Die beiden Burschen Julian und Thomas Wittmann haben genug von der bayrischen Provinz. Ihr Plan: Ein Roadtrip durch halb Europa und dann durch die USA, von der Ostküste bis nach Las Vegas – und das auf dem Moped. Während die beiden von ihrer Mission, die „große Freiheit“ zu finden, überzeugt sind, ist man im (fiktiven) heimatlichen Dorf wenig begeistert. Als es die beiden Brüder schließlich schaffen, den alten Filmprojektor zum Laufen zu bringen, um ihr filmisches Reisedokument im örtlichen Wirtshaus vorzuspielen, sehen die Gäste – und wir als Zuschauer – ein entspanntes und nostalgisches Road-Movie, bei dem die beiden Ausreißer atemberaubende Landschaftsbilder einfangen und Bewohner der ruralen USA kennen lernen, die einen Eindruck davon vermitteln, was denn den „amerikanischen Traum“ ausmachen könnte.

von Christian Klosz

„Ausgrissn! – In der Lederhosn nach Las Vegas“ ist vor allem eines geworden: Ein sehr sympathischer Film, dem man gerne zuschaut und dessen nostalgischer Gehalt nie aufgesetzt wirkt. Dabei ist die Strukur vor allem zu Beginn durchaus gewöhnungsbedürftigt, denn man beginnt mit einem geskripteten Abstecher in ein uriges bayrisches Wirtshaus, wo die Zeit stillzustehen scheint: Die Dorf-Ältesten verstehen nicht, was die Jungen wollen, warum sie in der Welt herumreisen müssen anstatt zu arbeiten oder zu studieren – und sind dabei insgeheim doch neidisch.

Dabei ist die Grundprämisse des Films, die große Freiheit ausgerechnet in den krisengebeutelten USA zu finden, etwas naiv: Der große, amerikanische Traum ist spätestentens seit Trump tot. Gerade deshalb ist es umso bemerkenswerter, dass es der bereits 2018 gedrehte Streifen schafft, über die Gespräche, die die beiden Brüder mit Menschen führen, die sie auf ihrem Weg treffen, eine Idee davon zu vermitteln, was dieser mythische „American Dream“ für Amerikaner bedeutet. Oder zumindest einmal bedeutet hat.

Dabei ist das vermittelte Bild durchaus etwas einseitig, da sich die Wittmann-Brüder routenbedingt vor allem auf den großen Flächenstaaten in der Mitte des Landes bewegen, wo die Menschen bekanntlich anders ticken als in den städtischen Metropolen an der West- und Ostküste. Gleichzeitig macht es das auch wieder interessant, denn das US-Bild, das wir sonst durch Medien vermittelt bekommen, ist ein äußerst urban geprägtes. Dass gesellschaftliche und politische Wirren, die 2018 in den USA natürlich bereits wirksam waren, in „Ausgrissn“ kaum bis gar nicht thematisiert werden (und zwar weder von den Protagonisten, noch von ihren Reisefreunden), mag auf den ersten Blick irritieren, macht den Film auf der anderen Seite aber auch erfrischend, da er ein ganz anderes Bild der USA zeigt, als jenes, das wir seit 2016 aus den Medien kennen: Ein positives nämlich, das sich an der Legende der „großen Freiheit“ orientiert und ihr nachspürt, was insgesamt einen äußerst untypischen und vor allem hoffnungstiftenden Gesamteindruck vermittelt.

Am Ende ihres Trips müssen Julian und Thomas Wittmann feststellen: Die Freiheit, die sie die ganze Zeit gesucht hatten, hatten sie schon gefunden, als sie sich trotz aller Widerstände dazu entschieden hatten, ihre Mopeds zu satteln und sich auf diese Reise zu begeben.

Fazit:

Julian und Thomas Wittmann ist ein sympathischer, geradezu unschuldig naiver Selbsterfahrungs-Road-Trip-Film gelungen, der sich durch urige und spannende Charaktere und atemberaubend schöne Landschaftsaufnahmen auszeichnet – alles erzählt und präsentiert in typisch bayrischer Gemütlichkeit und mit bayrischem Humor. Ab 13.8. im Kino.

Bewertung:

Bewertung: 7 von 10.

(74/100)

Bilder: © MajesticSunseitn / Markus J. Schindler