Ein weiterer, rezenter Trend in der Filmbranche: Zu Zeiten gut vermarktbarer (pseudo-)feministischer Ansprüche Filmklassiker mit weiblichem Cast remaken, um eine „weibliche“ Sicht einzufangen, und neues, aufgeschlossenes Publikum zu erschließen. „Ocean’s 8“ machte es vor, nun zieht „Glam Girls – Hinreißend verdorben“, ein „weibliches“ Remake vom Remake von „Zwei erfolgreiche Verführer“ (1964), nämlich „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“ (1988), nach. Wenn das Ergebnis aber derart plump, banal und ordinär daherkommt, verkommt nicht nur der (vermeintlich) emanzipatorische Ansatz zum reinen PR-Gag, sondern auch der Kinobesuch zur Fremdschäm-Exkursion.

von Christian Klosz

Durch Zufall treffen einander Penny (Rebel Wilson) und Josephine (Anne Hathaway) auf einer Zugreise nach Frankreich. Was die beiden – trotz sehr unterschiedlicher Manieren und Aussehens – vereint: Sie verdienen beide ihr Geld als Trickbetrügerinnen, die gutgläubige und/oder dumme Männer gekonnt hinters Licht führen. Die eine, Josephine, macht das meist über den Einsatz ihrer optischen Reize und ihr elegantes Auftreten, die andere, Penny, lässt ihre verschlagene Gerissenheit für sich arbeiten. Nach anfänglichen Dissonanzen und gegenseitigen Vorwürfen, sich den „Markt“ streitig zu machen, verbündet man sich schließlich doch, um im französischen Nobelort auf Männerjagd zu gehen; nach einem kurzen optischen Make-Over und einem Update der Umgangsformen ist auch Penny bereit für die neue Zielgruppe. Doch auch das auserkorene Opfer, ein junger Internet-Millionär (Alex Sharp), hat es Faustdick hinter den Ohren….

Rebel Wilson und Annae Hathaway gehen in „Glam Girls“ auf Männerjagd

Es ist ja nicht so, dass „Glam Girl“ kein Potential hätte: Die Ausgangslage ist ganz interessant, der simple Plot „zwei unterschiedliche Charaktere verfolgen selbes Ziel“ kann zu durchaus ansehnlichen Ergebnissen führen, wie die Filmgeschichte hinlänglich beweist. Nicht aber dann, wenn a) zumindest eine der beiden (Penny = Rebel Wilson) derart nervig, penetrant und peinlich in ihrem Auftreten agiert und b) der Humor von primitiven Zoten, ordinären Sprüchen und Fäkalhumor unterster Schublade geprägt ist. Besonders die Szenen mit Wilson sind eine permanente Belastungsprobe für den Fremdschäm-Radar, wodurch auch an sich ganz lustige Szenen an Potential verlieren.

Der vermeintlich populär-feministische Zugang („Auch Frauen haben das Recht, böse zu sein!“) entpuppt sich schnell als reiner PR-Gag, spätestens dann, wenn sich Penny in ihr auserkorenes Opfer verliebt, und sich der wiederum als ebenso durchtrieben entpuppt, ist jeglicher emanzipatorischer Anspruch dahin (das machte sogar der oft gescholtene „Ocean’s 8“ besser). Will man Positives in „Glam Girls“ finden, kann man auf den zumindest in Ansätzen vorhandenen Unterhaltungswert einiger Szenen (wenn man über die enervierende Rebel Wilson hinweg sieht) hinweisen, und den unbekümmert-lockeren Ton des Films, der die eineinhalb Stunden zumindest halbwegs rasch verstreichen lässt.

Fazit:

Was also bleibt am Ende übrig? Eine zwar sehr bemühte, aber nur leidlich lustige Betrügerinnen-Komödie, die ihr zweifellos vorhandenes Potential nicht ausschöpft, deren unterirdischer Cast die Zuschauer auf eine harte Belastungsprobe stellt, und deren durchaus vorhandener Unterhaltungswert nicht über den mauen bis primitiven Humor hinwegtäuschen kann. In betrunkenem Zustand bei einem „Girls-Abend“ vielleicht erträglich, sollte man in zurechnungsfähigem Zustand die Finger von den „Glam Girls“ lassen. Ab 9.5. im Kino.

Bewertung:

4 von 10 Punkten

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Bilder: Universal Pictures