Die Kühlschranktür geht auf. Flaschen klirren. Ein Getränk wird laut geöffnet. Drei Schlucke werden getrunken. Das Absetzen geschieht nicht lautlos, ein langgezogenes ,Aaaaah‘ folgt. Geräusche wie aus einer Jever-Werbung.

Ein Strand ist nicht in Sicht, dafür das Wochenende, das ein oder andere Bier und ein gemütliches Sofa. Dies ist der Weg, um sich auf einen Film einzulassen, der den klangvollen, völlig selbsterklärenden Titel „African Kung-Fu Nazis“ trägt. Die Wochenzeitung ,Die Zeit‘ hatte in einem Artikel von der Entstehungsgeschichte des Films berichtet. Sie klingt so verrückt wie der Film selbst: Sebastian Stein, deutscher Medienschaffender, verfasste das Drehbuch und bot es im Internet an. Ein ghanaischer Regisseur (Ninjaman) und Filmproduzent (Dannyboy) interessierten sich dafür. Stein überwies den Internetbekanntschaften mit den vertrauenserweckenden Namen kurzerhand 10.000 Euro, flog kurze Zeit später dem Geld hinterher und übernahm die Rolle des Adolf Hitler. Das muss man auch erstmal machen.

von Marius Ochs

Kaltgetränk in der Linken, Fernbedienung in der Rechten. Der Film wird gestartet. Schwarz-Weiß-Bilder aus dem Zweiten Weltkrieg flimmern über den Bildschirm. Eine ehrfürchtige Mischung aus Entzückung und Entsetzen macht sich breit.

Der Plot: Hitler überlebte den Zweiten Weltkrieg gemeinsam mit seinem Kumpel Hideki Tojo und flüchtete nach Ghana um sich dort eine Armee aufzubauen, die Ghan-Arier. Horst, unser Hauptcharakter, übt fleißig in einer Kung-Fu Schule. Sein Alkoholproblem verhindert jedoch, dass er ein großer Krieger wird. Eines Tages fallen Hitler und seine Armee über das Dojo her und töten Horsts Meister. Horst schwört Rache, trainiert und meldet sich, aus welchen Gründen auch immer, für das von Hitler veranstaltete Kampfturnier an.

Währenddessen wurde der Kasten aus dem Kühlschrank zum Sofa geschafft. Es wird klar: Hierfür braucht es mehr als ein oder zwei Flaschen. Ein weiteres Getränk wird geöffnet. Dieses Mal keine wohlwollenden Geräusche. Immer wieder lautes, manisches Lachen.

Um das klar zu stellen: „African Kung-Fu Nazis“ weiß genau, was für eine Art Film er ist. Man mag solchen Trash oder man mag ihn eben nicht. Wer sich darauf einlassen kann, findet hier ein herrlich hirnrissiges Fest der Absurditäten. Mehr „Kung Fury“ als „Iron Sky“, mit einer ganz eigenen Portion Verrücktheit. Darüber hinaus sind die Kampfszenen richtig gut gemacht, wenn man den Maßstab anderer Filme dieser Kragenweite anlegt. Das finale Kampf-Turnier ist auf jeden Fall sehenswerter als der ganze „Street Fighter“-Film von 1994 – auch wenn das nicht sonderlich schwer ist.

Die fünfte (oder sechste) leere Flasche landet nicht mehr so zielsicher im Kasten. Der Film ist fast vorbei. Die Geduld auch. Kein lautes Lachen mehr, viel Kopfschütteln und Gegrinse. Ekstase und Erschöpfung wechseln sich jetzt ab.

Nun zum letzten Punkt in der Besprechung dieses Films, der auf jeden Fall das Zeug zum Kultklassiker hat: Die deutsche Synchronisation. Die einzelnen ghanaischen Charaktere wurden alle mit komplett unterschiedlichen deutschen Dialekten übersetzt. Spricht Horst noch einigermaßen Hochdeutsch, sorgt sein Sparrings-Partner Mampfred mit seinem Bremer Norddeutsch („Komm Horst, kämpf vernünftig. Wir sind hier doch nicht aufm Fischmarkt.“) für die witzigsten Momente des Films. Einer von Horsts Lehrmeistern spricht tiefstes Bayrisch, die Satzfetzen, die man versteht, sind herrlich („Du wirst dieses Turnier nicht nur mit Saufen gewinnen.“). Es funktioniert, auch wenn es häufiger an die ulkige Synchronisationen großer Franchises einer gewissen YouTuberin erinnert.

Film vorbei. Das Hirn ist schon lange aus, war vielleicht nie an. Trinkspiele wurden sich ausgedacht und wieder verworfen. Spaß hats gemacht. Und dann wartet da ja auch noch die Behind the Scenes-Doku in Spielfilmlänge. Schluck, Aaaasah, und weiter gehts.

Fazit

„African Kung-Fu Nazis“ ist infantiler Schwachsinn, dessen Witze sich manchmal hart an der Grenze des guten Geschmacks bewegen. Die Synchro klingt amateurhaft und unpassend. Die Story ist fürchterlich egal, die Animationen lächerlich, die Kämpfe zweitklassig, obwohl sie sogar noch das Beste an dem Film sind. So würde sich eine Kritik unter normalen Umständen lesen. Deshalb verzichtet diese Rezension auch auf eine Punkte-Wertung: Es macht keinen Sinn, diesen Film unter normalen Maßstäben zu betrachten und zu bewerten. Lässt man sich aber darauf ein, erwartet den geneigten Zuschauer und die geneigte Zuschauerin ein wirklich saukomischer Abend. Hier könnte tatsächlich der nächste Kult-Klassiker in den seltsamen Fußstapfen von „Iron Sky“ und „Kung Fury“ entstanden sein. Alkohol hilft.

Bilder: ©Busch Media Group