Mit „Spider-Man: Brand New Day“ startete am 29.07.2026 der bereits vierte Solofilm mit Tom Holland als Spider-Man/Peter Parker und zugleich der insgesamt 38. Film im Marvel Cinematic Universe. Nach einigen Projekten, die weder Kritiker noch Publikum wirklich überzeugen konnten, scheint sich Marvel allmählich zu regenerieren. „Deadpool & Wolverine“ war der langersehnte Hit 2024, während „Thunderbolts“ (2025) und „The Fantastic Four: First Steps“ (2025) zwar gute Kritiken erhielten, an den Kinokassen jedoch enttäuschten.

Dennoch ist der Hype um „Avengers: Doomsday“, der Ende des Jahres erscheint, groß. Damit wird „Brand New Day“ zu einem guten Barometer dafür, wie es generell um das Interesse an Superhelden und am MCU steht. Bis jetzt war jedenfalls jeder Marvel-Spider-Man-Film ein Erfolg. Der Trailer wurde auf YouTube millionenfach angeklickt. Steckt hinter dem Film aber auch eine sehenswerte Geschichte?

Kritik zu „Spider-Man: No Way Home“

Kritik von Christian Oehmigen

Vier Jahre sind seit den Geschehnissen von „No Way Home“ (2021) vergangen. Damals verhinderte Dr. Strange den Zusammenbruch des Multiversums mit einem Zauber, der Peter Parker aus dem Gedächtnis der Welt löschte. Das heißt: Niemand weiß mehr, dass Spider-Man eigentlich Peter Parker ist. Weder die Avengers noch seine große Liebe MJ noch sein bester Freund Ned. Seither hat sich Peter ohne Unterlass der Verbrechensbekämpfung verschrieben.

Nach und nach merkt er jedoch, dass etwas mit ihm nicht stimmt. Kopfschmerzen und gelegentliche Gedächtnislücken plagen ihn. Etwas in ihm scheint sich zu verändern. Gleichzeitig häufen sich Verbrechen, deren Täter sich anschließend daran nicht erinnern können. Mithilfe des Punishers, Frank Castle, will er dem auf den Grund gehen. Dem nicht genug, scheint auch MJ in Gefahr zu sein.

„Spider-Man: Brand New Day“: Spidey wird erwachsen

Bei „Spider-Man: Brand New Day“ gilt: Je weniger man über die Geschichte weiß, desto besser. Es gab zahlreiche Gerüchte darüber, wer hier der Widersacher ist, und auch an dieser Stelle wird nichts offenbart. Was man auf jeden Fall sagen kann: Dieser Teil ist auf vielen Ebenen gelungen. Der Ton ist spürbar ernster, und wir sehen Spider-Man endlich wieder bei der Arbeit. Die Kamera folgt ihm bei spektakulären Fahrten durch die Straßenschluchten New Yorks und bei der Verbrechensbekämpfung in einem bedrohlich wirkenden New York City. Vor allem in der ersten Hälfte kommen Spider-Man-Fans voll auf ihre Kosten, auch wenn die eigentliche Geschichte eine Weile braucht, um in Gang zu kommen.

Natürlich steigt und fällt der Film mit Tom Hollands Spider-Man, den er seit 2016 verkörpert. Sein Peter Parker hat weiterhin Optimismus und eine gehörige Portion jugendlichen Charme, hadert zugleich mit sich selbst, ist einsam und wirkt insgesamt erwachsener. Trotz des ernsteren Tons bleibt der Film familienfreundlich genug. Die Gags sind dabei jedoch nicht typisch Marvel; es wird eher auf Slapstick und One-Liner gesetzt und sie werden dezent eingesetzt. Das fügt sich gut in die Dramatik des Films ein, lockert ihn auf, ohne ihn ins Lächerliche zu ziehen. Auch gibt „Spider-Man: Brand New Day“ den Charakteren genug Raum, um sich zu entfalten und ihre Emotionen zu zeigen. Gerade in den Szenen zwischen Peter und MJ (Zendaya) zeigt sich das sehr positiv.

Der Punisher als idealer Sidekick

Die Entscheidung, Spider-Man einen Sidekick mit dem Punisher Frank Castle (Jon Bernthal) zur Seite zu stellen, hat sich als Glücksgriff erwiesen. Vorab wurde viel darüber diskutiert, ob eine Figur wie der Punisher überhaupt in einen familienfreundlichen Spider-Man-Film passt. Schließlich ist Castle eher für seine extreme Brutalität bekannt und damit eigentlich das exakte Gegenteil von Spider-Man. Und genau deswegen funktioniert es so gut.

Bernthal bringt trockenen Humor in den Film und bildet damit einen starken Kontrast zu Hollands schwermütigem Peter Parker. Außerdem ist die Chemie zwischen den beiden hervorragend. Dabei behält Castle seine wesentlichen Charakterzüge bei und bekommt von Spider-Man auch schon mal einen Maulkorb verpasst, wenn er fluchen will. Und auch wenn es am Ende emotional wird, nimmt man es der Figur ab.

Auch der von Sadie Sink verkörperte Widersacher überzeugt. Die Figur hat ein nachvollziehbares Motiv und eine Hintergrundgeschichte, die ohne den üblichen Welteroberungsplan auskommt.

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Spider-Man: Brand New Day

Neuer Anstrich, viel Fanservice

Man merkt den neuen, frischen Anstrich des Regisseurs Destin Daniel Cretton („Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“): Die Action ist sauber inszeniert und hält den Raum, wenn es persönlicher wird. Endlich kommt das zusammen, was man sich schon lange von Marvel gewünscht hat: Blockbuster-Action mit Herz und Identität.

Nur bei der Anzahl der Figuren übernimmt sich der Film gelegentlich. Das MCU hat sich natürlich eine reiche Palette an Charakteren aufgebaut. Auch in „Brand New Day“ kommen einige davon zum Vorschein. So taucht etwa Bruce Banner (Mark Ruffalo) auf, der nach längerer Zeit wieder zum Hulk wird. Seine Szenen wirken allerdings eher wie Fanservice als ein notwendiger Teil der Handlung.

Auch bei weiteren Figuren hat man den Eindruck, dass sie hauptsächlich existieren, damit Spider-Man mit ihnen interagieren kann, was etwas willkürlich wirkt. Das sorgt zwar für kurze Jubelmomente, geht aber zulasten jener Figuren, die für Peters Geschichte eigentlich wichtiger wären. Gerade MJ und Ned (Jacob Batalon) haben zwar einige Szenen, werden jedoch nicht gründlich vertieft. Weniger wäre hier mehr gewesen.

So unterhaltsam „Spider-Man: Brand New Day“ auch ist, macht sich die knapp zweieinhalb Stunden Laufzeit bemerkbar. Das hätte man leicht vermeiden können, wenn sich der Film stärker auf Peter und sein unmittelbares Umfeld konzentriert hätte.

Fazit

Das vierte Soloabenteuer des beliebten Spinnenmanns bringt das MCU ein gutes Stück zurück auf Kurs. Tom Hollands Spider-Man wird erwachsen, gewinnt an Tiefe, verliert aber nie seinen Optimismus. Die Action ist sauber inszeniert, und die Kombination mit dem Punisher ist eine der besten, die das Genre seit Langem hervorgebracht hat. Einzig die Vielzahl der Charaktere und der gelegentliche Fanservice trüben die Gesamterfahrung etwas. Mit 145 Minuten ist der Film zudem etwas zu lang geraten. Trotzdem ist „Spider-Man: Brand New Day“ einer der besten MCU-Filme seit Langem. Sehr empfehlenswert.

Bewertung

Bewertung: 8 von 10.

(82/100)

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