Die MCU expandiert trotz wackligem Zukunftskonzept fleißig weiter und zaubert nun eine der beliebtesten Superheldenteams auf die Leinwände: Die Fantastic 4 sollen mit ihrem Film „The Fantastic Four: First Steps“ (2025) zusammen mit der neuen Gruppe der Thunderbolts (unsere Kritik zu „Thunderbolts*“) die Franchise wieder in eine interessantere Richtung lenken, was Disney mithilfe eines einem Star-besetzten Casts angeht. Doch ob die Talente von Pedro Pascal, Vanessa Kirby & Co. wirklich reichen, um dem Projekt zum Erfolg zu verhelfen, bleibt fraglich. Seit 24.7.2025 im Kino.
Kritik von Natascha Jurácsik
„The Fantastic Four: First Steps“ (2025): Tausche Kind gegen Planet
Das Glück könnte für die Lieblingshelden der Erde-828 nicht größer sein: Nach langem Versuchen erwarten Sue Storm (Invisible Woman, Vanessa Kirby) und Reed Richards (Mr. Fantastic, Pedro Pascal) ihr erstes Kind. Doch leider währt die Idylle nicht ewig, denn bald treffen The Fantastic Four, zu denen auch noch The Thing und Human Torch gehören, auf ihren bislang mächtigsten Gegner, Galactus, der sie vor eine schreckliche Wahl stellt: Entweder sie überlassen ihm das Kind – oder er verschlingt den gesamten Planeten.
Visuell gibt sich „The Fantastic Four: First Steps“ (2025) sehr verspielt und orientiert sich stark an den originalen Comicbüchern. Die bunte 1960er Jahre Ästhetik gepaart mit den Hightech-Gadgets der Helden verleiht dem Film einen nostalgischen Look ganz im Stil des Retrofuturismus, der im ersten Akt sehr gut mit dem leichtherzigen Umgang der Figuren untereinander harmoniert. Auch wenn das Set und die Kostüme eher einem Theaterstück ähneln als einer Filmproduktion, macht das anfangs durchaus Spaß.
Zu viele Drehbuchköche verderben den Brei
Allerdings behält „The Fantastic Four: First Steps“ (2025) diesen Ton nicht bei und scheitert etwas am Übergang in einen ernsteren Mittelteil. Schuld daran ist Großteils der Handlungsaufbau, der auf recht schwachen Beinen steht und von sowohl von narrativen als auch atmosphärischen Unstimmigkeiten geplagt ist. Das lässt das Drehbuch qualitativ amateurhaft erscheinen, wobei auch die halbherzigen Dialoge und uninspirierten Expositionsszenen nicht helfen.
Wer den Produktionsablauf halbwegs mitverfolgt hat wird nicht überrascht sein, denn „The Fantastic Four: First Steps“ (2025) wurde seit seiner Ankündigung 2019 von einer Hand in die nächste gereicht, was auch die insgesamt fünft Writing Credits erklärt (Stan Lee und Jack Kirby als Erfinder der Titelfiguren nicht miteinbegriffen). Da hätte Disney vielleicht lieber ein bis zwei motivierte Drehbuchautoren anheuern sollen und diese machen lassen – viele Köche versalzen bekanntlich die Suppe.
„The Fantastic Four“: First Steps in die Superhelden-Autokratie?
Ansonsten wirkt die Geschichte selbst etwas uninspiriert. Das MCU leidet seit längerer Zeit an einem Subtext-Problem und der neue „The Fantastic Four“-Film ist da keine Ausnahme: Statt ein übergreifendes Thema geschickt in eine in sich stimmige Handlung einzubetten, spielt das Skript mit offenen Karten und nimmt eher die Rolle eines ethischen Gedankenexperiments mit großem Budget ein als die eines Superhelden-Actionfilmes. Dem moralischen Dilemma der Charaktere fehlt es somit an emotionalem Gewicht, da es dem Publikum eher wie ein Fallbeispiel in einem philosophischen Text präsentiert wird.

Aus diesem Grund bewegt sich die Story auf einer merkwürdig konservativen Ebene: Bevor der Zuschauer auch nur wirklich Zeit hat, sich empathisch auf die Akteure einzustellen, wird von ihm verlangt, der Seite der Hauptfiguren bei einem hochkomplexen Problem mit nur minimalem Diskurs vollkommen zuzustimmen. Sämtliche Gegenargumente werden mit nur einer einzigen, oberflächlichen Rede beiseite geräumt, wobei die Fantastic Four eine beinah autokratische Macht ausüben, um dem Rest des Planeten ihren Willen aufzuschwatzen.
Die Grundidee ist inhaltlich an sich interessant und hat viel Potenzial für ein vielschichtiges Beispiel im Genre nach dem Vorbild von Werken wie zum Beispiel „Captain America: Civil War“, doch dafür fehlt es „The Fantastic Four: First Steps“ (2025) schlicht an Tiefe. Das Drehbuch kann das Gewicht der Geschichte schlussendlich nicht tragen und hinterlässt am Ende einen merkwürdigen Beigeschmack, der das MCU definitiv nicht voranbringt.
Fazit
Vergeudetes Potenzial – dies scheint das neue Motto von Disney bzw. Marvel zu sein. Auch wenn „The Fantastic Four: First Steps“ (2025) die Superhelden-Familie gekonnt sowohl einer neuen als auch einer alten Fanbase näher bringt und besonders am Anfang Spaß macht, verläuft er unter der Last der eigenen Story im Sand, da das Drehbuch absolut kein festes Fundament bietet, auf dem eine so komplizierte Idee aufgebaut werden kann. Eingefleischten Marvel-Fanatikern könnte „First Steps“ eventuell gefallen, doch wer sich etwas mehr erhofft hat, wird trotz Charmes leider enttäuscht.
Bewertung
(54/100)
Unser Autor Richard Potrykus hat eine etwas andere (positivere) Sicht auf die Dinge. Seine Kritik zu „The Fantastic Four: First Steps“ könnt ihr auf seinem Blog lesen!
Wohin will Marvel? MCU Phasen 1 bis 5 in der kritischen Analyse
„The Fantastic Four: First Steps“ (2025): Trailer
Bilder: © 20th Century Studios and ™ 2025 MARVEL
