Manchmal beschreiben Filmtitel genau das, was zu erwarten ist: In „Anderson Falls“ (2019) geht es um einen Cop namens Jeff Anderson (Shawn Ashmore), der sich am (geistigen) Abgrund befindet, nachdem er seine Frau tot in der Badewanne auffindet. Blut überall, aufgeschnittene Pulsadern – alles sieht nach Selbstmord aus, doch Anderson will das nicht so recht glauben, sei es nun Realitätsverweigerung oder richtiger Cop-Instinkt. Oder beides. Seine Kollegin Alderman (Daniella Alsonso), inzwischen nach diversen Eskapaden Jeffs auch seine Vorgesetzte, kann und will sein Treiben nicht mehr unterstützen, und so beginnt Anderson, auf eigene Faust zu ermitteln. Als er herausfindet, dass in den letzten Wochen und Monaten mehrere Frauen auf die exakt selbe Weise ums Leben gekommen waren wie seine geliebte Gattin, kann er nicht mehr an einen Zufall glauben: Er richtet sich ein Apartment als „Wahnsinns-Höhle“ ein und versucht, sich in den Kopf der derzeit noch fiktiven Täter zu versetzen, übt Frauenhass und Irrsinn – und ist sich schließlich sicher: Ich weiß, wie die Täter ticken, und weiß auch, auf wen sie es zunächst abgesehen haben!

von Christian Klosz

Genauso absurd wie der Plot klingt, ist er auch. Drehbuchautor und Regisseur bedienen die fürchterlichsten Cop-, Detektiv- und Serienkillerfilm-Klischees bis hin zur Karikatur, aber das alles mit solcher Ernsthaftigkeit, dass es unfreiwillig komisch wirkt – und schon wieder Unterhaltungswert besitzt: „Anderson Falls“ ist kein guter Film, aber ein unterhaltsamer, ein grandios trashiges B-Movie mit überdrehten Effekten, zweifelhaften Darstellerleistungen, qualitativ fragwürdigen Aufnahmen und trotz allem einer nachvollziehbaren Dramaturgie und einem gelungenen Finale. Genau diese Art von Film eben, wie man sie heute viel zu selten findet, in einer Branche, die sich im Spannungsfeld zwischen harter finanzieller Kalkulation und übervorsichtiger moralischer Spießigkeit der eigenen Möglichkeiten beschneidet: Klein, laut, dreckig, so soll es sein.

Der Unterhaltungswert von „Anderson Falls“ speist sich also in erster Linie aus dem (unfreiwilligen) Trash-Faktor, aber auch aus der rohen Kraft, die man dem Film attestieren muss. Es sind wahnwitzige, mit Verve inszenierte Sequenzen, die den Absturz des Protagonisten in Richtung geistige Umnachtung illustrieren, technisch nicht immer einwandfrei gefilmt, aber auf jeden Fall wirkungsvoll. Nicht zu verachten ist auch die Performance von Hollywood-Veteran Gary Cole („One Hour Photo“, „Ricky Bobby“) als frauenmordender Psychopath, der einzige im Cast übrigens, der wirklich schauspielern kann – und das auch zeigt. Seine Figur ist überraschend stimmig dargestellt.

Anderson Falls ein Cop am Abgrund

Fazit:

Laut, dreckig, krud und ein bisschen verrückt: So lässt sich „Anderson Falls – Ein Cop am Abgrund“ in wenigen Worten zusammenfassen. Filmfeinschmecker werden an dieser mit Anlauf versalzenen Suppe keine Freude haben, Trash-Liebhaber und Freunde des filmischen Fast Foods allerdings können durchaus einen Blick riskieren auf ein Werk, das ganz das Ethos klassischer B-Movies atmet und zumindest aufgrund seiner rohen Härte positiven Eindruck zu hinterlassen vermag. „Anderson Falls“ ist seit wenigen Tagen auf Amazon Prime Video zu sehen (Abo) und auch auf DVD/BluRay zu erwerben.

Bewertung:

Bewertung: 7 von 10.

(67/100)