1990er-Jahren als Kabarettist unter dem Namen Gunkl bekannt. Seine Karriere begann allerdings als Musiker. Seit 1993 spielt Paal Saxofon und E-Bass in Alfred Dorfers Auftrittsband. Größere Bekanntheit beim Fernsehpublikum erlangte er als „Dr. Paal, Experte für eh alles“ in „Dorfers Donnerstalk“.

Für seine Karriere als Kabarettist hat Paal zahlreiche Solo-Programme entwickelt. Sein neues Programm „Apropos übrigens“ sollte vor wenigen Tagen in Wien Premiere feiern; die Premiere wurde kurzfristig „aus gesundheitlichen Gründen“ abgesagt.

Was sagen seine Kollegen?

Die Reaktionen aus der österreichischen Kabarettszene werden von Bestürzung dominiert. Alfred Dorfer, mit dem Paal über Jahre beruflich zusammenarbeitete, erklärte, er sei „vollkommen erschüttert“. Während der gemeinsamen Bühnen- und Fernseharbeit habe es für ihn keinerlei Anzeichen oder Hinweise in diese Richtung gegeben. Zugleich betonte Dorfer, dass die Gedanken in erster Linie beim betroffenen Kind sein müssten.

Auch Caroline Athanasiadis, die mehrfach mit Paal auf der Bühne stand, erklärte, sie sei „ehrlich erschüttert“. Sie verwies zugleich darauf, dass persönliche Sympathie oder die eigene Erfahrung mit einem Menschen kein Gegenargument zu möglichen Vorwürfen sein könne, und forderte eine lückenlose Aufklärung.

Wie geht es nun weiter?

Die Anklage gegen Günther Paal ist noch nicht rechtskräftig. Einen konkreten Termin für die Hauptverhandlung gibt es derzeit noch nicht; sie soll vor einem Schöffensenat am Wiener Landesgericht stattfinden. Paal bleibt vorerst auf freiem Fuß.

Alle seine geplanten Auftritte wurden inzwischen abgesagt. Auch der ORF teilte mit, dass derzeit keine Zusammenarbeit mit Paal besteht und keine früheren Produktionen mit ihm zur Ausstrahlung vorgesehen sind. Wie der Fall strafrechtlich ausgeht, wird letztlich das Gericht entscheiden. (red.)

Bild: Wolfgang H. Wögerer, Wien, CC BY-SA 3.0, Link