Filmfans, die es sich nicht nehmen lassen, sich das ein oder andere Original des Streaminganbieters Netflix anzuschauen, wissen um die qualitative Schwankungsbreite dieser Veröffentlichungen. Für jeden „Marriage Story“ gibt es irgendwo in der schier unüberschaubaren Masse an Filmen einen „The Ridiculous 6“. Und dann gibt es da noch jene Kategorie von Eigenproduktionen, die wohl am häufigsten vorkommen dürfte: Die Rede ist von Werken, die zwar weit hinter ihrem Potenzial zurückbleiben, die einen aber noch gut genug unterhalten, um sich in einem soliden, qualitativen Mittelfeld wiederzufinden. Nach dieser Einleitung sollten unsere Leser bereits eine leise Ahnung beschleichen, um welche Art von Film es sich bei „Outside the Wire“ handelt, der seit letztem Wochenende auf Netflix abrufbar ist.

von Mara Hollenstein-Tirk

Dabei sah im Trailer noch alles so vielversprechend aus: Ein kybernetisch verbesserter Soldat, ein Grünschnabel, eine scheinbar unmögliche Mission hinter feindlichen Linien – das alles gerade vage genug gehalten, um Neugier zu wecken, ohne zu viel zu verraten. Wer etwas aufmerksamer hinschaut, erkennt zwar ziemlich schnell, dass es sich hier um nichts bahnbrechend Neues handeln kann, aber nachdem Filme dieses spezifischen Genres eher dünn gesät sind, ist das auch nicht per se ein Problem.

Zum Problem wird es erst dann, wenn den Verantwortlichen nichts einfallen will, was dem bereits Bekannten eine frische Note verleiht. Hier ist vor allem das Ende (welches an dieser Stelle natürlich nicht gespoilert wird) der beste Beweis für die mangelnde Kreativität, ist es doch neben vorhersehbar auch noch klischeebeladen. Was in Anbetracht des recht gelungenen Einstiegs schon ziemlich sauer aufstößt. Gerade in seinem ersten Akt versucht „Outside the Wire“ noch ein wenig mit den Erwartungen zu spielen, setzt die Charaktere in den Vordergrund, baut einen Hauch Mysterium mit ein und hat den Zuschauer so sehr schnell am sprichwörtlichen Haken. Natürlich bröckelt auch hier schon ein wenig die heile Welt, wenn die erste Einstellung bereits mehr nach Videospiel denn teurer Filmproduktion ausschaut, oder der Vorgesetzte doch ein bisschen zu sehr in das Klischee des immer böse dreinblickenden, wortkargen Anführers gequetscht wird.

Dafür sitzen die wirklich wichtigen Effekte dann allerdings erstaunlich gut, viele der Explosionen wirken tatsächlich handgemacht und ausreichend dreckig, und zumindest der Protagonist macht so etwas wie eine emotionale Entwicklung durch. Diese wirkt zwar stellenweise ein wenig zu ruckartig und dadurch eher ambivalent, endet aber an einem nachvollziehbaren Punkt. Was durchaus auch Hauptdarsteller Damson Idris zu verdanken ist, der zwar noch ein bisschen Grün hinter den Ohren scheint, dies aber zu seinem Vorteil zu nutzen weiß und dadurch einen noch überzeugenderen fish out of water präsentieren kann. Ihm zur Seite steht Actionveteran Anthony Mackie, vielen wohl als Falcon aus dem Marvel Cinematic Universe bekannt, der die meiste Zeit den harten Hund heraushängen lässt, in der ein oder anderen Szene aber durchaus zeigen darf, dass auch er mehr zu bieten hat, als lediglich grimmig auf seinen Schützling herabzublicken.

Fazit:

So ist es am Ende ein Film, der nicht an seinen Darstellern, Effekten oder seiner Ausgangssituation krankt, sondern an der Einfallslosigkeit des Drehbuchs, das wohl keinen Weg gefunden hat, den vielversprechenden Anfang zu einem überraschenden Ende zu führen und stattdessen lieber auf ausgetretene Pfade und altbekannte Klischees zurückgegriffen hat.

Bewertung:

Bewertung: 5 von 10.

(53/100)

Bilder: (c) Netflix