„Verity“, so heißt die neueste Colleen Hoover-Verfilmung, hochklassig besetzt mit Anne Hathaway, Dokota Johnson und Josh Hartnett und seit 1.10.2026 im Kino zu sehen. Der von Nick Antosca („Kap der Angst„) geschriebene Psycho-Thriller spielt mit dem Begriff der Wahrheit, enthält aber den einen Twist zu viel und ist in seiner Umsetzung zu mittelmäßig.

Kritik von Christian Klosz

Lowen Ashleigh (Dakota Johnson) ist talentierte Autorin, auf den großen Durchbruch wartet sie jedoch seit Jahren. Über ihren Agenten bekommt sie ein vor allem finanziell vielversprechendes Angebot: Sie soll die Buchreihe der gefeierten Starautorin Verity Crawford (Anne Hathaway) fortsetzen, da diese das nach einem schweren Unfall nicht mehr selbst kann. Zu diesem Zweck soll Lowen temporär ins abgelegene Anwesen ihrer Familie in Vermont ziehen, wo sie auch auf Veritys Mann Jeremy (Josh Hartnett) und deren Sohn Crew trifft.

„Verity“ spielt mit dem Begriff der Wahrheit

Es ist eine Familie in der Krise, die sie vortrifft: Crews Zwillingsschwester war vor einem Jahr in einem See ertrunken, danach folgte Veritys Unfall, der diese in einen katatonischen Zustand versetzte: Sie kann sich weder bewegen, noch sprechen. Lowen soll sich nun durch ihre Aufzeichnungen wühlen und daraus ein neues Buch basteln.

Durch Zufall entdeckt sie auf einem USB-Stick einen Text, der wie eine Autobiografie wirkt: Darin beichtet Verity, dass sie ihre Kinder gehasst habe. Und dass der Tod ihrer Tochter kein Unfall, sondern Absicht gewesen war. Dieses Wissen reduziert die Hemmungen Lowens, den sexuellen Spannungen zwischen ihr und Jeremy nicht nachzugeben. Als sie auch noch bemerkt, dass Verity ihren Zustand offenbar nur vorspielt, ist sie davon überzeugt, dass sie es mit einer Meistermanipulatorin zu tun hat. Doch was ist hier wirklich wahr?

Von „woke“ zu Trump in wenigen Jahren: Amazons Flip-Flop

Es ist nur wenige Jahre her, da sorgten Amazon und sein Streamingdienst Prime Video für Diskussionen wegen für manche als überschießend empfundener Diversity- und Inklusions-Maßnahmen: Filme und Serien musste anhand bestimmter Vorgaben hinter und vor der Kamera besetzt werden. Die „Herr der Ringe“-Serie gilt als Paradebeispiel für „politisch korrektes Casting“.

Man wollte damit einem aktuellen Zeitgeist entsprechen, doch bereits damals stand zu vermuten, dass es sich bei der ganzen Sache mehr um eine PR-Maßnahme handelte als um echte Überzeugung. Selbst progressiv denkende Menschen hinterfragten die Sinnhaftigkeit dieses Ausmaßes an Eingriffen in kreative Prozesse.

Nun, einige Jahre später, hat sich der Wind – zumindest in den USA – gedreht: Trump ist (wieder) an der Macht und hat allem, das den Anschein von „Wokeness“ macht, den Kampf angesagt. Bei Amazon ist immer noch Jeff Bezos am Ruder, doch der ist nun best buddy mit Trump (siehe die Gefälligkeitsproduktion „Melania“). Und hat seine Überzeugungen von vor einigen Jahren, die offenbar nie welche waren, über Bord geworfen.

„Normal“ bis zu Fadesse

Seit 1, 2 Jahren ist mehr als auffällig, wie sehr sich Amazon Prime Video und seine Produktionsstudios bemühen, „normale“ Filme und Serien zu drehen und einzukaufen. „Normal“ meint hier: Simple Plots ohne jegliche politische Botschaften, konventionell umgesetzt – und zumeist mit weißen Darstellern besetzt, zumindest in den Hauptrollen. Wie in der „guten alten Zeit“. Auch zahlreiche B-Movies finden sich in Amazons neuem Portfolio. Oder Macho-Action, die das Kino der 80er wiederholen will. Recht offenkundig ist all das eine Anbiederung an die Trump-Wählerschaft. Oder zumindest eine radikale Abkehr vom Zugang von vor 4, 5 Jahren.

Die Colleen Hoover-Adaption „Verity“, für die Amazon MGM den Vertrieb übernahm, fällt genau in diese Kategorie: Ein holzschnittartiger Psycho/Erotik-Thriller, inszeniert von Michael Showalter, ein Regisseur weitgehend ohne eigene Handschrift, der 3 schöne (weiße) Menschen – Dakota Johnson, Anne Hathaway, Josh Hartnett – in einer Dreiecksbeziehung aufeinandertreffen lässt.

Anne Hathaway in Verity
Anne Hathaway als Verity Crawford

Eine gute Idee macht noch keinen guten Film

Die Grundidee das Films ist dabei dar nicht übel und etwa bis zu Hälfte ist „Verity“ tatsächlich ein ansehnlicher Genre-Film im qualitativen Mittelfeld. Danach geschieht aber etwas, das Drehbuchautor Nick Antosca schon in seiner eher enttäuschenden Serien-Adaption von „Kap der Angst“ misslungen ist: Zu viele, zu unglaubwürdige Twists, dramaturgisch schlecht umgesetzt, zu plakativ und zu sehr auf die (vermeintliche) Wirkung bedacht.

Dabei hätte der Plot mit seinem Topos „Was ist wahr(heit)?“ und der Frage „Wer manipuliert hier wen?“ durchaus Potential gehabt, selbst wenn dieses Sujet offenkundig auch von Vorbildern wie „Basic Instinct“ inspiriert ist. Doch das fehlende Gespür bei der Umsetzung lässt die Sache weitgehend verpuffen. Und: Für einen Film dieser Art ist „Verity“ schlicht zu lang. An dem negativen Gesamteindruck können auch die durchaus soliden Darstellerleistungen nichts ändern.

Fazit

Trotz guter Ansätze weiß „Verity“ insgesamt nicht zu überzeugen: Die Dramaturgie ist zu unglaubwürdig und melodramatisch, der Umsetzung fehlt das Fingerspitzengefühl. Nicht zu Unrecht wird die Hoover-Adaption an anderer Stelle als schlechter Abklatsch des eindeutig gelungeneren „The Housmaid“ bezeichnet.

Bewertung

Bewertung: 4 von 10.

(40/100)

„Verity – Dunkle Geheimnisse“: Seit 1.10.2026 im Kino.

Bilder: (c) Amazon Content Services