Serienkiller haben es Film- und Fernsehfans schon lange angetan, wie Kulthits wie „True Detective“, „Hannibal“ oder „Dexter“ bezeugen. Elizabeth Meriwether („New Girl“, „The Dropout“, „Dying for Sex“) will dem Genre eine neue Perspektive hinzufügen und stellt in ihrer neuen Serie „Furious“ zwei Frauen in den Mittelpunkt: Eine FBI-Ermittlerin und eine Serienkillerin, die beide in ein Katz-und-Maus-Spiel verwickelt sind, das keinen Raum für ethische Gewissheiten lässt. Seit 27. Juli 2026 bei Disney+ zu sehen.
von Natascha Jurácsik
Alice (Emmy Rossum) versucht Karriere beim FBI zu machen, nachdem sie ihren Job als Detective in New York aufgrund schwieriger Umstände hinter sich lässt. Plötzlich fällt ihr eine Reihe an Morden in den Schoß, die alle zusammenhängen und sie begibt sich auf die Jagd nach einer weiblichen Serienmörderin (Lola Petticrew) – eine Seltenheit. Was die beiden gemeinsam haben, sind erlittene Traumata, und es könnte genau dieses Detail sein, was schließlich entscheidet, wer hier eigentlich wen verfolgt.
Serie „Furious“: Trauma als Auslöser eines ethischen Dilemmas
Die Prämisse ist wohl die größte Stärke der Serie, denn trotz vereinzelten Erfolgen wie „Monster“ lassen sich weibliche Serienkiller vor der Kamera genauso selten finden wie im echten Leben, denn statistisch dominieren hier immer noch eindeutig Männer (https://mars.gmu.edu/items/a620d7a2-1f2f-498e-9c09-d1362ce02f65). Die brutale Thematik rund um Mord und Gewaltverbrechen in eine scheinbar ‚feministische‘ Rhetorik einzukleiden mag zunächst etwas verstörend wirken, doch bereits nach wenig Laufzeit wird klar, dass es Meriwether viel eher um Moral geht. Auch wenn ihr Ansatz schnell als eine Art ‚Girl Boss‘ Version von Kriminalität verstanden werden könnte, wie es mitunter bei Filmen wie „Gone Girl“ der Fall ist – eine Unterkategorie die von Fans ‚Good-For-Her‘-Cinema genannt wird, bei dem weibliche Täterinnen nicht verurteilt, sondern als emanzipatorische Akteurinnen gefeiert werden.
Die düstere Atmosphäre von „Furious“ scheint sich diesem Diskurs mehr oder weniger entziehen zu wollen, denn trotz ethischer Unentschlossenheiten scheut die Kamera nicht vor der Brutalität der Protagonistinnen zurück und versucht die Charaktere nicht als ‚tödlich, aber elegant‘ oder sogar ‚sexy‘ zu ästhetisieren. Ihre unangenehmen oder sogar verwerflichen Züge machen sie hier nicht zu Femme Fatales, sondern zu teils problematischen, teils sympathischen Figuren, was für das Thriller-Genre sehr erfrischend ist. Auch die gelungen choreografierten und nicht sexualisierten Action-Szenen tragen maßgeblich zu diesem Effekt bei.
Interessanter Ansatz, aber auch Schwächen
Gleichzeitig leidet die Handlung von „Furious“ an einigen Klischees, die die Geschichte an bestimmten Punkten etwas vorhersehbar machen. Das weibliche Opfer, das die eigene Autonomie durch Machtspiele und zwanghaften Kontrolldrang wieder herstellen will, wird symbolisch unterstrichen mit der mythologischen Figur der Medusa – ein Narrative, das ohne neue Ansätze zu altbekannt und schwach ist, um das Gewicht der Kernthematik tragen zu können. Dadurch verliert das Vorhaben eines moralischen Diskurses zu Gender-spezifischen Gewaltakten und ihren ethischen Konsequenzen an Schwungkraft und verläuft etwas im Sand.
Hinzu kommt, dass die Aufmerksamkeit des Publikums nicht durchgehend aufrechterhalten wird. Die Frage, wer die Täterin ist, wird irrelevant, da man dies bereits in der ersten Folge erfährt, auch wenn nicht im Detail. Wenn Krimis diese Route wählen und das ‚Whodunnit‘-Konzept ablehnen, lebt die Handlung meistens von einem graduellen Kennenlernen der komplexen Persönlichkeiten, die die Geschichte tragen.

Leider hat man als Zuschauer aufgrund der erwähnten Klischees und ausgedienten Muster das Gefühl, alle wichtigen Charaktere bereits nach zwei Folgen im Wesentlichen zu kennen und ihre Motivationen zu verstehen, wodurch man hin und wieder schlicht und ergreifend das Interesse an ihnen verliert. Hier hätten mehr Tiefe und Originalität definitiv eine Wirkung gezeigt.
Kleinere Schwächen plagen auch die visuelle Arbeit: Obwohl „Furious“ gut gespielt und passabel gefilmt ist, lässt die Kameraführung eine Art Verwirrtheit oder besser gesagt: Ungenauigkeit erahnen. Einige Schnitte, das variierende Tempo und die unterschiedlichen optischen Marker versuchen die inneren Welten der zwei Protagonistinnen darzustellen, indem sie sich an ihren Wahrnehmungen der Außenwelt orientieren, doch das Ergebnis ist eher ein konfuses, unentschlossenes Durcheinander, das einigen Momenten ihre Wichtigkeit nimmt.
Fazit
Gewalt, Moral und Gender – „Furious“ ist ein interessanter Perspektivwechsel innerhalb des Thriller-Genres, das auf gelungene Art Gewalt an Frauen nicht als sexualisiertes Spektakel darstellt, sondern Trauma als Auslöser eines ethischen Dilemmas darstellt. Leider fehlt den Ansätzen Originalität und Realismus, wodurch es den Figuren und ihren Schicksalen an Komplexität fehlt, um diese Thematik richtig vermitteln zu können.
Bewertung
(66/100)
„Furious“: Serie, ab 27.7.2026 bei Disney+, 1 Folge pro Woche
Bilder: © Disney

Vielleicht schaue ich mal rein.