Mit dem Kinostart von „Digger“, dem neuen Film von Alejandro González Iñárritu (ab 1.10.2026) steht auch einmal mehr sein Hauptdarsteller im Fokus: Tom Cruise ist zugleich eine der am meisten respektierten und meistgehassten Personalien Hollywoods. Niemand bestreitet ernsthaft seine Bemühungen um die Zukunft des Kinos, seinen Status als „Last Actio Hero“ oder seinen stets vollen Einsatz für seine Rollen. Auch als Produzent beweist er oft das richtige Gespür, wenn es um filmisch hochwertige und zugleich mainstreamtaugliche Blockbuster geht.

Tom Cruise: Respektiert und gehasst

Auf der anderen Seite trübt die „Scientology-Geschichte“ den Blick auf Cruise, wohl nicht zu Unrecht, selbst wenn er selbst sich da in den letzten Jahren bedeckt hält. Was bei all dem häufig übersehen wird ist der durchaus talentierte Schauspieler Cruise, der sein Können gerade in frühen Filmen wie „Die Farbe des Geldes“, „Rain Man“, „Jerry Maguire“ oder „Magnolia“ unter Beweis stellte – danach allerdings immer weniger. Eine Ausnahme bleibt Cruises Rolle als glatzköpfiger Filmproduzent Les Grossman in „Tropic Thunder“ (2008), ein Highlight des „typfremden“ Castings und Over-Actings, der Cruise sogar eine Golden Globe-Nominierung einbrachte.

Davon ließ sich nun wohl auch Regisseur Iñárritu inspirieren, der Cruise in der Hauptrolle seines neuen Films „Digger“ besetzte. Gewisse Parallelen lassen sich auch zu Iñárritus „Birdman“ (2014) erkennen, der dem damals aus dem Spotlight verschwundenen Michael Keaton eine neue schauspielerische Bühne bot, die ihm direkt den Oscar bescherte. Eine ähnliche Bühne wird nun Tom Cruise gegeben, „Digger“ soll ihm endlich zu seinem Darsteller-Oscar verhelfen.

Worum geht es in „Digger“?

Die skrupellosen Geschäfte des exzentrischen Milliardärs und Erdölmagnaten Digger Rockwell (Tom Cruise) haben wesentlich zur sich zuspitzenden Klimakrise beigetragen. Durch die Erderwärmung und das Abschmelzen der Polkappen kommt es zu gewaltigen Naturkatastrophen: Ein riesiger Eisberg löst sich aus Grönland, Tsunamis bedrohen Küstenregionen und die Welt versinkt zunehmend im Chaos.

Während Regierungen weltweit mit dem drohenden Zusammenbruch der bestehenden Ordnung kämpfen, sieht sich Digger plötzlich selbst zum Retter der Menschheit berufen. Der US-Präsident (John Goodman) verlangt von dem Mann, der maßgeblich zur Katastrophe beigetragen hat, eine Lösung für das Desaster. Digger startet daraufhin eine gewaltige Rettungsmission.

„Radikales Experiment“ vs. „selbstgefällig“: „Digger“ spaltet die Kritik

Liest man die ersten Kritiken zu „Digger“, ergibt sich eine seltene Diskrepanz: Ausdrücklich und unisono wird Cruises Einsatz gelobt, inklusive seiner radikalen äußeren Verwandlung (Halbglatze, Bierbauch, Alterung). Der Inhalt des Films selbst, eine „bitterböse, geradezu verstörende“ (LA Times) Klimasatire, und dessen Machart polarisiert dafür umso mehr.

Während die einen die bewusste Übertreibung als gelungen eingesetztes Stilmittel loben, von einem „radikalen Experiment“ (BBC) sprechen oder ihm das Gütesiegel „Dr. Strangelove des Klimawandels“ verleihen, kritisieren andere „Digger“ als „überladen, selbstgefällig und belehrend“ (Variety).

(Christian Klosz)

Bild: (c) Warner Bros.