Mit „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ bringt Jane Schoenbrun („I Saw the TV Glow“) einen eigenwilligen Slasher zwischen Horror-Parodie, queerer Reflexion und Film-im-Film-Konzept ins Kino. Hannah Einbinder und Gillian Anderson spielen die Hauptrollen. Unsere Filmkritik:
Von Jonas Schilberg
Nachdem Jane Schoenbruns erste beiden Spielfilme hierzulande einen Start im Heimkino und auf einigen Festivals bekamen, darf sich „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ nun über einen regulären Kinostart freuen. Der Slasher, der eigentlich mehr eine Slasher-Parodie ist, kann ab dem 20. August 2026 auf der großen Leinwand gesichtet werden. Dabei ist der Film weniger sperrig, als es der überlange Titel vermuten lässt. Vielleicht ist aber gerade das ein Problem.
Die Handlung: Eine totgeglaubte Slasher-Reihe wird wiederbelebt
Die Handlung dreht sich um die Filmemacherin Kris (Hannah Einbinder), die die Slasher-Reihe „Camp Miasma“ fortsetzen will. Momentan wirkt diese ziemlich tot, ist sie unter anderem Misogynie- und Transphobie-Vorwürfen ausgesetzt. Dass ausgerechnet eine queere Regisseurin die generische Trash-Reihe fortführen will, kommt den Produzenten somit gut gelegen. Sie selbst bezeichnet die Reihe sogar als Grund für ihr persönliches queeres Erwachen.
Am Set des allerersten Camp-Miasma-Teils angekommen, stößt sie plötzlich auf die alternde Billy (Gillian Anderson), die damals das allererste Final Girl war. Während sie sich gemeinsam in die alten Filme einarbeiten und auch körperlich näherkommen, beschließt Kris: Billy soll erneut die Hauptrolle übernehmen.
Immer wieder geht es um einen bestimmten „Blick“. Gemeint ist hier nicht etwa der Blick auf das Medium Film, die alten Camp-Filme und inwiefern sie bestimmte rückschrittliche Ideologien transportierten. Sondern ein konkreter Blick Billys, den die Kamera beim ersten Teil der Reihe einfing. Über hundertmal habe sich Kris die Szene, den Film angesehen. Unbeschreiblich empfindet sie ihn noch immer; ein Begehren in ihr entfachend.
Schoenbruns Film versäumt Ambivalenzen
Bestimmte Einstellungen, Atmosphären, Geschehnisse nicht in Worte fassen zu können, das lässt sich auf viele Filme anwenden. In einer unklaren Sprache sprechen diese zu uns. Sagen nicht etwas, sondern flüstern irgendwas. Leider bekommt „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ diesen Gedanken aber nicht wirklich zu fassen. Im Gegenteil: Unüblich für Schoenbrun, gestaltet sich der Film die meiste Laufzeit über gähnend eindeutig.
Der Verweis auf „Sunset Boulevard“ muss dabei ebenso ausgesprochen werden, wie ausbuchstabiert werden muss, dass diese und jene Szene in „Camp Miasma“ transphob sei. Die Bilder schlicht für sich sprechen zu lassen, fällt offenkundig schwer. Codes, Allegorien, Referenzen werden betont unmissverständlich gesetzt. Stellenweise fühlt sich der Film dann wie das Lösen eines Kreuzworträtsels an, bei dem man am Ende stolz ein Lösungswort präsentiert, obwohl einem die Teillösungen ins Ohr geflüstert worden sind. Obwohl ein Film vielleicht keine völlig eindeutige, dechiffrierbare „Lösung“ haben sollte.
Beinahe wäre diese Eindeutigkeit hinreichend, „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ Plattheit und Plumpheit vorzuwerfen. Zu selbstgefällig suhlt sich Schoenbrun in der Thesenhaftigkeit. Wären da nicht diese unglaublich satten, traumtänzerisch schönen Bilder Eric Yues, mit dem Schoenbrun schon für „I Saw the TV Glow“ zusammenarbeitete. Gepaart mit einer einsaugenden Atmosphäre ergibt sich zumindest auf der formalen Ebene ein Zustand, der sich wahrhaftig nicht in Worte fassen lässt. Dazu tragen mit Hannah Einbinder und Gillian Anderson nicht zuletzt zwei fantastisch besetzte Schauspielerinnen bei.

Auf Lacher folgt Sättigung, folgt… eine Wendung
Wie der Film das Slasher-Kino parodiert und schamlos überzeichnet (in meterhohen Fontänen spritzt das Blut), unterhält er sein Publikum gut. Eines ist ziemlich sicher: Wer den Film Kino im Kino sieht, wird das Publikum auch lachen hören, Schoenbruns Film ist unterhaltsam. Einige Spitzen sind keineswegs übel gesetzt; das Abarbeiten an den Klischees dekonstruiert hierbei gleichermaßen, wie es dem Genre eine Hommage bietet. Irgendwann holt den Film dann aber wieder seine beschriebene Eindeutigkeit ein. Dann wird der weitere Verlauf eher vorhersehbar als wirklich komisch.
In der letzten halben Stunde erst findet „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ zurück zu einer Rätselhaftigkeit, die bis dahin vermisst wurde und man aus Schoenbruns anderen Werken kennt. Die zuvor fest angelegten Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit, Film und Arbeit am Film, Realismus und Surrealismus lösen sich auf, um Interpretation endlich Freilauf zu lassen. Mehr davon!, ist der Ruf, doch dann erscheint schon der Abspann.
Fazit zu „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“
„Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ ist viel Meta, viel queer und weniger spröde als Jane Schoenbruns sonstige Filmografie. Letzteres ist gerade deshalb schade, weil es zugunsten einer zwar nicht erzieherischen, aber doch selbstzufriedenen Note geschieht. Mehr Ambivalenz hätte dem handwerklich tadellosen Werk gut gestanden.
Bewertung
(66/100)

„Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ – Filmdaten
Originaltitel: Teenage Sex and Death at Camp Miasma
Regie: Jane Schoenbrun
Drehbuch: Jane Schoenbrun
Mit: Hannah Einbinder, Gillian Anderson u. a.
Genre: Horror, Slasher, Komödie
Laufzeit: 112 min.
Produktionsland: USA, UK
Kinostart Deutschland: 20.8.2026
Kinostart Österreich: 20.8.2026
FilmPlusKritik-Bewertung: 66/100
Bilder: (c) MUBI
